Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1881)
- Date
- 1881-04-12
- Page
- Seite 241 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Theil (derHalachah >, als auch van dem poetisch legendenhaften ldcr Hagadah). Namentlich die phantastisch-geistreichen Mär ' chen, welche diesen letzteren Theil charocterisiren, erweckten das lebhafte Interesse, oft auch die Heiterkeit der Zuhörerschaft, welche dem Herrn Vortragenden mit gespannter Aufmerksam feit und lebhaften Beifalls-Bezeugungen folgte. Nachdem der Vorsitzende in kurzen Worten darauf hingewiesen, welchen^ Werth der Vortrag des Herrn Dr. Leimdörfer über den; „Talmud", dieses von den Wenigsten gekannte und an wichtigen historischen Ueberlieserungen, wie an tiefer Ethik so überaus reiche Sammelwerk, gerade für den auf geistigem Gebiete eifrig vorwärts strebenden „Männerbilduugsverein" habe, entspann sich, angeregt durch den Rcdacteur der „Nordh. Ztg.", eine Discusfion über die Frage, weshalb das Judenthum, das ja schon so viel Gemeinsames mit der von dem rein dogmatischen Chriftenthum sich abwendenden Humanilätsreligion habe, immer noch seine Sonderstellung bewahre und sich gerade dadurch den in neuester Zeit in so krasser Weise hervorgetretenen Angriffen aussetzc. — Herr I)r. Leimdörfer antwortete hierauf, daß die Religion nicht aufgegeben werden könne, denn diese habe sich trotz Jahrtausende währender Angriffe kräftig genug bewährt. Wenn der Jude seinen Glauben halte, so sei er dadurch nicht exclusiv. Wir verlangen von jeder Confession, so sagte Herr Dr. Leimdörser, daß sie in ihren Kirchen und ihrem Glauben nach eigener lleberzeugung selig werde; darin stehen wir aber nicht exclusiv da, wo es gilt den Menschen hervortreten zu lassen in Liebe, Rechtlichkeit und Humanität. Ich erinnere an Nathan, an den Tempelherrn und den Sultan. Alle drei haben verschiedenen Glauben und jeder von ihnen mag seinen „Ring" beibehalten, bis zuletzt der „weise Richter" erscheint; der weise Richter ist aber noch nicht erschienen, vielmehr erwarten wir nach unserem messianischen Ideal, daß die Zeit kommen werde, wo alle Menschen auf dem Boden der Liebe und Humanität in die Worte Maleachis einstimmen: Haben wir nicht Alle einen Bater, sind wir nicht sonach auch alle Brüder? Wie sollen wir treulos gegen einander sein? Die Versammlung war auch von Damen zahlreich besucht, welche den Ausführungen des Vortragenden mit großem Interesse lauschten. Bielefeld, im April. (Privatmitth.) Tie Unterstützungskaffe israelitischer Elementarlehrer Westfalens und der Rheinprovinz hat ihren Bericht über das Jahr 1860 ausgegeben und zeigt einen erfreulichen Fortschritt des Vereins. Er mar im Stande, den Unterstützungsantheil von 54 aus 5.i Mark zu erhöhen. Die Einnahmen beliefen sich auf 4616 M. und es wurden davon für 0 Familien 2331 M. verausgabt, während ebenso viel statutenmäßig dem Vermögen überwiesen wurde. Das letztere beläuft sich jetzt aus 41,303 M. und ergiebt bereits 2083 M. an Zinsen. Die Kaffe ist demnach auch für ihre zukünftigen Verpflichtungen durchaus gesichert, besonders wenn ihr die Gunst der Gemeinden und edler Menschenfreunde auch fernerhin in gleichem Maße Spenden;n führt. Karlsruhe, 30. Mär;. Am kommenden Sonnabend wird nunmehr Herr Hofprediger Stöcker ans Berlin dahier einen Vortrag halten und ztvar in der ehemaligen Bandfabrik, nachdem dem betreffenden Comit.'- die Gesellschaften Eintracht und Museum ihre Säle und der Stadtrath die Festhalle, den Rathhaussaal und die Aula des alten Lycenms hierzu verweigert hatten. Der Stadtrath hatte seine Weigerung nach der „Bad. Ldpst." dahin motivirt, daß der Name Stöcker nicht einen Prediger und Verbreiter des Friedens, sondern des Zwistes ankündige. O efteiTC i ch-Ungarn. Wien, 21. Januar. (Verspätet.) In die Debatte über das Wuchergcsetz im Abgcordnetenhause hatte der ultramontane, tproler Abgeordnete, Pater Greuter, nicht unterlaßen, die Juden hineinzubringen. Dies veranlaßte den Abg. Superintendenten Augsb. Conf. Haase (Bielitz) zu einer donnernden Philippika gegen die Antisemiren. Gerade aus dem Munde eines protestantischen Geistlichen ist diese Rede werth, hier etwas ausführlicher wiedergegeben zu werden. Abg. Dr. Haase: Ich halte den vorliegenden Gesetzentwurf zwar für einen gut gemeinten, aber in seinem Effecte zu sehr geringen Hoffnungen berechtigenden Versuch, dem Wucher zu steuern. So oft solche sociale Krankheiten, wie es der Wucher ist, sich in so heftiger Weise äußern, vereinigen sich die Besten der Gesellschaft, um dieses Nebel zu localisiren und einzudämmen; allein es ist nicht zu leugnen, daß einer solchen Calamität mit Hilfe von ein paar Gesetzes-Paragraphen nicht der Garaus zu machen sei. Unser Trost kann nur der sein, daß es das Rechtsbewußtsein des Volkes in gewiffer Weise befriedigen wird: aber den Wucher ausrotten wird das Gesetz nicht. Um den Wucher zu beseitigen, muß man den Hebel dort ansetzen, wo es nöthig ist, das heißt einerseits bei der Leidenschaft und andererseits bei der Noth. Es wird die Ausgabe der Erziehung und der Schule sein, die Leidenschaften zu dämmen uud das Volk zu einem volleren Rechtsbewußtsein heranzuziehen. Die öffentliche Meinung muß den Betrug und den Schwindel brandmarken, wenn er sich auch in Palästen breitzumachen versteht, und der Wucherer muß zur Erkenntniß kommen, daß man ihn nicht blos nur so lange für einen Schelm hält, als er sich nicht bis zu einer gewissen Höhe des Vermögens emporge-! schwangen hat. Arbeiten und sparen müffen wir das Volk lehren. So lange wir aber in unserem Jahresvoranschlage sieben oder acht Millionen als Reingewinn der kleinen Lotterie haben, werden wir mit Bedauern constatiren müffen, daß j dies nicht die richtige Anleitung des Volkes zur Arbeit ist