Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1881)
- Date
- 1881-04-05
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
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223 Niemals dürfe man sich, so besagt die Erklärung sehr zu-: Hannover, im März. (Privatmitth.', Aus dem 119. treffend, zu einer Agitation Hinreißen lassen, welche nicht! Jahre seines Bestehens (1880) hat die Verwaltung des Wohlgegen die sittliche Unwürdigkeit des Einzelnen, sondern gegen thätigkeitsvereins, d. i. der Obtzdr-a-XLäiselm ihren Recbenschaftsdas Glaubensbekenntniß oder die Abstammung der Gesammtbericht ausgegeben, und befindet sich dieser in so blühenden heit sich richtet und welche geeignet ist, die niedrigsten Leidenschaften wachzurufen. Am Schluffe heißt es: „Wir geben uns der Hoffnung hin, daß diese Erklärung Wiederhall in der Bürgerschaft finden wird und daß unsere Mitbürger es ablehnen werden, durch irgend welche, wenn auch nur äußerliche Unterstützung einer künstlich von Außen hereingetragenen Agitation znr Störung der Eintracht mit unseren jüdischen Mitbürgern beizutragen." Es ist gewiß höchst dankens- und anerkennungswerth, daß angesehene und frcigesinnte Männer ihre Stimme für das Recht und die Wahrheit erheben; aber traurig bleibt es doch, daß ein solches Borgehen erforderlich ist, um dem Treiben niedriger und roher Leidenschaften eine Schranke zu setzen. Aus Pommern, im März. (Privatmitth.) In keinem Theile Deutschlands und spcciell Preußens ist die conservative Partei noch so mächtig, so zahlreich und so begütert wie in Pommern, und in keinem Winkel unseres Vaterlandes wird die Wühlerei gegen die Juden mit einer solchen Energie und mit so vielen Mitteln von der conscrvativen Partei betrieben, wie in Pommern. Sie schickt ihre Scudlinge aus, um in allen Städten und Dörfern die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen und sie zu bewegen, keinerlei Art Geschäfte mit ihnen zu machen, von ihnen nichts zu kaufen und ihnen nichts zu verkaufen. In manchen Kreisen ist ihr dies bereits so gelungen, daß die Geschäfte der jüdischen Kausleute in's Sto cken gerathen und jüdische Händler sich nicht mehr getrauen, die Geschäfte zu besuchen. Dabei muß man erwägen, daß die Juden in Pommern weder zahlreich, noch durchschnittlich begütert sind. Es kann hier also für die conservative Par iei keine Machtsrage vorliegen, da sie von den Juden in Pommern eine wirkliche Beeinträchtigung nicht zu fürchten hat. Die Judenhetze kann ihr also nur, außer der Befriedigung ihrer fanatischen Gelüste, ein Mittel sein, die Bevölkerung gegen alle liberalen Einrichtungen und Ansichten aufzuregen und einzunehmen, und sie für alle Arten von Wahlen sich treu zu erhalten. Daß diese conservative Partei sich hiermit selbst charakterisirt, und eine wahrhaft revolutionäre Tendenz annimmt, kümmert diese Herren wenig. Sie steifen sich vielmehr gegenwärtig aus einen höheren Schutz, halten sich für identisch mit den höheren Kreisen der Staatsrcgierung und ziehen daraus die Ermunterung, mit aller Kraft aus dem cingeschlagenen Wege vorzudringen. Die Lage der Juden in diesem Landestheile ist dadurch eine sehr traurige, und die Abhülse nicht abzusehen. Wir können nur ans die göttliche Vorsehung vertrauen, die ihre stets bewährte Rettermacht auch diesmal uns nicht versagen wird! Verhältnissen, daß seine Gesamteinnahmen um 1300 Mark die des Vorjahres überstiegen und überhaupt die größten waren, die der Verein bis jetzt gehabt hat. Er nahm 12736 Mark ein, verausgabte 6402 M. und hatte somit einen Ileberschuß von 4273 M. Das Vermögen des Vereins beträgt 05400 Mark außer den liegenden Gründen. Die Unterstützungen und Hülssleistungen, die sich auch über den Kreis der hiesigen Gemeinde hinaus erstrecken, geschahen in reichlichem Maße. O esterreich-Nilgarn. Wien, 22. März. Bon welcher Farbe das gegenwärtige Ministerium, daß so viele Polen und Czechen in seinem Schoße birgt, ist, dafür zeugt auch Folgendes: Der Leiter des Justizministeriums, 1)r. Prazak, hat einen Erlaß an die Gerichtsvorsteher gerichtet, in welchem denselben aufgetragen wird, darauf zu sehen, daß bei Bewerbungen um Aufnahme in den Justizdienst immer das Religionsbekenntniß des Aspiranten angegeben werde. Die Tendenz dieses Erlaßes liegt aus der Hand. Es mag in unseren Tagen nicht überflüssig erscheinen, von Zeit zu Zeit einige Paragraphen aus den Staatsgrundgesetzen zu citiren. Artikel 3 „über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger" lautet: „Die öffentlichen Aemter sind für alle Staatsbürger gleich zugänglich." Im Artikel 14 heißt es: „Der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntniffe unabhängig." Wien, 24. März. (Privatmitth.) Dem Präses der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Dr. Ignaz Kurauda, steht bei Gelegenheit seines 70. Geburtstages am 8. Mai d. I. eine Ehre und eine Auszeichnung bevor, die nur sehr wenigen zu Theil wird; er soll nämlich Ehrenbürger der Haupt- und Residenzstadt werden. In einer vertraulichen Sitzung des Gemeinderathes, die ehegestern statlsand, stellten Gemeinderath Nikola und 85 Genoffen den nachfolgenden Dringlichkeitsantrag: „Am 8. Mai 1881 erreicht Reichsraths-Abgeordneter Ignaz Kuranda sein 70. Lebensjahr. Kuranda war bereits vor dem Jahre 1848 ein unermüdlicher Kämpfer für Freiheit und Recht, ist dieser seiner Gesinnung auch bis zum heutigen Tage mit gleich männlichem Muthe und gleicher Unabhängigkeit treu geblieben und glänzt heute noch als eine Perle in der Reihe unserer verfassungstreuen Parteigenossen. Dieser Mann verdient es also wohl, von der Stadt Wien, die er seit dem Jahre 1801 in der vollsten Vertrauenswürdigkeit vertritt, besonders ausgezeichnet zu werden, und