Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1881)
- Date
- 1881-03-29
- Page
- Seite 210 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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210 selige Stellung amtlich verantwortlicher und darum einflußreicher Persönlichkeiten unmöglich zu machen. Unter den augenblicklichen Verhältnissen wäre jeder Versuch, eine ähnliche Organisation in Preußen zu schaffen, aussichtslos. Wenn aber wieder ruhigere Zeiten eingetreten und man über die Mittel nachdenkt, Sicherheit vor künftigen Beunruhigungen zu gewinnen, dann dürfte ein staatlich anerkannter und wirksamer Verband der jüdischen Gemeinden das erste zu erstrebende Ziel sein, das zu gleicher Zeit die Erreichung aller übrigen ermöglicht. E. Gleiwitz, (Oberschlesien) 18. März. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat in den letzten Tagen ein Hetzblatt „Die Oberschlefische Volks stimme" wegen eines Artikels „Der Juden Antheil am Verbrechen" confisciren laffen. Der Artikel soll gegen §. 130 des Strafgesetzbuches verstoßen, der bekanntlich lautet: „Wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander öffentlich aufreizt, wird mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Gesängniß bis zu zwei Jahren bestraft." Holland. Amsterdam, 18. März. (Privatmitth.) Während in Schriften über die Hygiene und politische Medicin der heiligen Schrift und besonders des Pentateuch's, Dissertazione di polizia medica, Pavia 1787, hatte im Jahre 1815 in Livorno ein nnp. betiteltes Werk herauszugeben begonnen, welches die talmudischen Hagada's in der Sammlung TV. in wissenschaftlicher und philosophischer Weise erläutert. Bon diesem Werke waren jedoch nur zwei Bände erschienen, da der Druck desselben durch den vom Verfasser erlittenen Verlust seiner Tochter unterbrochen und seitdem nicht wieder ausgenommen wurde. Das Werk ging handschriftlich in die Hände seines Neffen Hrn. vr. David Cohen Frizzi, dermalen in Mailand, über. Des hohen Werthes dieser Schrift sich wohl bewußt, ging dieser stets mit dem Gedanken um, dasselbe durch den Druck der Gelehrtenwelt zugänglich zu machen, was ihm denn auch durch ein ziemliches Opfer an Druckauslagen und fast gänzlichen Verzicht auf die gedruckten Exemplare, welche, zwölf ausgenommen, sämmtlich den Verlegern überlassen wurden, gelungen ist. Dank also der pietätvollen Freigebigkeit des würdigen Neffen! Das Werk ist in Livorno bei Herrn Israel Costa und Compie gedruckt und verlegt. Es enthält sieben Bände in Oktav und umfaßt sämmtliche Theile der talmudischen Hagada. Es ist sehr interessant zu sehen, mit welcher Liebe und Wärme der Verfasser die ttefe Einsicht Deutschland der Antisemiten-Bewegung noch von gewissen und weisen Sprüche unserer alten Lehrer behandelt, die Seiten mit hämischer Schadenfteude zugesehen wird, werden hier zu Lande wahre Verdienste, auch bei Israeliten, ebenso Richtigkeit ihrer Behauptungen mit gesundem Menschenverstände bekräftigt und ihre Ausdrucks- und Redeweise dem gewürdigt wie belohnt. So wurde vor Kurzem laut einer! Leser verständlich macht. Das Werk ist in gutem Hebräisch offiziellen Mittheilung Herr Abr. M. H. Godefroy von Sr. Majestät dem König zum Staatsminister ernannt. Italien. Aus Oberitalieu, 17. März. (Privatmitth.) Es ist mir angenehm. Ihnen neuerdings von zwei literarischen Erscheinungen berichten zu können, die mir in diesen Tagen zu Geficht gekommen find. Ihre gründlich gelehrte Abhandlung über den Proceß und die Hinrichtung Jesu ist von vr. M. Ehrenreich in Turin ins Italienische übersetzt veröffentlicht worden. Die allgemein als gelungen anerkannte Nebersetzung wird wegen ihrer klaren, reinen und dem wissenschaftlichen Gegenstände angepaßten Sprache gepriesen, und die Abhandlung selbst, obwohl bis jetzt noch von keinem periodischen Blatte besprochen, ist schon so ziemlich verbreitet und auch von manchen hochgestellten nicht-israelittschen Persönlichkeiten der höchsten Berücksichtigung werth befunden worden. Es wird besonders hervorgehoben, daß sie zur Tilgung eines leider zu veralteten Bornrtheils beitragen dürfte. — vr. Ben Zion Raffael Frizzi von Ostiano, Provinz Mantua, Mitglied mehrerer wiffenschastlicheu Akademien und Verfasser vieler verfaßt, und die Citate berühmter Gelehtten, die zu seinem Zwecke passen, sind in der Originalsprache, lateinisch, ftanzöfisch oder italienisch, hie und da, jedoch selten, wiedergegeben. Es wird dasselbe nicht nur für das Talmudstudium fördernd wirken, sondern auch nicht wenig dazu beittagen, den Halbgebildeten die leider nur zu sehr abhand gekommene Ehrfurcht, welche unsere großen Altmeister mit Recht beanspruchen dürfen, wieder einzuflößen. Bonn, 20. März. (Notizen.) Man schreibt aus Paris, 16. März: „Herr Jules Oppert, Professor am College de France, wurde heute mit 10 gegen 16 Stimmen zum Mitgliede der Akademie der Inschriften gewählt". Daß der bedeutende Assyriologe diese Auszeichnung längst verdient hätte, ist allgemein anerkannt. — Aus Heringen, 15.März, wird dem „Rhein. Kur." geschrieben: Der israelitische Religionslehrer Abraham Levy Dickstein dahier feiert am 18. d. M. sein 107. Wiegenfest. Derselbe wurde den 18. März 1775 zu Naschelska in Russisch-Polen geboren und lebt seit 1814 in Deutschland. Der alte Mann bezieht den kaum ueuueuswerthen Gehalt von 130 Mark. Herr Dicksteia ist