Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1881)
- Date
- 1881-03-15
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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173 jüdischen Publikum nach Möglichkeit zu beseitigen, und nicht minder die Juden selbst, bei denen sich das Talmudstudium auf die Gelehrtenkreise zurückgezogen hat, darüber zu unterrichten. Letzteres hat folgende Schrift zu ihrem Zwecke: Talmud-Schatz. Fragmente aus dem babylonischen Talmud.; Ein Familienbuch für das jüdische Haus von Moritz Geller. (Selbstverlag, Pest.) Das Schriftchen (S. 183 u. X) enthält einen Auszug in deutscher Sprache ans dem Traktate Berachot und einen kürzeren aus der Ordnung Seraim, den der Verfasser in 4 — 5 Bändchen über den ganzen babylonischen Talmud ausdehnen will. Er führt, wie sie im Texte auf einander folgen, die hauptsächlichsten Halachot, vorzugsweise aber den midraschischen Theil, Grzählungen, Allegorien und dgl. an, alles Pilpulistische aus-! scheidend. Diese Methode ist mit der, in der umfassenden! Arbeit des vr. Rabbinowitz angewandten nicht zu ver ' wechseln. Dieser vereinigt alle denselben Gegenstand behandelnden wichtigen Texte zum wissenschaftlichen Zwecke, i während in der vorliegenden Schrift die Leser theils mit der talmudischen Satzung bekannt gemacht, theils unterhalten werden sollen. Können wir nun auch ein „Familienbuch" nicht darin erkennen, so hat doch das Buch nach mancherlei Seiten hin einen Nutzen. Denn überall, wo eine dunkele Vorstellung durch eine richtigere, eine Ueberschätzung oder Mißachtung durch eine Selbstkenntniß beseitigt wird, so daß eine angemessenere Würdigung eintritt, ergiebt sich ein wesentlicher nützlicher Erfolg. Durch Anmerkungen sucht der Verfasser seinen Lesern das Verständnis zu vermitteln. — Schließen wir heute mit einer überaus verdienstlichen Arbeit: '171 "IN 17N -2°- 2'I.N'p ~'>'0 71'27:171 77 •'.17';<rr*7D 2N12 Pesikta Rabbati, Midrasch für den Fest-Cyclus und die ausgezeichneten Sabbathe, kritisch bearbeitet, commentirt, durch neue handschriftliche Haggadas vermehrt, mit Bibel- und Personen-Jndices versehen von M. Friedmann, Rector am Bet-ha-Midrasch in Wien. Nebst einem Lexidion der vorkommenden griechischen und lateinischen Fremdwörter von Rabb. Dr. M. Güdemann. (Wien 1880. Löwy.) Wer sich über die Beschaffenheit und den Werth der aus der älteren Pesikta und Jelamdenus zusammengesetzten Pesikta Rabbati unterrichten will, findet eine gründliche Auseinandersetzung in den „Gottesdienstliche Borträge der Juden" von Zunz S. 230 ff., eine noch weiter umsaffende Darlegung in der dieser neuen Ausgabe vorangeschickten Vorrede. Es ist hiermit eine wesentliche Bereicherung und Vervollständigung der Midrasch-Literatur gewonnen, welche in der neuesten Zeit durch Drucklegung und Bearbeitung vom Staube der Vergangenheit gereinigt und in die allgemeine wiffenschaftliche Welt eingeführt worden ist. Sei ti 1 wcj >1 tac tjzic fjlevu Deutschland. Bon«, 6. März. (Privatmitth.) Bon den 196 vreußischen Synagogengemeinden, an die wir das Circular vom 24. Februar gesandt, haben sich 108 bereit erklärt, Tclegirte zu senden, und 25 versahen uns mit persönlicher Vollmacht. Für dieses Zeugniß des Vertrauens und des Jnteresies danken wir herzlichst. Die Redaktion. München, 23. Febr. Das Abgeordnetenhaus berietst das Gesetz über eine Capitalrentensteuer. Zu der Bestimmung des Gesetz-Entwurfs, daß Kapitalien der Kirchenstiftungen, wenn diese durch Entrichtung der Steuer außer Stand gesetzt würden, ihren Zweck vollständig zu erfüllen, von den Kapitalrentensteuern befreit sein sollten, beantragt Abg. Gunzenhäuser: daß nicht nur die Kirchen-, sondern auch die Kultus Stiftungen steuerfrei sein sollen, ein Antrag, der be sonders zu Gunsten der israelitischen Cultusstiftungen gestellt wurde. Nachdem der Ausschußreferent, Abg. Freiherr von Stauffenberg, den Antrag empfohlen hatte, wurde demselben ohne weitere Debatte beigestimmt. Berlin, 2. März. (Privatmitth.) Unter den gegenwärtigen Verhältniffen gewinnt oft auch ein an sich unbedeutender Vorgang einigen Werth, und andererseits ist es ja erfreulich, wenn nur geringe Gegenstände zur Besprechung aus einem Platze vorliegen, dem wir in der letzten Zeit nur allzu viel Aufmerksamkeit schenken mußten. Der Wahlvercin der Fortschrittspartei im vierten Berliner Reichswahlkreise hielt am 27. v. M. seine diesjährige ordentliche General Versammlung. Hauptzweck der Versammlung war die Neuwahl des Vorstandes. Der Antrag, den ersten Vorsitzenden. Herrn Stadtverordneten-Borsteher Vr. Straßmann, durch Acclamation wieder,zuwählen, wurde unter der Motivirung abgelehnt, daß Angesichts gewisser Strömungen den Mitgliedern erst recht Gelegenheit gegeben werden müsse, ihr Votum durch Zettelwahl für oder gegen abzugeben. Dieser Wahlmodns ergab schließlich von 89 abgegebenen Stimmen 87 für Herrn vr. Straßmann, welcher die Wahl annahm. Die „Antisemiten" lassen die hiesige studentische Welr nicht zur Ruhe kommen. Da der Verein „deutscher Studenten" sich ausgelöst hat, versuchte man es, die „Aka demische Lesehalle" zum Schauplatz der Jntrigue zu machen.; 45 antisemitische Studenten traten in die „Lesehalle" ein und bildeten eine Majorität, um das Auflegen der antisemij tischen Blätter „Der Culturkämpfer", „Die deutsche Wacht" 11