Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1881)
- Date
- 1881-04-05
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cicero 1× ep/1024888
- Homer 1× ep/1025156
- Tacitus 1× ep/1025676
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219 theile haben. Die Vermittelung, die versucht worden, indem man einestheils Realschulen gründete, in welchen auch etwas Latein gelehrt wird, andererseits in die Gymnasien außer dem längst dort einheimischen Geschichtsunterricht auch etwas Naturwissenschaft einführte, hat keine besonderen Früchte getragen, da die als nebensächlich in beide Schularten eingeführten Disciplinen nur schwächliche Resultate lieferten. Für mich besteht diese Frage, wenn auch in etwas anderer Weise, auch für die Erziehung der weiblichen Jugend. Die höheren Töchterschulen widmen den größten Thcil der Zeit und Anstrengung den beiden modernen Sprachen, der französischen und englischen, und ein Hauptziel ihres Unterrichts besteht dadurch beweglicher und weiter in seinem Begriffsvermögen wird. Ohne dies ganz verkennen zu wollen, glaube ich, daß diese Wirkung wohl durch eine gründliche Erfassung des grammatikalischen Baues und des lexikalischen Gehaltes einer Sprache, namentlich einer solchen, die sich dieser beiden Eigenschaften in tieferem Maße erfreut, besonders aber auch durch die Vergleichung mit anderen Sprachen, erzielt wird. Zu dieser Wirksamkeit gelangt aber der Unterricht in den beiden modernen Sprachen aus den Töchterschulen nur wenig, dazu hält er sich ,zn sehr auf der Oberfläche und begnügt sich mit der bloßen Kenntnißnahme der Regeln, der Wörter und Phrasen. Was mir aber am meisten darin wiin der tüchtigen Erlernung dieser Sprachen, theils um deren i derspricht, ist der Umstand, daß ein solcher Sprachunterricht Literaturen zu lesen und zu verstehen, theils um in ihnen? für das weitere Leben eine Sphäre des Fortstrebens und eine Conversation führen zu können. Dagegen sieht cs in! Fortschreitens nicht eröffnet. Nach Erlangung einer genüihnen mit den Realien in der Regel sehr windig aus, höch-Agenden Kenntniß der Sprache ist das Maß erfüllt; selbst wo stens daß in der Geschichte eine Anzahl Daten einexereirt | diese Sprache durch weitere Lcctüre in Uebung erhalten wird, wird. Ich muß mick nun zu der Ueberzeugung bekennen, daß ist ein wesentliches Fortschreitcn, eine strebsame Fortbildung ich diese Tendenz in der Ausbildung unserer weiblichen Inin ihr nicht vorhanden. Ter Geist bleibt stehen bei dem ergend durchaus für unvortheilhast erachte, vielmehr den Hauptreichten Pensum. Eine solche Fortbildung auf dem Gebiete unterricht der Mädchen in die Realien verlegt haben möchte, einer Sprache findet nur statt, wenn man in die Geschichte Mir erscheint als die Hauptsache, daß unsere Frauen an der ge derselben, in ihren Ursprung, ihre Entwickelung, die verschicsammten geistigen Bildung, an allen Verzweigungen der Geistesdenen Stufen ihrer Formation eingeht; dies ist aber nur thätizkeit in unserer Zeit, an allen wissenschaftlichen Ergeb- Sache der Philologen, nicht der Frauen. Hierin scheint mir nissen einen dauernden Antheil nehmen, ein lebendiges Inauch der Grund von dem geringen und seltenen geistigen teresse haben, und hierzu bedürfen sie grundlegender Kennt- Fortbildungstriebe in unserer weiblichen Welt zu liegen, nach» nisse. Welche sind die gewöhnlichen Erfolge unserer Mäddem sie doch einen so ausgedehnten Unterricht ans den Töchchenerziehung? Mit einiger Gewandtheit im Französischen und terschnlen erhalten hat. Das, was sie daselbst erlangt haben. Englischen, aber ohne gründliche Begriffe von Natur und reizt zum Weiterstrcben nicht au, streckt keine Fühlfäden in Geschichte, von Völker- und Länderkunde, von dem überhaupt, eine vor ihr liegende geistige Athmosphäre aus, und in der Regel was den menschlichen Geist beschäftigt und treibt, ohne eine > bat dieses lang andauernde übermäßige Sprachstudium den Ahnung von ihrer eigenen Seele, deren Kräften und Thätig-; Reiz an ihm abgestumpft und Grammatik und Dictionär feit, ohne eine Vorstellung, was die Größenlebrc befaßt, ver; werden mit Vergnügen zugeklappt. Wir begegnen dieser lassen sie die Lehranstalten, um von da ab, außer dem, was! selben Erscheinung bei den auf Gymnasien gebildeten Jüngihnen die Jourttalc und die Romane bringen, nichts zu ihrer lingen. Das Studium der klassischen Sprachen hört mit dem geistigen Nahrung, zur Weiterbildung ihres Geistes, zur nach-, Abiturientenexamen auf, mit Ausnahme der Philologie Stnhaltigen Thcilnahme an Wissenschaft, Kunst und Geistesleben direndcn, und die große Mehrzahl schlägt niemals wieder zu verlangen und zu suchen. Wenn nicht die Umstände einen Cicero, einen Tacitus, einen Homer auf. Und doch günstig sind, werden selbst jene beiden Sprachen vernachlässigt, liegen hier die Wirkungen der bildenden Kraft, die den und gerade in Sprachen kommt man schnell rückwärts, wenn klassischen Sprachen und Literaturen einwohnt, viel tiefer, man nicht in steter Uebung bleibt. Bedenkt man nun die und während die Jünglinge sich auf den Universitäten mit vielen Jahre, die vielen Stunden des Tages, die unaufbör- Eifer den einzelnen Wissenschaften und dem allgemeinen besonders durch den Mangel an körperlicher freier Luft, so muß man sich cingestehen, das; die Erfolge! zelnc Mädchen und Frauen in sich eine höhere Begabung, weit hinter dem Zurückbleiben, was man erwartet, und was einen lebendigeren Wipen^drang, eine kräftigere Geiste^bcweman fordern könnte. Gewöhnlich sagt man, daß das Stu-| gung tragen, und daß die Umstände und Umgebungen andium jener Sprachen eine bedeutende formative Wirkung! regend und fördernd auf sie wirken. Aber die Wirksamkeit auf den Geist der jungen Menschen ausübe, daß derselbe : eines ausgedehnten Schulunterrichts kann nicht nach solchen 14"