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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-22 · Heft 12 (22.3.1881) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 12 (22.3.1881)
Date
1881-03-22
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 über? Wie weit ist man gekommen? Das find interessante! gleichen Schutz der Verfassung und der Gesetze genießen. Fragen. Aus diesem Grunde zieht die Rede, welche der neu gewählte Präsident Garsield am 4. d. beim Antritt seines Amtes hielt, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Sie ist einfach, ohne Schwung, an die Thatsachen sich ^haltend, aber von dem Geiste des Rechts, der Freiheit und der Humanität so beseelt und durchdrungen, daß sie in ihrem einfachen Style einen um so lieferen Eindruck macht. Der Redner weist zuerst auf das Jahrhundert zurück, das seit der Annahme der Unionsverfassung verflossen ist. Die Union hat in demselben einen fünfzigmal größeren Flächenraum, eine zwanzigmal größere Bevölkerung gewonnen und zu den ursprünglichen dreizehn Staaten sind 35 neue getreten. Die Verfassung hat sich bewährt, der Wohlstand ist ein außerordentlicher geworden. Dann wendet er sich zu der Stellung der schwarzen Race, und wir setzen hier seine Worte vollständig her, weil darin Grundsätze berührt werden, die ihre Wahrheit und ihre Anwendung auch in anderen Gebieten finden: „Die Erhebung der schwarzen Race aus der Sklaverei zu den vollen Bürgerrechten ist die wichtigste politische Veränderung, die wir seit der Annahme der Berfaffung im Jahre 1787 erlebt haben. Kein denkender Mensch kann ermangeln, den wohlthätigen Einfluß auf die Einrichtungen und das Volk zu würdigen. Sie hat uns von der steten Der sreie Genuß des Wahlrechts ist noch immer in Frage gestellt und eine offene Darlegung der Frage dürste ihre Lösung beschleunigen. Man sagt, daß in vielen Gemeinden den schwarzen Bürgern das Wahlrecht thatsächlich verweigert werde. Wo dies zugestanden wird, pflegt gellend gemacht zu werden, daß an manchen Orten eine ehrliche Localregierung unmöglich sei, wenn man der Maffe ungebildeter Neger das Wahlrecht gewähre. Es sind dies ernste Angaben. Falls letzteres auf Wahrheit beruht, so ist es die einzige Entschuldigung, welche gegen die Verkürzung der Wahlfreiheit vorgebracht werden kann. Eine schlechte Localregierung ist allerdings ein großes Uebel, welchem begegnet werden muß; allein die Verletzung der Freiheit und der Heiligkeit der Wahl ist mehr als ein Uebel, ist ein Verbrechen, welches, falls es fortgesetzt wird, die Regierung selber vernichtet. Selbstmord ist kein Heilmittel. Wenn es in anderen Ländern als Hochverrath gilt, dem König nach dem Leben zu trachten, so sollte es hier nicht minder als ein Verbrechen betrachtet werden, wenn unsere souveräne Gewalt erdroffelt und deren Stimme erstickt wird. Man hat gesagt, daß ungelöste Fragen kein Mitleid mit der Ruhe der Nationen haben. Man sollte mit dem größten Nachdruck sagen, daß diese Wahlstage die Staaten oder die Nation niemals zur Ruhe oder Sicherheit kommen lasten wird, so lange nicht alle ihr Stimmrecht Gefahr des Krieges und der Auflösung besteit, ungeheuer i frei und rein erhalten." viel zu der moralischen und industriellen Kräftigung unseres! Man sieht, auch in Amerika stößt die Erfüllung der Volkes beigetragen, sowohl den Herrn als den Sklaven von j gesetzlich anerkannten Prinzipien immer wieder auf Schwieeiner Verbindung gelöst, welche beide schädigte und schwächte,! rigkeiten und aus Versuche, den Lauf zurückzustauen und fünf Millionen Menschen zu eigenen Herren gemacht und! einzelne Uebelstände zur Beschränkung des Grundsatzes zu allen eine Laufbahn der Freiheit und Nützlichkeit eröffnet I benutzen. Aber vergebens, denn jede theilweife Verhinderung und der Macht der Selbsthülfe in beiden Racen einen neuen j kommt der Aushebung des ganzen Prinzips gleich und diese Antrieb gegeben. Der Einfluß dieser Macht wird größer! ist eben unmöglich geworden.- und größer werden und in späteren Jahren reichere Früchte j In der jüngsten Zeit machte ein Briefwechsel des grotragen. Allerdings hat der große Wechsel unserem Süden j ßen Strategen Generalfeldmarschalls Grafen von Moltke nicht ernste Störungen verursacht. Es ist dies zu beklagen, allein j geringes Aufsehen. Es besteht nemlich ein internationaler es war unvermeidlich; diejenigen, welche den Wechsel bekämpf-^ Verein zur Codifizirung des Völker- und insbesondere auch len, sollten daran denken, daß es unter unsern Jnstitutio-! des Kriegsrechts. In einem Schreiben an Prof. Bluntschli nen für die schwarze Race keinen Mittelweg gab zwischen hatte sich Moltke gegen diese Bestrebungen ausgespro- Sklaverei und gleichem Bürgerrecht. Die Freiheit vermag! chen. Diese Codifizirung sei unnütz, denn im Kriege würden niemals ihre ganze Segenssülle zu spenden, so lange die Gei diese Paragraphen doch nicht beachtet werden und die Art setze oder die Regierung die geringste Schwierigkeit in den! des Kriegführens hänge vielmehr von der Gesittung und Weg irgend eines tugendhaften Bürgers legt. Die besteite Stimmung der Völker ab. Auch erklärte er den Krieg für Race hat bereits beträchtliche Fortschritte gemacht. Mit auf- , ein ewiges Erbtheil des Menschengeschlechtes und schrieb demrichtiger Anhänglichkeit an die Union, mit Geduld und Sanftselben auch einen großen sittlichen Werth bei, da er die Bölmuth, welche nicht der Furcht entsprangen, sind sie dem Lichte < ker aus der Apathie erwecke und Tugenden entfalte, die sonst gefolgt, wie Gott es ihnen verliehen hat, das Licht zu er-1 einschlummern würden. Gegen dieses Schreiben richtete kennen. Ausdauernd und arbeitsam, verdienen sie die edelj Goubaresf ein Memoire an Moltke und dieser erwiederte in müthige Ermuthigung aller guten Menschen. So weit als! einem Schreiben vom 10. Februar. Man hatte die Aeußemeine Macht gesetzlich sich erstreckt, sollen sieden vollen und! rungen Moltke's in Widerspruch mit einer Rede im deutschen

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