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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-04-12 · Heft 15 (12.4.1881) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 15 (12.4.1881)
Date
1881-04-12
Page
Seite 244 (sequence 12)
Language
German
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Die deutschen ultramontanen Blätter, die „Germania" voran, haben bis vor Kurzem sich alle mögliche Mühe gegeben, ihre Leser von der Schuld der Juden am Nihilismus zu über» zeugen. Jetzt erfahren sie nun, daß man denselben aus der jesuitischen Erziehung der Polen erklären will und aus der Jesuitenmoral, welche vor dem Morde von „Feinden der Kirche" nicht zurückschreckt, auch wenn es gekrönte Häupter sind. — Bei der Vereidigung zur Treue gegen den neuen Kaiser hat man auch, wenigstens hier in Moskau, die Schulkinder schwören lassen, wobei das Eigene vorkam, daß die protestantischen Schulkinder mit den griechischen von den Popen zugleich vereidigt wurden, während die jüdischen und die katholischen Zöglinge vor Geistlichen ihrer Confession zu schwören hatten. Bonn, 3. April. (Notizen.) Man berichtet aus Berlin: Die „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen" hielt am 21. d. M. ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Herm. Landsberger erstattete Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft im verflossenen Vereinsjahre. Mit Genugthuung wurde hervorgehoben, daß allen an die Gesellschaft herangetretenen Ansprüchen in vollem Umfange genügt worden ist. was wesentlich der wachsenden Zahl der Mitglieder zu danken ist; dieselbe hat nunmehr bereits die Höhe von 500 erreicht. Der Thätigkeit der Bereinsärzte Herren Sanitätsrath vr. Marcuse und vr. Hamburger wurde vollste Anerkennung zu Theil. Die mit der Gesellschaft verbundene Hilfsanstalt für Wittwen und Waisen befinden sich ebenfalls in erfreulicher Lage. Die Versammlung schloß mit der Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder. (Man ersieht hieraus, daß die Zahl der jüdischen Handwerker, die doch noch lange nicht alle diesem Vereine angehören, sehr beträchtlich ist.) — In Bonn erhielten von 10 Abiturienten 3 das mündliche Examen erlassen. Diese drei waren: ein Jude, ein Protestant und ein Altkatholik. Da an irgend welche persönliche Begünstigung hierbei auch nicht im Entferntesten gedacht werden kann, so ist der Aerger der Ultromontanen desto größer, dem die dortige „Deutsche Reichszeitung" in ungeschickter Weise Ausdruck gab. — Wir haben vor Kurzem einen energischen Artikel Friedrich Hecker's gegen die Antisemiten gebracht (Nr. 1 d. I.). Um so mehr haben wir in dankbarer Erinnerung den Tod dieses Mannes, der am 24. März in St. Louis erfolgt ist, auch an dieser Stelle zu verzeichnen. — Aus Baden schreibt man uns: Tie kleine jüdische Gemeinde zu Ettenheim (Baden) hat sich eine schöne Synagoge gebaut. Schon hierbei zeigte sich der Geist der Toleranz, indem die Stadtverwaltung eine namhafte Zuwendung für den Bau gewährte. Bei der jüngst stattgefundenen Einwehiung bewährte sich dieser Geist nur noch mehr. Die Stadt war festlich beflaggt, die Schulen geschlossen, an dem Zuge von der alten zur neuen Synagoge betheiligten sich alle staatlichen und städtischen Behörden und viele christliche Einwohner. Die beiden Feüpredigten des Bezirksrabbinen l)r. Rawicz in Schmieheim machten einen tiefen Eindruck und erhoben die Simmung aller Anwesenden zu einer wahrhaften Weihe. Besonders bemerkenswerth waren aber die vom Herrn Oberamtmann bei der Uebernahme der Schlüssel gesprochenen Worte. Ein junges Mädchen überreichte nämlich mit einer sehr gelungenen Ansprache die Schlüssel, indem es am Schlüsse u. A. betonte, daß das neue Haus hiermit unter den Schutz des Staates gestellt werde, worauf Herr Oberamtmann Gaddeux ungefähr erwiderte, der neue Tempel stehe allerdings unter dem Schutze des Staates; aber sicherer stehe er unter dem Schutze einer gesitteten, aufgeklärten Bevölkerung, die durchdrungen sei, von dem Geiste der Nächstenliebe und der Achtung vor den religiösen Anschauungen und den gottesdienstlichen Einrichtungen einer anderen Religionsgenosscnschaft. Man wird zugestehen, daß diese Worte eines höheren Staatsbeamten einen anderen Geist athmen als der, der gegenwärtig aus dem Norden unseres deutschen Vaterlandes weht. — Man schreibt uns aus Prenzlau vom 24. März: Am heutigen Tage haben wir die Ueberreste eines Mannes zu Grabe getragen, der es verdient, daß seinem Andenken einige Zeilen gewidmet werden, vr. G. Burchardt, der länger als 40 Jahre zum Borstande und Repräsentanten- Eollegium der hiesigen Gemeinde gehörte, war ein Mann, der mit Hintansetzung seiner materiellen Bortheile und einer ganz merkwürdigen Opferfreudigkeit sich nur idealen Aufgaben widmete. Schon als junger Mann war er, da er Reformbestrebungen sehr geneigt war, in Verbindung getreten mit Salomon, Kley :c. und war selbst Vorsteher des während der Messe in Leipzig bestehenden Tempels gewesen. Auch in der hiesigen Gemeinde suchte er für Rcformbestrebungen im Cultus zu wirken. In den letzten Jahren lebte er als Rentier und beschäftigte sich ausschließlich mit jüdischen Angelegenheiten; er war ein eifriger 'Förderer der Alliance universelle Jsraelite, sowie überhaupt aller gemeinsamen jüd. Angelegenheiten. Er war ein großer Verehrer und eifriger Leser jüv. Blätter und besonders der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", für welche er auch immer Propaganda zu machen suchte. Obwohl selbst reformistisch gesinnt, lebte er doch mit den hiesigen konservativen Rabbinern, namentlich mit dem gegenwärtig hier fungirenden Herrn vr. Ritter in inniger Freundschaft, der ihm auch an seiner Bahre einen warmen, anerkennenden Nachruf widmete. Friede seiner Asche! 0. 1. — Man schreibt uns aus Ratibor vom 24. März. Am 21. d. verschied nach längerem Leiden der allverehrte Rabbiner hiesiger Gemeinde Herr Sinai Löwe. — Der

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