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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-15 · Heft 11 (15.3.1881) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 11 (15.3.1881)
Date
1881-03-15
Page
Seite 176 (sequence 12)
Language
German
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176 fortbestehen sollen, ober ob es nicht angemessen wäre, wenn! sie sich blos als Cultnsgemeinden constituiren würden. Die politischen Journale, welche dem jetzigen Ministerium Oppo- { sition machen, äußerten sich abfällig über dieses Rundschreiben, da sie in denselben Nationalitäts- und Sprachenfragen wittern. Meiner unmaßgeblichen Ansicht nach handelt es sich in dem gegebenen Falle nicht um diese Fragen, und ist cs wirklich die Absicht des Ministeriums, nach Thunlichkeit einen geregelten entsprechenden Zustand zu schaffen. Ich kann nur nicht sagen, was die Gemeinden antworten sollen, da ich denn doch diese Berhältniffe zu wenig kenne. So viel jedoch weiß ich, daß die hiesige Gemeinde blos eine Cultusgemeinde ist und hat sie sich stets dagegen verwahrt, auch als politische Gemeinde zu gelten, und wie hinzugefügt werden kann, befindet sie sich dabei ganz wohl. Dasselbe ist auch in Brünn?c. der Fall. Wenn daher nicht besondere Gründe dagegen sprechen, so dürfte es empfehlenswerth sein, wenn auch anderswo in der gleichen Weise vorgegangen wird. Im ungarischen. Abgeordnetenhause hat der Minister- Präsident Tisza dem Herrn Jstöczp wieder einmal ordentlich „heimgeleuchtet". Ungarn ist zwar Halbasien, und kann sich Pest nicht mit der Metropole der Intelligenz messen; aber man versteht es in Pest, dem Gesetze Achtung zu verschaffen. Zu verwundern ist es auch, daß Fürst Bismarck angeblich nicht wußte, daß die ihm jüngst zugekommenen Telegramme von Antisemiten eben aus dieser Quelle stammen. Wir solli ten glauben, einem Bismarck stehen Mittel und Wege zu Gebote, um sich zu erkundigen. Hier in Wien giebt cs eine Bereinigung katholischer Studenten „Austria", welche jetzt, nachdem deren Zahl in letzter Zeit gestiegen ist, 40, sage Vierzig, zählt. Ich muß jedoch hinzusügen, daß der Verein, mindestens bisher, keine aggressiven Tendenzen verfolgt. Wien, im März. (Privatmitth.) Unter den hiesigen israelitischen Wohlthätigkeitsvereinen zieht gewiß der „zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" die Aufmerksamkeit auf sich. Wie bedeutend seine Wirksamkeit ist, erfährt man aus dem 38. Jahresbericht, welchen der Borstand soeben ausgegebcn. Die Zahl der Zöglinge belief sich im Jahre 1880 ans 449. 56 vollendeten im Lause dieses Jahres ihre Lehre. Der Verein bezahlt die „genossenschaftlichen Gebühren" (785 Fl.), versieht die Zöglinge mit Wäsche und Bekleidung <6665 Fl.), mit Lehrmitteln und anderweitigen Unterstützungen. Die Ausgaben beliefen sich aus 10268 Fl., wodurch ein Ausfall von 688 Fl. entstand, der aus der Reserve gedeckt wurde, die noch immerhin 5793 Fl. beträgt. Da somit die Einnahmen nicht gleichmäßig mit den Ausgaben wachsen, so muß die Mildthätigkeit der Menschenfteunde für den Verein um somehr in Anspruch genommen werden. Der Vcrmögensstand des Vereins betrug am Ende des Jahres 97,245 Fl. Die gegenwärtigen Zöglinge vertheilen sich auf fast alle möglichen Handwerke und darunter auch die sog. schwereren. Es befinden sich z. B. darunter 16 Bäcker, 27 Drechsler, 2 Kupferschmiede, 11 Metallarbeiter, 86 Schlosser, 4 Schmiede, 35 Tischler u. s. w. Pest, 28. Februar. Die vier Studenten, welche die antisemitische Versammlung arrangiren wollten, appellirten bekanntlich gegen das diesbezügliche Verbot der Polizei an den Minister des Innern. Bon Letzterem ist gestern ein Erlaß herabgelangt, worin das Verbot der Polizei einfach gutgeheißen wird. Es verlautet, daß Jstöezy nunmehr in der Donnerstagssitzung des Abgeordnetenhauses deshalb interpelliren werde. Pest, 3. März. Jstöczy richtete in der heutigen Unter-; Haussitzung eine Interpellation an die Regierung, betreffend das Verbot einer beabsichtigtev Antisemitenversammlung.! Der Ministerpräsident Tisza erwiderte, es sei die Pflicht der! Stadthauptmannschast gewesen, eine Versammlung zu ver-! bieten, in welcher man die Religionsfreiheit und den Racen- > haß so zu sagen auf die Straße zerren wollte. (Das Nähere j in nächster Nummer.) i Prag, 19. Februar. Nach einer officiellen Publication i zählt Prag 156,153 Einwohner. Darunter 123,477 mit czechischer und 30,519 mit deutscher Umgangssprache. Die Zahl der Israeliten beträgt 16,172, darunter 3218 mit czechischer Umgangssprache. Teplitz, im Februar. (Privatmitth.) Das hiesige „Bade- Hospital für in- und ausländische kranke Israeliten" hat jetzt seinen 50jährigen Bestand zu feiern und zu dieser Veranlassung einen schön ausgestatteten „Festbericht" herausgegeben. Dieser wird auf alle Menschenfreunde wohlthatig wirken; denn er hat nur eine lange Reihe von Wohlthätern aus der spendenden und aus der heilenden Klasse und ein stetiges Wachsen zu verzeichnen. Seit der Gründung im Jahre 1831 sind in diesem Bade-Hospital 4534 Kranke ausgenommen und verpflegt worden. Es bedarf gegenwärtig durchschnittlich bei-; nahe 3000 Fl. jährlich und besitzt einen Bermögcnsstand, von 24,735 Fl. Im Jahre 1880 wurden 123 Kranke aufj genommen, davon 59 als geheilt, 60 als gebeffert und nur 4 als ungeheilt entlasten; verstorben ist keiner. Aus obigen; Angaben erhellt, daß das Hospital noch immer zu einem gro-! ßen Theil aus Sammlungen und Spenden angewiesen ist. Sicherlich werden ihm diese niemals fehlen; doch würde eine - Vermehrung der Fonds die beste Garantie für die Zukunft liefern. Dem ersten Stifter der Anstalt, Naphtali Katz, s. A., j werde eine dankbare Erinnerung gewidmet!! Frankreich. j Paris, 25. Februar. Nach einer Bekanntmachung des; Comit'-'s der Alliance wird am 2. März 4 Uhr Nachmit-

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