Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1881)
- Date
- 1881-03-22
- Page
- Seite 192 (sequence 8)
- Language
- German
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192 CV ci\'i 11 iq Miac^icfitci^i.! sowie ihres ganzen Anhanges gehören, wie weit sie sich -L. enrfwlMrd.!von aller Wahrheit und Gewissenhaftigkeit fern hielten. Berlin, 9. März. (Privatmitth.) Während die „Christ-! De. Henrici hatte in der bekannten antisemitischen lich-Sozialen" ziemlich zahm geworden, und selbst Stöcker's j Reichshallenversammlnng u. A. behauptet, das 1877 dem vr. Reden kaum noch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, will es! Dühring von dem Frankfurter Juden Höchberg 70,000 M. in studentischen Kreisen noch immer nicht zur Ruhe kommen.! geboten worden seien, wenn er seinen Namen für die Social Allerdings ist es von den 4300 Hörern unserer Universität j dewokratie hergeben wolle. Düring habe dieses Ansinnen immer nur ein geringer Bruchtheil, der sich mit der Anrizurückgewicsen, worauf dieses jüdische Geld in die Cafsen semiterei beschäftigt und von diesem sind nur einige wenige! der Socialdemokratie geflossen sei. Bon New - Aork aus die Führer, die andern die Geführten. Aber destomehr Ru-: protestirt jetzt der ausgewiesene Referendar a. D. Viereck in mor machen sie. In ihrer Jntriguenlust gingen sie so weit, in einer Zuschrift an die .Volks-Ztg/ gegen diese Henriciin der akademischen Lesehalle unter dem Vorwände, einen! sche Behauptung. Er, Biereck, habe damals die Bekannt- Disputirverein zu gründen, eine wenig besuchte Versammlung schaft zwischen Höchberg und Dühring vermittelt und könne zu veranstalten, und in derselben mit der Wahl eines neuen Direktoriums und der Absetzung des alten vorzugehen. Diese Wahl ist natürlich, weil gegen die Statuten, ungültig, brachte jedoch die Dinge in eine Unordnung, so daß das Curatorium sich genöthigt sah, „bis auf Weiteres" die Lesehalle zu schließen. — Eine am 5. d. in den Reichshallen um 2 Uhr stattgefundene allgemeine Studentenversammlung war von etwa 800 Studenten besucht; die Stimmung war während des Verlaufs derselben eine leidlich ruhige. Biel trug dazu bei, daß diesmal die Parteien getrennt faßen, indem die Mitglieder des aufgelösten „Vereins deutscher Studenten" und deren Gefolgschaft die äußerste Rechte, die Gegner der antisemitischen Bestrebungen den Rest des Saales einnahmen. Nachdem mehrere Anträge der Antisemiten mit sehr bedeutender Mehrheit abgelehnt worden waren und die Versammlung noch (mit Bezug auf einen hervorragenden antisemitischen ' Agitator) erklärt hatte, daß Studenten, die hier das consilium abeundi erhalten hätten, zur Theilnahme an einer Berliner Studenten-Bersammlung nicht berechtigt seien, nahmen die Antisemiten, durch diese Mißerfolge gereizt, gelegentlich einer Anftage, weshalb der Ausschuß dem aufgelösten „Verein deutscher Studenten", trotz der von Rektor und Senat angeordneten Auflösung desselben, Theilnahme am Fackelzuge, gleich als wie einer bestehenden Verbindung, gewährt hätten, Gelegenheit, ihre Mißstimmung in so tumultarischer Weise zu dokumentiren, daß der anwesende Polizeilieutenant die Versammlung gegen t/4 5 Uhr aufzulösen genöthigt war. Die Studenten verließen den Saal in größter Ordnung. Bei der Wahl des Studentenausschusses blieben die Antisemiten überall in der Minderheit, so daß sie nur in der juristischen Fakultät ein einziges Mitglied durchbrachten. — Dem vr. Henrici werden immer mehr Unwahrheiten, deren er sich in seinen Reden bedient, nachgewiesen, und es wird sicherlich einst zur Charakteristik der Antisemiten versichern, daß von Geldgeschichten zwischen Höchberg und Dühring keine Rede gewesen. Auch der Ex-Socialdemokrat Körner erklärt in einer Zuschrift an die ,Staatsb.-Ztg/ die Behauptung des vr. Henrici im Aufträge des Herrn Höchberg für unrichtig. Berlin, 13. März. (Privatmitth.) Da die hiesige Antisemitenliga ziemlich in Verfall gerathen, ist ihr eine neue Bewegung willkommen, welche die Bevölkerung Berlins stark zu ergreifen vermöchte. Die Auslassungen des Fürsten Bismark im Reichstage gegen die Miethssteuer in Berlin haben allen, den städtischen Behörden und überhaupt der Fortschrittspartei feindlichen Elementen Lust gemacht, sich dieses Gegenstandes zu einer neuen Agitation zu bemächtigen. Zwischen Stöcker und Henrici herrscht kein großes Einverständniß und der letztere will daher eine „Sociale Reichspartei" gründen, deren erster Zweck der Antisemilensturm ist, und der zweite gegen die Stadtbehörde und die Fortschrittspartei gerichtetet sein soll. Am 11. Abends hielt er eine von ca. 1200 Personen besuchte Versammlung, in welcher wahrhaft Wuthausbrüche zum Ausdruck kamen. Es wurde sogar vorgeschlagen: es sollten 100 — 150,000 Mann vor den Berliner Magistrat rücken! vr. Förster sagte unter Anderem : „Je toller die jüdischen Journalisten es treiben, desto mehr nützen sie uns, und in allem Ernst sage ich es, das Redactionspersonal der Vosfischen Zeitung, die Insassen dieser Räuberhöhle, diese Banditen; die Spitzbuben des „Börsencouriers"; die Giftmischer der „Nationalzeitung" und der „Kölnischen Zeitung" sind unsere besten Freunde, und ich verstehe die Antisemitenliga nicht, daß sie diese Preßjuden, diese Preßbanditen, diese Trinkgeldersemiten nicht schon längst zu Ehrenmitgliedern ernannt hat." Es ist vorauszusehen, daß diese Vorgänge noch viele stürmische Austritte nach sich ziehen werden, und einen Kampf veranlassen können, der die traurigsten Folgen haben dürste. Auf welche Unterstützung jene Wühler rechnenx braucht nicht