Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1881)
- Date
- 1881-03-22
- Page
- Seite 196 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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196 hundert, ist durch den Kultusminister Herrn von Puttkammer zur Herausgabe der Supplementlieferung resp. des 2. Bandes für die Tosefta eine Beihülfe von 500 M. aus Staatsmitteln gewährt. — Der deutsch-israelitische Gemeindebund in Leipzig hat auf das Werk selbst mit 6 Exemplaren gegen Zahlung von 100 M. zur Förderung des Werkes abonnirt. Jeuilleton. Vermischtes. Barbarowycetes antisemiticus — der antisemitische Barbareischimmel. Unter den zahlreichen naturwissenschaftlichen Abhandlungen, welche Karl Bogt seit einigen Jahren im Feuilleton der „Neuen freien Presse" giebt, befinden sich gegenwärtig einige Artikel über die Pilze. Bekannt ist, daß nach neueren Entdeckungen die herumfliegenden Sporen gewisser Pilze die Ursache vieler epidemischer Krankheiten an Mensch, Thier und Pflanze find. Unter diese Artikel nun brachte Karl Bogt auch jüngst (Morgenblatt vom 27. Januar) einen satyrischen, in welchem er. gewisse geistige Krankheiten unserer Zeit, vor Allem die antisemitische, auf Pilzsporen zurückführte, und wir geben hier den Anfang des witzigen Aussatzes wieder, indem wir zugleich an den scharfen Kampfartikel Bogt's gegen die Antisemiten erinnern, in welchem er die schönen Worte de Candolle's citirte, die wir in No. 51 v. I. Wiedergaben. „Nichts kann von. der Plötzlichkeit, womit Epidemien unter dem Einflüsse begünstigender Umstände in überwältigender Weise auftreten. einen besseren Beweis geben, als die gegenwärtig in den Sandebenen von Berlin, an den Ufern der Spree wüthende Krankheit, welche dem Wuchern des antisemitischen Barbarei-Schimmels — Barbaromycetes antisemiticus — ihre Entstehung verdankt, Nichts ist auch geeigneter, die Entdeckung des französischen Forschers Pasteur zu bestätigen, wonach die Keimkörner oder Sporen und die Mutterböden oder Mycelien solcher Spaltpilze jahrelang in dem Boden verharren können, ohne Unheil anzurichten, bis es irgend einem stumpfsinnigen, wühlenden, aber frommen und gottergebenen Regenwürme gelingt, sie an das Tageskenden Geruch ausgezeichneten Pilzes wesentlich zu fördern. Das Mycelium wuchert lange unter dem Boden fort, ohne weiteres Aussehen zu erregen; die schwarz-weißen Schimmelfäden, mit kantigen, geballten Fäusten in Miniatur nicht unähnlichen Sporen gefüllt, treten erst hervor, wenn die Obrigkeit ein Auge zudrückt und selbst den Anschein hat, als sehe sie mit einem gewissen inneren Behagen der Entwicklung des Pilzes zu. Der Geruch desselben wird bald so stark, daß er die Grenzen des Landes überschreitet und die benachbarten Völker mit unverhohlenem Ekel und dem allgemeinen Ausrufe: Pfui! sich die Nasen zuhalten. Die Krankheit verbreitet sich mit überraschender Schnelligkeit, besonders dann, wenn sie einen nach mittelalterlicher Weise mit Dreifelderwirthschaft bearbeiteten Culturboden findet. So entstand die gegenwärtige Epidemie in des deutschen Reiches Hauptstadt, in Spree-Athen, sprang von schon seit längerer Zeit gänzlich durchseuchten Professoren, Hospredigern und Gymnafial-Lehrern auf die zu drei Jahren Studium verdammten Zuhörer der Theologie, der Rechte und der Philologie über und verbreitete sich dann auf ähnlich gedüngte Culturstätten des Nordens, wie Göttingen, Leipzig und Breslau, welche zu ewigem Ruhme der auf diesen Pflanzstätten der Wissenschaft und künftigen Prediger, Richter nnd Lehrer erreichten Civilisation die Melodien ableierten, welche in Berlin componirt worden waren. Wie alle übrigen Krankheitserreger, so scheint auch dieser Pilz an besttmmte Grenzen in horizontaler und senkrechter Ausdehnung gebunden zu sein. Er verhält sich in dieser Hinsicht fast eutgegengesetzt dem von Klebs und Tommafi- Crudeli entdeckten Malaria-Pilze, mit dem er doch sonst manche Uebereinstimmung zeigt und der bekanntlich weder in kalten Ländern, noch auf bedeutenden Höhen vegetiren kann. licht zu befördern und mit ansteckungsfähigen Trägern des Bis jetzt hat im Gegentheile der Antisemiten-Pilz nur in Contagiums in Berührung zu bringen. Dies ist von dem den Niederungen Norddeutschlands platzgreifen können — er Milzbrandpilz nachgewiesen; man darf umsomehr vermuthen, muß die Main-Linie noch erobern! Einem durchaus infidaß hier eine vollkommene Analogie herrscht, als auch der antisemitische Barbareipilz bei milzsüchügen Professoren und Gymnafial-Lehrern den günstigsten Boden findet und bei dieser Sorte von Wesen heftige, acute Fieberanfälle hervorruft, welche durch Jrrereden und Tobsucht in die Erscheinung treten. Sandiger, wenig fruchtbarer Boden, von Militarismus und Junkerthum durchtränkt, niedrige, durch künstliche patriocirten und inficirenden Individuum ist ,es nicht gelungen, denselben weiter nach dem mehr gebirgigen Süden zu verpflanzen; die versuchsweise ausgestreuten Keimkörner erwiesen sich so schwach, daß sie, ohne Wurzel zu fassen, elendiglich zu Grunde gingen. Ebenso hat der Pilz auf dem Boden der bürgerlichen Cultur sich nicht einnisten können; seine Ausläufer wurden dort überall mit Protest zurückgetische Wärme bekämpfte Temperatur scheinen die Entwicklung i wiesen. Dagegen wuchert er mit schleimig-ftommen Fäden, dieses durch einen penetranten, namentlich in die Ferne wir-! patriottsch aufgeblasenen Endkolben und von grün-gelbem