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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-22 · Heft 12 (22.3.1881) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 12 (22.3.1881)
Date
1881-03-22
Page
Seite 195 (sequence 11)
Language
German
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195 sicht aufzunehmen. Ein paar zerbrochene Fensterscheiben in kleinen Orten sind mehr auf persönliche Feindschaften als aus Tendenzen zurückzuführen und - das Beste ist Schweigen, über die Vorkommnisse, wie über die Personen!! Wir wollen nicht vergessen, daß hier Bamberger seit langer Zeit Ber-> treter im Reichstag ist. Zeigt das auf — Antisemitismus?; I. Klingenstein i Frankreich. Paris, 11. März. In der Sitzung der Deputirtenkammer vom 7. März wurde der Antrag gestellt, den Artikel 15 des Gesetzes vom 23. Prairial des Jahres XII auszuheben, nach welchem in allen Städten mit consessionell gemischter Bevölkerung jeder Consession ein gesonderter Theil des Friedhofes übergeben werden soll. Die Gründe für diese Aufhebung zog der Antragsteller aus den mißlichen Vorkommnissen in der katholischen Abtheilung, wo der Klerus unkirchlichen Personen und dergl. die Bestattung in „geweihter Erde" versagt hatte. Der Antrag wurde mit 348 Stimmen gegen 126 angenommen. Die Folge würde sein, daß die Abtheilnng der Friedhöfe aufgehoben und nur gemeinsame Friedhöfe gestattet würden. In wiefern dies auch aus die jüdischen Friedhöfe Einwirkung hätte, muß sich noch Herausstellen. Am 2. März fand der angekündigte Trauergottesdienst am Jahrestage des Todes Adolph Cre-mieux's statt. Die ^rebivss isr. klagen darüber, daß sich nur sehr wenige Personen dabei eingefunden hätten. Bon der Familie des Verewigten war Niemand erschienen. — Vielleicht erinnert man sich, daß im Juni 1878 eine Anzahl Soldaten, TurcoS und Zuaven, in Constantine gegen einige Juden skandalöse Angriffe ausführten, Magazine wurden geplündert, Läden zertrümmert, einige Individuen mißhandelt. Nach dem Gesetze vom Jahre IV mußten die Beschädigten Ersatz für ihren Verlust erhalten, der sich nachgewiesener Weise auf 20,000 Fr. belief. Tie Stadtbehörde verweigerte den Ersatz, weil die Miffethäter Militär gewesen, und das Ministerium des Innern weigerte sich desgleichen. Der Generalgouverneur wandte sich an den Kriegsminister, dem er begreiflich machte, welchen schlimmen Eindruck es haben würde, wenn eine öffentliche Verhandlung solche Akte der Jndisciplin und Brutalität, vollführt unter dem Schatten der Nationalsahne, zu Tage brächte. Der Kriegsminister hat die 20,000 Fr. auszahlen und unter die Beschädigten vertheilen lasten. (-4red. isr.) Bonn, 13. März. «Notizen.) Man schreibt aus Cöslin: An der pommer'schen Centralbahn zwischen Nenstettin und Könitz liegt das Städtchen Schl och au mit einer evangelischen und katholischen Bevölkerung von etwa 40>-0 Seelen. Auch (eine jüdische Gemeinde lebt am Orte. Ein Mitglied derselben, der Kaufmann Louis Leon, ist durch einstimmigen Beschluß des Magistrats und der Stadtverordneten zum Stadtältesten ernannt und mit dieser Auszeichnung geehrt worden, weil er feit 40 Jahren ununterbrochen städtische Ehrenämter (34 Jahre als Stadtverordneter und Mitglied der Schuldeputation, 6 Jahre als Magistratsmitglied und als Vertreter der Stadt im Kreistage) mit großer Umsicht und Treue verwaltet und stets eifrig für das Wohl der Gesammtgemeinde gesorgt hat. Die paritätische Stadtschule, an deren Einrichtung in ihrem jetzigen Bestände Herr Leon thätigsten Antheil genommen, ist in voriger Woche vom Kreisschulinspector Treichel einer gründlichen Prüfung unterzogen und tadellos befunden worden. — Aus Brauns chweig wird berichtet: Zu der am 7. März stattgefundenen Prüj fung für die wistenschaftliche Befähigung zum einjährig frei-; willigen Militärdienst hatten sich 14 junge Leute eingesunden; | nur 4 derselben bestanden die Prüfung. Unter den letzteren (waren 3 Schüler der (jüdischen) Samsonschule in Wolfenbüttel, so daß nur ein einziger von den privatim Vorbereiteten i den Anforderungen genügte. — Am 12. Januar verstarb zu! Paris in voller Manneskraft ein ausgezeichneter Offizier jüdischer Religion, Eduard Salmon (gebürtig zu Nancy), : Schwadronchef in der Artillerie und Commandant der Forts i von Montmorency. Er war soeben zu einem bedeutenden Avancement designirt worden. An seinem Grabe sprach u. A. der Commandant der Artillerie Lippmann. Er sagte: „Seit seinem Eintritt in die polytechnische Schule im Jahre 1854 hat sich der Commandant Salmon in allen Berhältniffen seiner militärischen Laufbahn, sowohl im Frieden wie Feldzuge, als unterrichteter und ausgezeichneter Offizier gezeigt, erfüllt von dem lebhaftesten Pflichtgefühl. Das Kreuz der Ehrenlegion hat sein Benehmen im letzten Kriege belohnt. Sein fester und gerader Charakter, seine Herzensgüte, die Zuverlässigkeit in allen Bcrhältniffen, sicherten ihm die Sympathien aller Derer, die ihn kannten. Die Artillerie verliert in ihm einen Offizier von hohem Werthe, der berufen schien, noch lange Jahre dem Vaterlande die besten Dienste zu leisten!" — Am 19. April d. I. (begeht Herr Rabb. Dr. Goldschmidt in Leipzig seinen 70. Geburtstag. Seine Gemeinde bereitet sich, diesen Tag ehrenvoll zu feiern. — Der Rabbiner Dr. S. Maybaum in Saatz ist zum Prediger und Rabbinats-Astestor der jüdischen Gemeinde in Berlin gewählt worden. — Man schreibt unS aus Szegedin: Unserm Oberrabbiner Herrn vr. Immanuel Löw : wurde in Anerkennung seiner aus Anlaß der 1879er lieberschwemmung Szegedin's um die Linderung des Elends erworbenen Verdienste das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens verliehen. — Man schreibt uns aus Pasewalk vom 8. März: Herr Rabbiner Or. Zuckermandel in Pasewalk, in wistenschaftlichen Kreisen wohl bekannt durch die Herausgabe der Tosefta, des altjüdischen Gesetzes aus dem zweiten Jahr-

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