Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1881)
- Date
- 1881-04-05
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
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218 zwei oder drei Geschlechtern dem jüdischen Stamme entfremdet, aufgriffen, um die Schuld auf fämmtliche Juden zu wälzen, indem sie auf diese Weise zugleich die ganze Verschuldung vom russischen Volke ab- und ans die Schultern der Juden wälzen wollten, dem Volke selbst so einen bequemen Sündenbock darbietend. Es griff dies so um sich, daß die Juden eine Zeit lang in großer Gefahr schwebten, und nur die Wendung, welche die Sache mit dem Eintritt des Grasen Loris Melikoff zu nehmen schien, dem gespannten Verhältniß auch für sie Abhülfe schuf. Die jüngste Frcvelthat hat jcliche Boden, aus dem der Nihilismus erwachsen ist, die studirendc Jugend gewesen und zwar in den sog. Selbstbildungsvcreinen unter dem Einfluß Bakunin's und der anderen russischen Flüchtlinge, deren Schriften in ungeheuren Mafien bei der studirenden Jugend eingeschmuggelt und verbreitet würden; dann aber, daß die höheren Gesellschaftsklassen sich der Sache bemächtigten und mit einem wahrhaften Zelotismus die Propaganda betrieben, und zwar letztere unter den sog. arbeitenden Klaffen, in den Fabriken und im Bauernstände. Es werden da viele Namen genannt, die bis in die höchsten doch bewiesen, daß die Gefahr noch nicht vorüber. — Was Klaffen des Militärs und des Civils reichen, Fürsten und die russische Presse gegen die Juden sündigte, das fand na- Fürstinnen, Ofnzicrc und Beamte jeglichen Grades; die türlich bei den deutschen Judenfressern willkommenen Wiederz Hauptagitatoren werden aufgcführt, und die Mitglieder hoher hall und die ultramontanen, reaktionären und spezifisch auti-! Stände, welche ihnen Versteck, Unterhalt und Mittel darsemitischcn Blätter wandten und wenden alles Mögliche an, reichten. Wurde doch die erste revolutionäre Druckerei in um die Theilnahme von Juden am Nihilismus ins Unge-! Moskau durch den Beamten der Kanzlei des Moskauer heuerliche zu vergrößern. Daß in der That in der zu vielen! General-Gouverneurs Utkin und den Regierungsstenographen Taufenden angewachsenen Zahl der Nihilisten auch einige Myschkin verwaltet. Im Jahre 1874 waren schon 37 Juden und Jüdinnen sich befinden, kann nicht geleugnet werden, und wir haben auch gar keine Ursache cs zu leugnen. Wo eine traurige Verirrung so allgemein ist, wie sollten nicht auch aus der Masse dieses Stammes sich einige Verleitete finden? Es ist dies erklärlich, noch dazu aus dem Zustande des Elends, zu welchem man sie vernrthcilt hat. Aber tragen wir hierfür auch nur die geringste Verantwortlichkeit? Das wäre, als ob, weil die ungeheure Mehrzahl der Nihiinnere Gouvernements mit geheimen nihilistischen Verbindungen wie mit einem Netz überzogen. Diese Gouvernements werden aufgezählt, und es zeigt sich, daß cs gerade solche sind, in denen gar keine oder sehr wenige Juden wohnen, daß hingegen gerade die westlichen Provinzen, in welchen die große Mehrzahl der Juden ansässig sind, sich von dieser Propaganda freigehaltcn haben. Solchen offiziellen Dokumenten gegenüber gehört wahrlich die frechste Stirn dazu, den Juden listen Griechisch-Katholiken sind, man die griechisch-orthodoxe auch nur einen verhältnißmäßig ansehnlichen Antheil an dem Kirche für den Nihilismus verantwortlich machte, und weil nihilistischen Treiben beizulegen, und wir können vielmehr sie Russen sind, die gesammte russische Nation in Anklage! unseren heutigen Artikel mit denselben Worten schließen, wie versetzen wollte? Bei allem Dem erweisen alle von der russischen Staatsrezicrung selbst veröffentlichten Dokumente, den vom 3. April 1877: „Möge die russische Staatsregierung wohl erwägen, daß sie gerade im Judenthum einen daß weder unter den Urhebern, noch unter den thätigstcn vollkcästigen Gegensatz, eine nachhaltige Abwehr gegen den Trägern und Verbreitern des Nihilismus Juden gewesen sind, > Nihilismus besitzt und sich endlich bemüßigt sehen, die Quelle und daß deshalb der Antheil, den Juden an diesem Aus-! des Elends für die jüdische Masse zu verstopfen, nämlich wuchs unserer Zeit genommen, nur geringfügig und ohne das Verbot der Freizügigkeit und die Ausnahmegesetze. Für Bedeutung ist. So ist vor Kurzem ein „Bericht des Chefs die Juden giebt es kein besseres Mittel, um sie und ihre der Gendarmerie" (ehemalige dritte Abthcilung) aus dem Jahre Jugend zu Gegnern der Nihilisten zu stempeln." 1879 in die Ocffentlichkeit getreten und auch in wortgetreuer deutscher Uebersetzung bekannt gemacht worden. Dieses ausführliche Schriftstück enthält die Geschichte des Ursprungs und der Entwickelung des Nihilismus vom Jahre 18<>0 und dann speziell seit 1873. In dem ganzen Dokumente wird der Juden mit keinem Worte gedacht; in dem ganzen Dokumente von dec Erziehung unserer weiblichen Jugend. n. Ich komme zu der intellektuellen Bildung unserer Z" kommt kein einziger jüdischer Name vor, man müßte denn die j weiblichen Jugend. Seit vielen Jahrzehnten wird auf dem Meinung festhalten, die aber noch nicht erwiesen ist. daß der! Gebiete der Schulpädagogik hinsichtlich der höheren Lehranoft genannte Hartmann von jüdischer Abstammung sei. Kann! statten ein heftiger Streit zwischen dem Humanismus und man wohl einen vollgültigeren Beweis verlangen? Der Bej dem Realismus geführt, d. h. ob der Unterricht vorzugsweise richt des Chefs der dritten Abthcilung geht aufs genaueste > den klassischen Sprachen oder den Realwissenschaftengewidmei in die Anfänge und in die Weiterentwickelung des Nihilismus! sein soll. Der Streit ist noch heute nicht entschieden, was ein, und es geht aus ihm überklar bervor, daß der eigent j beweist, daß beide UnterrichtStendenzen ihre Bor- und Nach-