Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1881)
- Date
- 1881-03-29
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
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202 eine That, die den Verstorbenen den größten Wohlthätern > den, namentlich den Aerzten die Staatscarriere geöffnet, der Menschheit zugesellt. Auch das wird Niemand läugnen | Später wurde einigen Klaffen der Juden Freizügigkeit gekönnen, daß der Kaiser während seiner ganzen 26jährigen Regierung stets von dem Streben beseelt war, Reformen einzuführen in das ungeheure Wirrsaal der inneren Staatsverhältniffe Rußlands, wie er es denn war, der Hand an die Reform des Justiz-, des Schul-, des Militärwesens legte und jedenfalls Umgestaltungen und Berbefferungen schuf, von denen unter den früheren Regierungen das Gegentheil geschehen war. Daß er hierbei auf außerordentliche Schwierigkeiten stieß, die zum Theil in der eigenen ererbten Stellung, zum Theil in dem Widerstände lagen, welchen diejenigen erhoben, deren Interessen verletzt werden mußten, daß er andererseits nur der allmäligeu Entwickelnng anhing, einen scharfen Schnitt in das Bestehende zurückwies und von der autokratischen Machtsülle nichts opferte, brachte Schwanken und Unzuverlässigkeit in den Gang der Dinge, wozu noch die polnische Revolution und der Panslavismus mit erschütternden Wirkungen kamen. So hatte die Regierung Alexanders II. alle die Uebelstände zu tragen, welche mit einer Uebergangsperiode verbunden sind. Das patriarchalisch - autokratische System war mit Nikolaus in das Grab gestiegen; aber die aufgeklärte Autokratie, welche das Reformbedürfniß anerkannte, weckte die Neuerungssucht in allen politischen und sozialen Sphären, nährte sie mit jedem Schritte vorwärts und fachte sie zur Leidenschaft an mit jedem Einhalt. So wurde Alexander II. ein Opfer und Märtyrer der llebergangsperiode im Zarenreiche. Auch die 2'/.» Millionen Juden im russischen Reiche haben dem verstorbenen Kaiser eine lebhafte Dankbarkeit zu hegen. Sie befanden sich in der zweiten Periode der Regierung Nikolaus I. in einem Zustande der Unterdrückung wie niemals zuvor mehr. Sie verkamen unter dem Joche der einschnürendsten Ausnahmegesetze, unter auszehrenden Abgaben, unter überspannten Rekrutirungsvorschristen, welche die Familienbande zerrissen und die Glaubcnsgenoffenschast dezimirten. Der Wahlspruch des neuen Kaisers: „Gcrechtigwährt; in den großen Städten des Reiches durfte sich eine größere Anzahl niederlassen. Es erwachte in den russischen Juden ein großer Bildungstrieb, und die jüdische Jugend ist in allen höheren Lehranstalten jetzt zahlreich vertreten. Kaiser Alexander hat es auch an persönlichen Beweisen des Wohlwollens für Juden nicht fehlen laffen. Aber auch hier mußte, weil der letzte Schritt ausblieb, die bürgerliche Gleichstellung, wie sie gegenwärtig in allen civilisirten Staaten, ausgenommen Rußland und Rumänien, zum Gesetz erhoben ist, nicht gewährt wurde, und beschränkende, ja drückende Gesetze stehen blieben, das nothwendige Verlangen über die gewährte Befriedigung hinausgehen. Eines steht vor Allem fest: ohne Freizügigkeit ist den russischen Juden nur wenig geholfen und ohne diese, da sie zum größten Theile in die altpolnischen Provinzen zusammengedrängt sind, versinken sie immer tiefer in Erwerbslosigkeit und äußerste Dürftigkeit. So stehen wir tief erschüttert an dem Grabe des hingemordeten Kaisers, während die gespannteste Aufmerksamkeit sich auf den neuen Beherrscher Rußlands wendet. Möge es ihm gelingen, seinem großen Reiche den inneren Frieden wiedcrzugeben und die Wege zu finden, auf welchen eine segensreiche Gegenwart und Zukunst zu erlangen sei? Jeder wahre Menschenfreund begleitet ihn hierbei mit den lebhaftesten Wünschen, niit dem innigen Gebete, daß die göttliche Vorsehung ihn zu solchem Werke berufen und ausgerüstet haben möge! von der Erziehung unserer weiblichen Jugend. i. Sie wünschen, geehrter Freund, daß ich meine Ansichten und Erfahrungen über die Erziehung unserer weiblichen Jugend aussprechen möge. Ich will es versuchen. Allerdings erwarten Sie in diesem Rahmen keine pädagogische Mono keil für Alle?" ermuthigte die Herzen. Es kam daraus an,! graphie. Auch beschränke ich mich nach der Ucbcrschrift diedem Kaiser diese schreckliche Lage seiner jüdischen Unterthanen i ses Artikels. Denn allerdings unterscheidet sich die Erziehzur vollen Kenntniß zu bringen. Der Schreiber dieses unter-! ung der jüdischen weiblichen Jugend nicht mehr in wesentlinahm es, in einem Memoire, die sämmtlichen aus gesetzlichen chen Punkten von der der anderen. Aber wir Juden gehö- Bestimmungen beruhenden Klagepunkte zusammenzustellen, ren doch einem bcgrenzteren Lebenskreise an, wodurch auch brachte daffelbe in die Inäepenäunee l>elgt* vom lf>. Juli die Verhältnisse innerhalb engerer Grenzen liegen. Endlich 1656 (s. Nr. 31, 1656 dieser Zeitung"', welche im kaiserwill ich keine Kritik der gegenwärtigen erziehlichen Einrich lichen Cabinet gelesen ward, von da in die Times, die tungen geben. Kritik ist leicht, aber die Besserung und Um Augsb. A. Z>, die Köln. Z.. den Hamburger Corresp. und gestaltung innerhalb der bestehenden allgemeinen Zustände viele andere, so daß dasselbe einen europäischen Charakter ist höchst schwierig. Nur das Eine fühle ich mich gedrungen gewann. Bald darauf entsprach Kaiser Alexander dem drinhervorzuheben, daß mir die sog. höheren Töchterschulen in gendsten Bedürfniffe: die besonderen Rekrutirungsvorschristen' ihrer jetzigen Beschaffenheit nachtheilig, wenn nicht gefährlich für die Hebräer wurden aufgehoben und allen studirteu Ju-, erscheinen. Gerade während der überaus wichtige» Entwicke-