Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1881)
- Date
- 1881-03-15
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
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17 macht. Schließlich haben sie auch manches nützliche Wissen aus der Geschichte und Wissenschaft des Judenthums verbreitet und Liebe und Berständniß sür sie zu gewinnen gesucht. Allzustrenge Forderungen darf man allerdings an dieses junge Kind nicht stellen. Trotz des großen Procentsatzes jüdischer Studirten einerseits und der verhältnißmäßigen reichen Pflege, welche die talmudische Literatur sich hier zu j Lande erfreut, sind bei uns Männer, die jüdisches und euroj päisches Wissen in sich vereinigen, blutwenig. Diese zwei oder drei jüdischen Gelehrten, die wir haben, werden zu sehr von allen Seiten in Anspruch genommen, als daß sie der jüdischen Presse wesentliche Dienste hätten leisten können. Es ist mithin kein Wunder, wenn, trotz der großen Opfer unserer Redactionen an Zeit. Mühe und Geld, unsere Zeitungen ge- | wissermaßen als ein testimonium paupertatis dienen können, j welches die russische Judenheit auf hunderten von Druckbogen i jährlich sich ausstellt. Wohl bringen sie auch manche wissen-I schaftliche Artikel, aber diese, wenn sie gut sind, sind meisten-i theils entweder einfache Uebersetzungen, Compilationen oder von Nichtjnden geschrieben. Prätentiös hinsichtlich des publicistischen Taktes unserer Zeitschriften darf man ebensowenig sein. Tüchtige Publicistcn aber, die zu gleicher Zeit tüchtige Kenner des Judenthums von seiner theoretischen und praktischen Seite wären, find bei uns an den Fingern auszuzählen. Doch wie dem auch sei, unsere Herren Redacteure und Deri leger haben es, bis jetzt wenigstens, an Opfern in splendidester > Weise nicht fehlen lassen, um ihre Zeitschriften auf die Höhe j ihrer Aufgaben zu stellen. Was wenigstens den Umfang! und die äußere Ausstattung betrifft, so ist mir kein einziges j ausländisches jüdisches Organ bekannt, welches sich mit! unseren vergleichen könnte. Bon den meisten jüdischen! Zeitschriften zeichnen sich unsere auch darin günstig aus, daß sie ihre Mitarbeiter und Correspondenten sehr gut honoriren. Demzufolge haben sie es vermocht, so manche gediegene Kraft für die jüdische Publicistik zu gewinnen, die ihr sonst! möglicherweise ferngeblieben wäre. Wie sehr überhaupt! diese unsere wöchentlichen Organe es verstanden, die Bedürfnisse unseres Publikums zu befriedigen, beweist die Abonnentenzahl, zu welcher sie es in verhältnißmäßig kurzer Zeit gebracht haben. Beide Organe zusammen mögen ca. 6000 Abonnenten haben. Diese Ziffer muß um so mehr gewürdigt werden, wenn man bedenkt, daß einerseits das Abonnement von 7 Rbl. jährlich zu dieser, in pccuniärer Beziehung so hartbedrängten Zeit ein sehr bedeutendes, andererseits, daß der Procentsatz der rusfischlesenden Juden bei uns noch ein ziemlich geringer ist. Für diesmal begnüge ich mich mit diesen allgemeinen Notizen, und behalte mir es für die Zukunft vor, unsere Wochenschriften eingehender zu besprechen. Hier will ick nur noch einige Worte über unsere Monatsschriften sagen. t_ Ueber die Ewreiskija Sapißky will ich nach dem schönen Spruch de mortuis aut bene aut nihil Nichts sprechen, da ich sie als ein todgeborenes Kind betrachten muß, wenigstens nach dem ersten Hefte, welches bereits erschienen, zu urtheilen. Um so lieber werde ich bei seinem hoffnungsvollen, viel versprechenden Altersgenossen, beim Wschod verweilen. Es ist eine Freude, dies neugeborene, kerngesunde, üppigfrische Kind anzuschauen. Circa 20 Druckbogen stark zeichnet sich der „Wschod" noch mehr durch seinen Inhalt als durch seinen Umfang aus. Alle Artikel, die dieses erste Heft enthält, von den besten inländischen Autoren, wie vr. Harkawi, L. Gordon, Margulis, Korsch, Lewando, sowie tüchtigen Ausländern, wie vr. Kayserling und Dr. Wolf herrührend, sind ebenso belehrend als interessant, gründlich, anziehend und packend. Artikel von strengwissenschastlicher Bedeutung, außer den werthvollen Mittheilungen „Rußland und Russisches in der mittelalterlichen hebräischen Literatur" von Herrn vr. Harkawi, finden wir zwar nicht, dafür aber begegnen uns in ihm publicistische, belletristische und kritische Aussätze von bedeutendem Werth. Herr Landau gehört bei uns zu den ältesten jüdischen i Publicisten; er kennt sein Publicum und weiß, was chm zu bieten. Das hat er glänzend bewiesen in seiner „hebräischen Bibliothek", von welcher 8 Bände — jährlich ein Band — erschienen sind, davon legt auch die 1. Nr. „Wschod" Zeugniß ab. Sehen wir nun, wie es weiter gehen wird. Wir, für unsere Person, wenigstens, sind geneigt, das Beste zu erwarten. Wenn unsere Erwartungen eintreffen, dann kommen wir noch auf ihn, den Wschod, zurück. Jetzt aber müssen wir schließen, da dieser unser Brief für uns unbemerkt aus dem Rahmen trat, den wir chm ursprünglich vorgezeichnet hatten. Aus diesem Grunde sehen wir uns genöthigt, die andern beiden Punkte unseres erwähnten Programms zum Gegenstand unseres nächsten Briefes zu machen, welcher hoffentlich bald folgen wird. F. G. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 3. Februar. Wir haben zuvörderst wieder von Fortsetzungen begonnener Schriftwerke zu berichten. In Nr. 39 v. I. (S. 611) referirten wir über die verdienstvolle I französische Uebersetzung des Jerusalemischen Talmuds, welche Herr Morse Schwab, Bibliothekar an der Nationalbiblio-! thek zu Paris, veröffentlicht, und von der bereits drei Bände i erschienen sind. Wir fteuen uns, die Fortsetzung dieses; Werkes anzeigen zu können. Der vierte Band, die Tractate i Sabbath und Erubim enthaltend, ist soeben erschienen: Vs Talmud de Jerusalem, traduit pour la premiere fois par : MoYse Schwab. Tome quatiieme. (Paris, Maisonneuve et Comp. 1881.) Daß das Werk in Frankreich eine recht ausgedehnte Verbreitung findet, und aus diese Weise der Zweck