Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1881)
- Date
- 1881-04-12
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
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mmmmm 2HÖ nun, ich lasse Ihnen das Vergnügen, aber ich werde mich,! soweit es mir meine amtliche Stellung erlaubt, von allen! diesen Bevorzugungen fernhallen." Er wandte sich bann j gegen Laster und Bamberger, die bekanntlich in den jetzt! obschwebenden und vom Reichstage verhandelten Fragen sehr bedeutende Reden gehalten haben, und giebt zu verstehen,! daß diese den Antisemiten recht vielen Stoff zu entgegengesetzten Aeußerungen geben. — Wir überlassen es unseren Lesern, sich ein Urtheil zu bilden, ob diese Entgegnung eine Verneinung oder nur eine Ausrede enthalte? ob man von einem Staatsmanne in solcher Stellung gegenüber den schmählichen Wühlereien gegen schuldlose Bürger eine entschiedenere Antwort nicht allein erwarten, sondern fordern konnte, oder nicht? — Bemerken wollen wir noch, daß der Reichskanzler seinen Gesetzentwurf über vie Unfallversicherung, wie alle Unterstützung der Hülfsbedürftigen, aus dem Christenthume hervorgegangen bezeichnet. Unsere Meinung ist, dar, jede Religion die Aufgabe und Tendenz habe, den Hülfsbedürftigen durch nachdrückliche Veranstaltungen beizustehen und ihre Bekenner dazu zu verpflichten. Dies that schon der Buddhismus, dies thut der Islam in großem Umfange, und ihnen allen voran das Judenthum von seinem ersten Ursprung an. Auch ist bekanntlich die jüdische Armenpflege in ihrem Charakter und Umfange mustergültig. — Der bekannte Antisemitenwühler Dr. Bernhard i Förster wurde dieser Tage in seiner Wohnung von zwei In-! dividuen überfallen und ernstlich mißhandelt. Alsbald veri breitete die „Ostend-Zeitung": „Urheber dieses Attentats seien! Juden". Jndeß blieb die Wahrheit nicht lange verborgen: Das wahre Sackverhältniß ist das, daß die Antisemiten sich unter einander in den Haaren liegen. Bor einiger Zeit war j der Studiosus v. Schramm mit Herrn Förster in Conslict! gerathen und hatte diesen gefordert, Herr Förster indeß die! Satisfaction verweigert. Darauf ist der Stud. v. Schramm gemeinsam mit dem Stud. Rohland heute Morgen in die Wohnung des Dr-. Förster gedrungen und haben beide dort denselben in arger Weise mit Stöcken gemißhandelt, so daß er das Bett zu hüten genöthigt ist. — Der Quartalwechsel setzte die antisemitischen Literaten in große Bewegung, um den liberalen Blättern Abonnenten abspenstig zu machen, und sie ihrer Sippschaft zuzuführen. Sie brachten zu diesem Zwecke alle möglichen Künste an. Die „Germania" selbst schildert uns dies in folgender Weise: „Die Antisemiten entfalten jetzt eine außerordentliche Rührigkeit. Hunderte von ihren Sendboten überschwemmen die Häuser mit Zetteln, die zur Abschaffung der Judenblätter und zum Abonnement auf nichtjüdische Blätter auffordern. In den frequentesten Straßen stehen Leute, die den Paffanten derartige Zettel in die Hand drücken. In den Häusern werden die Zettel dnrch die Thürspalten ge schoben, in die Privatbriefkästen geworfen oder auf den Treppen und Fluren verstreut. Den Gastwirthen aber geht folgendes Circular zu: „Ich mache Sie darauf aufmerksam, bei bevorstehendem Quartalswechsel eine andere Wahl in dem Abonnement von Zeitungen zu treffen und der antisemitischen Strömung Rechnung zu tragen. Unter Ihren Gästen haben Sie nur wenig Juden, was in keinem Berhältniß zu Ihren vielen Judenblättern steht." Kleinere Trupps junger Leute machen Bierreisen und agitiren bei dieser Gelegenheit in den Wirthschaften für Abschaffung der Judenblätter." i Berlin, 3. April. Eine zu Freitag Abend nach dem Saale der Reichshallen einberufenc Versammlung von ehej maligen Soldaten jüdischer Religion galt der Abwehr der! Angriffe, welche auf die Ehre und das Pflichtgefühl der! deutschen Soldaten jüdischer Religion von gewisser Seite er! folgt sind. Durch eine sehr strenge Controle wurde dafür! gesorgt, daß nur Reservisten, Wehrmänner und Veteranen ' jüdischer Religion, sowie diejenigen Juden, welche als Aerzte, : Beamten :c. ihrer Dienstpflicht genügt, Zuttitt fanden. Trotz j dem und obwohl Berlin überhaupt nur kaum 60,0üÜ Juden zählt, war der Saal von etwa 2000 Personen besucht, darunter Viele, deren Brust mit Kriegsdenkmünzen und mit dem Eisernen Kreuze geschmückt war. Nach einem Hinweis des Vorsitzenden, Ingenieur Wolfsberg, auf den Zweck der Versammlung widerlegte Redacteur Karfunkel als Referent vornehmlich die Henrici'schcn Behauptungen, daß sich die Juden gern vom Militärdienst „drücken", daß sie sich im Feldzuge mit Vorliebe als „Schreiber" verwenden lasten und macht mit Bezug auf Letzteres insbesondere auf die Thatsache aufmerksam, daß man als „Schreiber" sich nicht zu melden hat, sondern kurzweg dazu commandirt wird. In dem Regiment, in welchem Referent 18<0 gedient, beim zehnten Grenadier-Regiment, sei von 50 Juden nicht ein einziger als Schreiber beschäftigt gewesen. Der Referent unterbreitete der Versammlung zur Annahme nachstehende Resolution: „Die am 1. April 1861 im oberen Saale der Reichshallen versammelten ehemaligen deutschen Soldaten jüdischer Religion, über 2ü(J0 an der Zahl, weisen mit Entschiedenheit die Schmähungen zurück, welche verleumderischer Weise seit mehreren Jahren von einer rührigen und in ihren Mitteln nicht wählerischen Clique gegen sie ausgestreut sind. Einig in der Liebe zu Kaiser und Reich, sind sie sich bewußt, ihre Pflicht treu erfüllt zu haben und zu erneuter Pflichterfüllung jederzeit freudig bereit zu sein!" — Die Discussion, in welcher wiederholt die bisherige Unthätigkeit des Vorstandes der jüdischen Gemeinde scharf angegriffen wurde, war außerordentlich lebhaft und drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob es überhaupt opportun sei, jene schmutzigen Angriffe einer Antwort zu würdigen. Recht nachdrücklich sprach sich besonders Justizrath Makower gegen eine solche Resolution