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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-22 · Heft 12 (22.3.1881) · p. Seite 188

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 12 (22.3.1881)
Date
1881-03-22
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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188 um mehr schwinden zu sehen. Und so wird dennoch einst die Zeit kommen, wo die Völker nicht mehr „den Krieg erlernen" und ihre Streitigkeiten aus „schiedsrichterlichem" Wege ausgleichen. blos aus die Besonnenheit der Regierungen, sondern noch dieselben Redensarten von der Ausbeutung des Volkes, von mehr auf die der Völker ist zu rechnen, daß sie sich nicht. den menschenfeindlichen Lehren des Talmuds, von der judenmehr in das Unheil eines Krieges werden stürzen wollen, ' freundlichen Haltung der Presse, wobei er zugesteht, daß die Die Solidarität der Interessen ist eine Macht, die mit der! ungarischen Blätter von Christen redigirt werden, jedoch die Zeit unwiderstehlich wird, und auf sie rechnen wir zunächst,; Mißhandlung, die er, Jstdczy, von ihnen erfahren, nicht dem den Krieg aus dem Culturleben der Nationen immer Rechtsgefühl und der Aufklärung derselben, sondern nur der Rücksichtnahme ans ihre jüdischen Abonnenten zuschreibt. Auch er verfällt dem Schicksale aller Antisemiten, die eigene Nation in ihrem sittlichen und intellektuellen Geiste herabzuwürdigen. Nur Eines wollen wir hervorheben. Mit einer besonderen Naivität räumt Jstoczy ein, daß die antisemitischen Studenten lediglich von Concurrenzfurcht getrieben werden. Er sagt hierüber: „Was ist natürlicher, als daß die stndirende Jugend, die sich noch nicht in der Machtsphäre der Juden befindet und ihre Zukunft bedroht sieht, den Curtiussprung in die Tiefe thut, um das Vaterland zu retten? Obwohl die Juden nur 5—6 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen, so beträgt die Zahl der jüdischen Studenten 36 Prozent in der medizinischen, 26 Prozent in der juridischen Fakultät. (Csernatony ruft dazwischen: Das gereicht ihnen zur Ehre!) Die diplomirten Juden vermehren sich wie die Pilze und fischen den Nichtjuden alle Stellen weg." Bekanntlich behandeln die Antisemiten die Statistik mit der edelsten Willkür, und es kommt ihnen gar nicht darauf an, mit den Zahlen in einer oft lächerlichen Uebertreibung umzuspringen. Die angegebenen Zahlen haben deshalb nicht die geringste Bürgschaft der Richtigkeit. Aber abgesehen hiervon, können diese Leute nicht begreifen, daß es in der bürgerlichen Gesellschaft nur auf die Befähigung zu einem Berufe und auf die treue Pflichterfüllung in demselben ankommt, nicht aber auf Abstammung und Glaubensbekenntniß, noch dazu da letzteres unzählige Male doch nur nominell ist; daß es in einem Rechtsstaate Jedem fteisteht, seinen Beruf zu wählen, sich zu demselben vorzubereiten und ihm nach den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften zu betreiben. Concurrenz muß sich Jedermann in allen Berufsarten gefallen lasten, und die Confession kann dabei ebenso wenig auf Privilegien Anspruch machen, wie Geburt und andere zufällige Momente. Diese Leute stehen daher noch in den Anfängen der modernen Kultur und gestehen offen, daß nicht das höhere Staatswohl, sondern nur ihre eigene Person und deren Jntereffe ihr treibendes Motiv ist. Was Jstoczy hier ausspricht, gilt auch von dem studentischen Treiben in Berlin und Leipzig und bestätigt, was wir bereits in Nr. 3 darüber gesagt haben. Die Antwort des Ministerpräsidenten Tisza lautete: Geehrtes Haus! Trotz der vorgerückten Stunde werde ich die Interpellation sofort beantworten, ohne mich jedoch auf die sonstigen Erörterungen des Herrn Vorredners einzulasten, die ich ohnehin nur zum Theile gehört habe. (Hört!) Es handelt sich hier lediglich um die Frage: ob das Vor- Die ungarische Ltaatsregierung und die Antisemiten. II. Der Abg. Jstüczy hat seine Interpellation wirklich eingebracht, und kam sie in der Sitzung am 2. März zur Verhandlung. Sie lautete: „Mehrere Budapester Universitätshörer beabsichtigten für den 17. Februar eine Konferenz zu dem Zwecke einzuberufen, daß dort die Judenfrage, mit Rücksicht ans die Universitäts Verhältnisse und überhaupt, so weit sie unser Land interessirt, erörtert werde. Die Abhaltung dieser Konferenz hat die hauptstädtische Polizei mit ihrem Bescheide sub Präs.-Z. 6985 verboten, aus dem meritorischen Grunde, daß in der Versammlung die Diskussion solcher Fragen beabsichtigt wurde, „welche zur Anfachung des Racenhastes führen können, deren Verhandlung demnach im Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit nicht gestattet werden könne". Diesen polizeilichen Bescheid hat der g. Herr Minister des Innern vermöge der Motive des Bescheides bestätigt. Abgesehen davon, ob diese antisemitische Versammlung von Universitätshörern einberufen wurde oder nicht, von welchem Umstande auch die Motivirung der beiden überein stimmenden Verbote keine Erwähnung thut; und in Anbetracht, daß die ftagliche Verfügung der Be Hörde und der Regierung als ein vielleicht auch für die Zu kunft wirkendes gefährliches Präzedens dienen könnte; frage ich den g. Herrn Minister: Welche Erwägungen haben ihn bestimmt, der in dem citirten polizeilichen Bescheide enthaltenen und oben angeführten meritorischen Motivirung beizutreten und auf Grund derselben das polizeiliche Verbot gegen die Abhaltung der antisemitischen Versammlung zu bestätigen? Viktor Jstoczy." Was Jstoczy zur Begründung dieser Interpellation vorbrachte, und vom Hause fortwährend mit Ausdrücken der Heiterkeit oder den Rufen: „Genug!" „Genug!" begleitet wurde, brauchen wir hier nicht mitzutheilen. Es sind immer

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