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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-22 · Heft 12 (22.3.1881) · p. Seite 191

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 12 (22.3.1881)
Date
1881-03-22
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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J9l_ meinbe in Nürnberg. Leipzig 18.S1, Rob. triefe.* Dieser Punkt in der von dem geschätzten Redner behandelten Frage Bortrag hat bereit» eine gewisse Geschichte. Herr betrifft, so beschränken wir unsere Ansprüche aus Würdigung Zcholl hielt ihn in München vor einer großen Versammlung und Anerkennung nicht auf den Ursprung und die Augeaus allen Stünden und Confessionen, und erntete lauten Hörigkeit eines Mannes, der noch dazu in seinen letzten Beifall, obschon der „bayerische Kurier" einen fulminanten Zielen doch vom eigentlichen Pfade des Judenthums abge- Hetzartikel gegen "denselben gebracht hatte. In Regens bürg wichen zu fein scheint, so weit man nach den vorhandenen hingegen, wo die polizeiliche Anmeldung nicht rechtzeitig ge- Zeugnissen zu urtheilen vermag. Wir begnügen uns nicht schehen. verzichtete alsdann Herr Scholl auf die Abhaltung; einmal mit der ganzen Reihe der vorzüglichen unter unfern des Vortrages, weil die dortigen ultramontanen Blätter im! Ahnen von Abraham an in der biblischen, talmudischen. Voraus einen solchen Lärm geschlagen, daß ein Skandal zu mittelalterlichen und neueren Zeit bis auf Mendelssohn, befürchten stand. In einer offenen Erklärung stellte Herr Scholl dieses fest, da er unter solchen Umständen der guten Sache eher zu schaden als zu nützen fürchtete. Dieser Vortrag liegt nun gedruckt vor. Herrn Scholl ist eine wahrhafte Begeisterung für seine Anschauungen, wie auch eine schwungreiche und dabei ausdrucksvolle Sprache zu eigen, und wir erinckbrn mit Vergnügen an sein Trauerspiel „Raymund von Boziers", das wir S. 693, Jahrg. 1879 besprochen haben. Ebenfalls, von der oben schon citirten Schrift Luther's ausgehend, weist er ausführlich aus dem Neuen Testamente und der Kirchenlehre nach, daß Jesus nicht blos von echt jüdischer Abstammung gewesen, die Religion des Judenthums eifrig bekannt und sich den Sitten und Bräuchen des jüdischen Volkes unterworfen habe, sondern auch daß dessen Anschauungen und Grundsätze dem Judenthume entstammten, wie S. 15 ff. nachgewiesen wird. Mit diesen Nachweisen wendet er sich gegen die, welche die Juden für eine „fremde" oder gar „niedrigere" Race ausgeben. Wie wollten diese sich auf ihr „Christenthum" berufen, wenn Christus selbst dem Judenthume angehörte. Er führt darauf über den Werth der Semiten überhaupt und der Hebräer insbesondere schlagende Stellen aus Schlosser, Scherr, Ewald, an und beruft sich auf die christliche Erziehung, welche schon der zarten Jugend Hochachtung und Liebe für das Alterthum Israels einflöße. Die antisemitische Bewegung könne nur von Männern ausgehen, die einem Christenthume angehören, das mit dem Jesu nur den Namen gleich habe. Mit beredten Schlüssen aus diesen Vordersätzen endet der Redner seinen Vortrag. Bon dem Gesichtspunkte des Redners aus können wir den Bortrag nur als überaus gelungen und eindrucksvoll anerkennen. Daß er den Gegnern für ihren Haß und ihre Verfolgung noch eine Menge Ausflüchte läßt, ist selbstverständlich. Der Haß ist mindestens ebenso erfinderisch wie die Liebe, die Bosheit wie die Gerechtigkeit. Aber der Haß und die Bosheit haben im Streite den Bortheil voraus, daß sie sich aus der Wahrheit nichts machen und Lüge, Uebertreibung und Täuschung zu verwenden nicht scheuen, sobald sie Nutzen daraus ziehen zu können glauben. Daher gelingt es ihnen allzu oft, eine leichtgläubige Masse eine längere Zeit in ihren Fesseln zu halten. Was nun unseren eigenen Stand- Rießcr, Losch, Johann Jacoby u. A. Wir berufen uns vielmehr auf die Geschichte unseres ganzen Stammes, der, nachdem er fich zu der Höhe des Monotheismus und seiner Consequenzen in ethischen und sozialen Prinzipien und zum Gebetkultus heraufgearbeitet hatte, diese mit beispielloser Festigkeit und Treue durch die Jahrtausende auftecht erhielt. Alles für dieselben ertrug, unter dem schwersten Drucke nicht geistig verkümmerte und als die Thore sich öffneten, die Freiheit und die Bildung mit Jubel und unermüdlichem Eifer begrüßte. Dies ist es. was wir als das Zeugniß für unseren Werth und unsere Befähigung anrufen, und von dem aus wir alle jene erheuchelte Verachtung unsäglich verachten! Wir sagen mit Nachdruck „erheuchelt": denn das stärkste Ar' gument gegen die vorgeschützte Verachtung der Juden liefern uns unsere Gegnerffelbst. Man erhebt fich nicht mit gewaltigem Lärmen und Tosen gegen eine „niedere Race", welche noch dazu ein Hundertstel der Bevölkerung bildet. Schärft man seine Schwerter, spannt die Bogen, spitzt und vergiftet die Pfeile, ruft alle Welt zu Waffengenossen auf, zum äußersten Kampfe: so gestehet man von selbst diesem, noch dazu so geringzähligem Feinde eine geistige Macht zu, eine seelische Kraft und Begabung, die eher einem höheren als einem niederem Geschlechte einwohnen muß. Aber wir find die letzten, welche eine höhere Begabung der Juden auf irgend welchem Gebiete, selbst nicht einmal dem Handel und der Industrie anerkennen. Wir wollen nur unsere Gegner verhöhnen, indem wir ihr lächerliches Spiel Nachweisen, daß sie eine Verachtung zur Schau tragen, wo ihr ganzes Treiben eine bewußte und unbewußte Ueberschätzung bezeugt. — Dennoch nehmen wir mit Dank auch das, von den beiden würdigen Geistlichen, deren Schriften wir eben besprochen, ausgeführte Argument entgegen, da es immerhin geeignet ist, christliche Gemüther in dem obfchwebenden Streite auf den rechten Pfad zu geleiten. — Manchem unserer Leser wird es angenehm sein zu erfahren, daß in der plastischen Kunst- Anstalt von G. Eichler in Berlin die Büste Moses Mendelssohn's in Gypsadgüssen zu 51 Cent. Höhe zu haben ist und zwar zum Preise von 18 Mark. Die Büste ist von der abgenommen, welche im Besitze der jüdischen Gemeinde ist.

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