Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1881)
- Date
- 1881-03-15
- Page
- Seite 177 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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177 tags im portugiesischen Tempel vue Bouffault ein Trauer-j gottesdienst für Adolphe Cremieur abgehalten und am 6.! März 10 Uhr Bormittags das Grabmonument (für welches! über 70,000 Frcs. gesammelt worden) auf der Gruft des Verewigten enthüllt und geweiht werden. - Die Leser erinnern sich, daß vor einigen Monaten aus Tanger (Marokko berichtet wurde, der dortige französische Consul habe einer jüdischen Frau öffentlich die Bastonnade ertheilen lassen. Die Nachricht erweckte großen Unwillen, und kam selbst im eng lischen Unterhause zur Sprache, wo der Staatssekretär Dilke j miltheilte, daß er deshalb an die französische Regierung geschrieben habe. Jetzt hat sich die Sache insoweit aufgeklärt, als der französische Consul aus die Klage eines Negerknaben in seinem Dienste, daß er von jenem Weive betrogen worden,! durch einen Soldaten den marokkanischen Gouverneur aus fordern ließ, das Weib verhaften zu lassen; der Gouverneur- Habe dies mißverstanden und der Frau die Bastonnade geben lassen, obschon ein ausdrücklicher Befehl des Sultans verboten hat, einem Juden die Bastonnade zu geben. Ter Monatsbericht der Alliance, der den desfallsigeu Briefwechsel enthält, erklärt, daß alle Welt mit dieser Aufklärung zufrieden sei Dies mag französischer Seits der Fall sein, weil der franz. Consul des ärgsten TheileS des Vorganges ledig erscheint. Andererseits aber giebt uns die Sache ein Bild des dortigen Gerichtsverfahrens, das weder für den Consul noch für den Gouverneur schmeichelhaft ist, und die Frau, welche die Bastonnade erhalten, mag nun die Klage des Negerknaben gerechtfertigt. sein oder nicht, wird mit einer solchen Mißhandlung auch nicht zufrieden sein. Rußland. Petersburg, 26. Februar. Die beim Ministerium des Innern zur Prüfung der bezüglich der Juden geltenden Gesetze eingesetzte Commission beabsichtigt, wie die „Sarja" aus sicherer Quelle erfährt, eine Erweiterung der Rechte der Juden. So sollen die graduirten Studenten mosaischen Glaubens mit den christlicher Confession gleichgestellt werden. Auch in Bezug auf die Beförderung der im Staatsdienst besindlichen Personen mosaischen Glaubens sollen Veränderungen bezüglich der denselben zu gewährenden größeren Rechte geplant werden. — Es giebt einen Gesichtspunkt, aus welchem diese Berbefferungen in der Lage der studirenden jüdischen Jugend noch wichtiger für den Staat und dessen innere Ruhe sind, als für die Juden selbst. Moskau, den 17. Fcbr. (Privatmitth.) Das fonwährende Steigen der Preise aller nothwcndigsten Lebensmittel und die dadurch stetig wachsende Nothlage der hiesigen Bevölkerung rief ein unter dem Borsitze des General-Gouvcr neurs, Fürsten Dolgoroko, gebildetes Comitc iu'S Leben, wel ches sich die sehr lobenswertbe Aufgabe gestellt hat, für die Stadtarmen Brod zu billigen Preisen zu verabreichen, um so einer Gefahr zu begegnen, die hier einen sehr ernsten Charakter anzunehmen gedroht hat. Da aber ein beträchtlicher Bruchtheil der hiesigen Bevölkerung — unsere Glaubensgenossen nämlich — von der passiven Theilnahme an dieser Wohlthat ausgeschlossen ist, und der Hunger keine confessiouellen Unterschiede kennt, so hat die durch ihren Wohlthätigkeitssinn hier allgemein bekannte und geachtete Frau Rosalie Poliakoff (Gemahlin des Banquiers und Eiscnbahnunternehmers L. S. Poliakoff) einen Verschleiß von Lebensmitteln eröffnet, wobei Brod um die Hälfte, Fleisch zu deS üblichen Preises, alle anderen zum täglichen Leben nothwendigen Gegenstände aber zu sehr ermäßigten Preisen verabfolgt werden, |um so jene Armen, die der Wohlthat des erwähnten Comi j tös nicht theilhaftig find, von der drückendsten Noth und der drohenden Hungersgefahr zu befreien. Berücksichtigt man, daß der Preis des Brodes gegenwärtig 6 Kopeken, der des Fleisches 16 Kopeken p. Pfund! beträgt, daß ferner schon am Eröffnungstage über 20 Ctr. ^Brod, eine dem entsprechende Quantität von Fleisch, Erdäpfeln 1 und anderen Produkten verkauft worden sind, und daß Frau! Poliakoff Alles aus eigenen Mitteln bestreitet, so wird mau! diese den Armen gebotene Hilfe vollständig zu würdigen wisi sen. Möge dieses edle Unternehmen gedeihen und auch andersj wo Nachahmung finden. Bonn, 6. März. (Notizen.) Der Privatdocent an der hiesigen Universität, Dr. Moritz Nußbaum, ist zum außerordentlichen Professor und Prosector (in Nachfolge des nach Berlin berufenen Prof. Nathan Zuntz) ernannt worden. Pesi, 26. Januar. (Literarische Notizen.) Bor jetzt zwei Jahren berichteten wir in d. Bl. (Jhrgg. 167'.'. S. 74) über eine Rede Jellinek'S, welche die hebräische : Sprache zum Thema hatte, und heute liegt uns über dasselbe Thema wieder eine und zwar ganz vortreffliche Rede des Wiener Kanzelredners vor: „Die hebräische Sprache, ein Eyrcnzeugniß des jüdischen Geistes. Tritte Rede über die hebräische Sprache am S. Wajiggasch 5641 gehalten von vr. Ad. Jellinek. (Wien 1661 , Schlvßberg.) Bon dem Gesichtspunkte ausgehend, daß die Sprache die Seele des Volkes, der klare Spiegel ist. der die Eigenthümlichkeiteu desselben unverfälscht wiedergiebt. betrachtet I. zunächst drei Wörter, aus vier Silben und acht Buchstaben bestehend, welche ein vollgiltiges Ehrenzeugniß des jüdischen Geistes liefern, dessen Ernst, Würde, Hoheit und Menschlichkeit verkünden. An dem Namen Moscheh zeigt er sodann, daß Israel ein dankbares Volk ist, und in dem Namen Jehude oder Juda, namentlich in Judas Rede in dem betr. Wochenabschnittc siudet er unser „Programm in der