Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1881)
- Date
- 1881-03-08
- Page
- Seite 158 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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15b Belgier!. j Brussel, 26. December. (Privatmitth.» ES mag hier! ein kleiner Vorfall in unserem Abgeordnetenhause nicht ganz j mit Stillschweigen übergangen werden. In einer der letzten - Sitzungen des Hauses stand der Handelsvertrag mit Ruj mänien auf der Tagesordnung. Derselbe wurde mit 77 i Stimmen gegen 3 genehmigt. Die letzteren machten gellend,j dast Rumänien die Bestimmungen des Berliner Vertrags; nicht erfüllt und die bürgerliche Gleichstellung für alle Consesstonen nicht hergestellt habe. Mag auch diese kleine Akin-, derheit, mag überhaupt die Stimme Belgiens nicht von Bei deutnng sein, so manifestirt sich doch hierdurch, daß das von! Rumänien getäuschte Europa sich dessen wohl bewußt ist und unter Umständen sich daran erinnern kann. Brussel, 12. Januar. (Privatmitth.) So aussichtslos es auch ist, die antisemitische Agitation nach einem Lande wie Belgien verpflanzen zu wollen, so versucht es doch die ultramontane Presse, den deutschen Judenhetzern insofern zu Hülfe zu kommen, daß sie die Sympathien, die sich zu Gunsten der deutschen Juden äußern, abzuschwächen sich bemüht. So besonders der „Courier de Bruxelles“, der jedoch nichts Anderes zu sagen weiß, als das alte ultramontane Lied von der Berurtheilung der Juden durch Gott und daß man diesem in den Arm zu fallen nicht wagen dürfe! Die „Indexendance beige" vom 11. d. tritt dem entgegen und spricht noch einmal in einem ausführlichen Leitartikel ihre Berurtheilung der Vorgänge in Deutschland aus, wobei sie besonders das wissenschaftliche Mäntelchen bespöttelt, das man in Deutschland dem Judenhasse aus ethnologischen Urweltsgräbereien umzuhängen sucht. Gegen den Schluß des Artikels apostrophirt sie aber diejenigen Juden, welche eine höhere gesellschaftliche Position erreicht haben und mit den aristokratischen Kreisen in Verkehr gekommen und sich nun den Manieren und politischen Richtungen jener anschließen. Sie ermahnt dieselben, den Principien nicht untreu zu werden, durch welche allein sie zu ihrer jetzigen Stellung gelangt sind, und nicht zu vergessen, daß, wenn die Ansichten jener Kreise zur Herrschaft gelangten, die Juden alsbald einer schlimmen Behandlung ausgesetzt wären. Wir können diesem Gesichtspunkte im Allgemeinen nur beistimmen, uns jedoch nicht der Betrachtung entziehen, daß man hüben wie drüben noch weit davon entfernt ist, den rechten Begriff von der wahren Freiheit zu besitzen. Diese kann von allen Individuen nichts weiter als Aufrichtigkeit der Ueberzeugung und Fernhalten von allen eigennützigen Absichten aus dem politischen Gebiete beanspruchen. Sonst aber besteht sie gerade darin, daß ein Jeder der Ueberzeugung folge, die sich in ihm gebildet hat, und daß hieraus Niemandem ein Borwurf gemacht werden könne. Schweden. Rorrköping, 6». Jan. sPrivatmitth.) Die Agitation gegen die Juden, wie sie in Deutschland noch immer fort' dauert, bat auch hier große Sensation erregt, und dient zu einer scharfen Berurtheilung des deutschen Geistes. Das Stockholmer Tageblatt vom 28. December spricht sich auch in einem Artikel vortheilhaft über die hier geborenen Israeliten aus und sagt, daß sie sich im hohen Grade der ihnen ertheilten gleichen bürgerlichen Rechte verdient gemacht haben, und bemerkt dann, daß es unrecht und unberechtigt wäre, sie anders als die übrigen Kinder des Landes anzusehen und zu behandeln. Dagegen wird mit Recht die Lebens- und Handlungsweise der eingewanderten Polen getadelt, doch will der Verfasser durchaus keinen Racenhaß Hervorrufen und dies gereicht ihm zur Ehre. Zwar ging es auch hier mit der Emancipation langsam, aber einmal zum Gesetz erhoben, wird Niemand aus Ehrfurcht vor dem gegebenen Worte daran rütteln wollen. Einen Beweis hiervon giebt uns auch die letzte Wahl zu Stadtbevollmächtigten hier in Norrtöping, wobei zwei sehr angesehene Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde aufs Neue mit großer Mehrheit gewählt wurden, und einer von ihnen, der Ritter des Wasaordens und Tuchsabrikant Herr Hermann Wahren. ist seit längerer Zeit Vorsitzender und Wortführer der hiesigen Fabrikssocietät. So hoffen wir, daß der Friede und die gegenseitige Achtung immer fortdauern und weder durch äußere, noch innere Zwistigkeiten gestört werden wird. Sch.l. Marokko. Paris, im Januar. In Marokko ist abermals eine schmähliche Grausamkeit verübt worden, jedoch diesmal nicht von den Marokkanern, sondern vom — französischen Consul Hecquart! Die englischen Blätter brachten zuerst Mittheilung über das schamlose Vergehen des französischen Agenten, welches unglaublich erschien, bis auch die algier'schen Blätter die Thatsache bestätigten. Eine jüdische Frau Sarah i Toledano aß bei ihren Freunden am letzten Sabbath im i December. Bon hier wurde sie auf Befehl des französischen! Consuls abgeführt und * ohne Weiteres ins Gefängniß ge-; warfen. Hierauf wurde sie auf einen öffentlichen Platz ge-! führt und vor den Augen des Volkes durch vier Männer j und einen Soldaten der französischen Legatton ausgepeitscht. >Der letztere hatte die Schläge zu zählen. Nach dem Gefänzniß zurückgebracht, wurde sie zwei Tage darin zurückge-; halten, am dritten entlassen, mit der Erklärung des Consuls! — es sei ein Jrrthum vorgegangen! Es versteht sich von i selbst, daß dieser Jrrthum dem Herrn Hecquart viel kosten! werde; denn der Ruf nach strenger Bestrafung ist allgemein. Wenn das den Consuln der auswürttgen Mächte zustehende