Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1881)
- Date
- 1881-03-22
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
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187 Reichstage gefunden, in welcher Moltke «jeden, auch den siegreichsten Krieg für ein großes Unglück" erklärt hatte. Sucht nun auch M. in diesem zweiten Briefe diesenWiderspruch zu beseitigen und seine früheren Auslastungen etwas abzuschwächen, so bleiben die letzteren doch dieselben. — Beide Momente, die Codifizirung des Kriegsrechts und das Aufhören des Krieges baden außer dem allgemeinen Interesse für uns noch ein besonderes, da beide zu den religiös-socialen Elementen des Judenthums gehören. Eine Codifizirung des Kriegsrechts ist bereits im zwanzigsten Kapitel des fünften Buches Mofis. wozu 21, 10 -14 hinzuzufügen, enthalten, der Keim zu einer Entwickelung, die in unseren Tagen eine lebhafte Förderung findet. Das Bestehen eines solchen codifizirten Rechtes wirkt auf das Volksbewußtsein mit der Zeit ein, und die Gesittung und Stimmung, auf welche sich Moltke stützt, werden allmälig von einem solchen Rechte beeinflußt und zu gewünschtem Ziele geleitet. Wir haben deshalb darin durchaus kein müßiges Geistesspiel, keine reallose Beschäftigung zu erkennen, sondern eine feste Gestaltung des Rechtsbewußtseins, welches zuletzt die Leidenschaften zu regeln und zu zügeln vermag. Ebenso ist das Aufhören des Krieges, an dessen Stelle ein Schiedsgericht zwischen den Völkern eintrete, einer der ältesten Prophetenausfprüche Jsra els, welchen Micha und Jesaias uns überlieferten (Micha lieber Wendungen zu bedienen. Goubareff meint offenbar den Angriffskrieg, und Moltke stücktet sich hinter den Bertheidigungskrieg. Daß dieser gerechtfertigt, ja eine theure Pflicht ist, widerlegt in nichts die Behauptung, daß jeder Angriffskrieg ein Verbrechen ist. Und nun die Ausflucht hinter die Fügung Gottes, den Kampf in der Natur, das Unglück! Allerdings läßt die Fügung die Verbrechen zu, aber sie ist es, welche dahin führt, daß die Verbrechen sich vereinzeln und vermindern, wie es im Verlaufe der vier geschichtlichen Jahrtausende des Menschengeschlechts schon in so großem Maße geschehen ist — die erste Hälfte unseres heutigen Artikels giebt davon Zeugniß. Der Kampf in und mit der Natur fetzt doch nicht voraus, daß der Mensch selbst unter den eigenen Gliedern des Geschlechts unermeßliche Kämpfe erregen und führen soll, so wenig wie die Industrie voraussetzt, daß ein großer Theil ihrer Producte durch den Krieg vernichtet werden soll. Schließlich giebt Moltke zu, daß sich die Kriege mit der fortschreitenden Cultur vermindern — nun, was sich vermindert, was bereits in vielen Fällen durch vernünftige Einsicht und schiedsrichterliches Einschreiten behindert wird, das — kann auch aufhören, und, sagen wir, das wird auch aufhören. — Moltke sagt weiterhin: «Und daß der Krieg auch seine schöne Seite hat, daß 4, 3. 4, Jesaias 2, 3.), sowie denn der ganze Messiasglaube er Tugenden zur Ausführung bringt, die sonst schlummern des Judenthums in seinem idealen Kerne nichts Anderes als die Ueberzeugung eines späteren ewigen Gottesfriedens ist. Daß auch diese Ideen in unserer Zeit so lebhaft erwachten und unzählige Anhänger finden, ist ein abermaliges Zeugniß für die ewige Lebenskraft großartiger und echt sittlicher Lehren. — Hören wir, was Moltke in seinem zweiten Briefe sagt: «Sie erklären den Krieg bedingungslos für ein Verbrechen, wenn auch ein in Versen besungenes; ich halte ihn für oder erlöschen würden, kann wohl kaum in Abrede gestellwerdcn." Man braucht dies nicht in Abrede zu stellen, um zu behaupten, daß dieselben Tugenden, die Vaterlandsliebe, die Selbstaufopferung, Muth und Entschlossenheit auch in den Werken des Friedens, in rastlosem Schaffen und Streben, in jedweder Begeisterung angefacht, geübt und gestärkt werden und daß es eben nur ein Zeugniß mehr für die sittliche Natur des Menschen ist, selbst unter den Waffen edle Eigeuein letztes, aber vollkommen gerechtfertigtes Mittel, das Be-; ^often und Tugenden entfalten zu können. Wie aber steht stehen, die Unabhängigkeit und die Ehre eines Staates zu es mit den vom Kriege genährten Lastern und Verbrechen? behaupten. Hoffentlich wird dies letzte Mittel, bei fortschrei-! Mit Mordlust und Plünderungssucht, mit Grausamkeit und tender Cultur, immer seltener in Anwendung kommen; aber! Tücke, mit der Verwilderung des Volkes bei Siegern und ganz darauf verzichten kann kein Staat. Ist doch das Le-! Besiegten? Fürwahr, diese wiegen das Gute und Edle, das ben des Menschen, ja der ganzen Natur, ein Kampf des I der Krieg wecken kann, unendlich auf! — Endlich sagt Moltke: Werdenden gegen das Bestehende, und nicht anders gestaltet! «Die Zeit der Cabinetskriege gehört der Vergangenheit sich das Leben der Bölkercinheiten. Wer möchte in Abrede j an. In unserem Jahrhundert wird sich schwer ein ernsthafstellen, daß jeder Krieg, auch der siegreiche, ein Unglück fürder Mann finden, welcher die Verantwortlichkeit auf sich das eigene Volk ist; denn kein Landerwerb, keine Milliarden j nimmt, ohne Nothwendigkeit den Degen zu ziehen. Es wäre können Menschenleben ersetzen und die Trauer der Familien! zu wünschen, daß alle Regierungen stark und energisch geaufwiegen. Aber wer vermag in dieser Welt sich dem Un- 'nug wären, um die Leidenschaften, von welchen ihre Völker glück, wer der Nothwendigkeit zu entziehen? Sind nicht beide nach Gottes Fügung Bedingungen unseres irdischen Daseins?" Da scheint uns der große Stratege sich eigenthümerregt werden, zu bemeistern und auf diese Weise den Krieg zu verhüten." Aber so gut wie die Cabinetskriege werden auch die Nationalkriege einst der Vergangenheit angehören, und nicht 12*