Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1881)
- Date
- 1881-03-08
- Page
- Seite 157 (sequence 9)
- Language
- German
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157 -r Jünglinge, welche sich statt mit den Studien mit der Inden Hetze beschäftigen. Wie die Alten brnnunen. so summen die Jungen. Nicht allein nnreise Jünglinge, auch im Kampfe nm die Freiheit ergraute Männer machen ihren: Jndenhasse und zwar im Abgeordnetenhause selbst Luft; Jst6czy steht nicht mehr allein. So wies ein Abgeordneter von der äußersten Linken in der heutigen Sitzung daraus hin, daß ein „ fremdes Element, das die ungarische Biederkeit und Ehrlichkeit ausbeutet, Arpad's Stamm immer mehr verdränge "; 900 Quadratmeilen dieses ungarischen Bodens hat dieses, fremde Element schon an sich gebracht', rief dieser wackere Patriot aus. Man sprach von Leuten, „die nicht zu unserem Volke gehören" und das Haus zollte Beifall. Tie Juden, ob sie nun deutsche oder magyarische Namen führen, werden noch immer als Fremde betrachtet. Es giebt auch im Gebiete der Stephans-Krone noch Gegenden, wo den Juden die Niederlassung erschwert oder! geradezu unmöglich gemacht wird. So melden Lori/., viel. Lapok: In der Gemeinde P.-Zavada des Trencsiner Comitats hatte bisher kein Jude gewohnt. Bor einigen Tagen verlangte nun ein Jude vom Orlsrichter eine Niederlassungs- Licenz; dieselbe wurde ihm zwar verweigert, allein er ließ sich im genannten Orte trotzdem nieder. Unbefugt, dem neuen Einwohner aus dem Orte zu weisen, ließ der Richter durch sämmtliche Ortseinmohner eine Erklärung unterschreiben, wonach Jeder, der vom genannten Juden etwas kauft, sich! zur Leistung einer Geldstrafe im Betrage von 10 bis 15 fl. i verpflichtet. Angesichts dieses Umstandes hielt es der Jude! für angezeigter, seine sieben Sachen zusammenzupacken und! sich ein befferes Heim zu suchen. — In der Frage der obligatorischen oder nicht obligatorischen Circumcision haben, wir eine wichtige prinzipielle Entscheidung von großer Tragweite zu verzeichnen. Aus Grund einer früheren! Ministerial Verordnung hatte nämlich ein Budapester israelitischer Bürger, der seinen Sohn der Eircumcision nicht unterziehen wollte, den Geburtsfall der Stadtbehörde angezeigt. Dieselbe übermachte wohl die Abschrift des Anmeldungsprotokolls an die israelitische Cultusgeineinde behufs Eintragung in die Matrikel (wie dies auch bei den als confessionslos angemeldeten Kindern aus Kontrolsrücksichten der Fall ist), schrieb den Knaben aber auch in die im Bürgermeister-Amte geführte Matrikel für ConfessionSlose ein. In Folge Rekurses des Vaters nun hat der Cultus- und Unter richtsminister diesen Bescheid des Bürgermeisters kassirt, die Streichung des betreffenden Knaben aus der Matrikel für Confesfionslose und die Richtigstellung der israelitischen Matrikel angeordnet und in dem Reskripte ausdrücklich erklärt, daß zur Circumcision als einem religiösen Akte Niemand gezwungen werden könne und die Kinder jüdischer Eltern ganz unabhängig hiervon im Sinne der vaterländischen Gesetze der Religion der Eltern folgen. Wo es sich um Fragen, die das Judenthnm betreffe::, handelt, isi unser EultuSnnnister äußern liberal. Frankreich. Paris, im Januar. Der Großradbiner von Frankreich hat an die Großrabbinen der Departements ein Circular erlassen, in welchem er sie auffordert, mit Hülfe der Lokalrabbiner über alle, die Verhältnisse und Zustände der jüdischen Gemeinden in Frankreich betreffenden Gegenstände an ihn zu berichten, damit ein genaues Bild des französischen Judenthums zusammengestellt werden könne. Er legt ihnen zu diesem Zwecke über 40 Fragen vor. Es wird dies jedenfalls eine verdienstliche Arbeit. — Jüngst sollten Wahlen für die israelitischen Consistorien stattfinden. Es wurden 743 Stimmen abgegeben, nämlich 585 in Paris und 158 in der Provinz. Ta aber so nicht ein Drittel der eingeschriebenen Wähler seine Stimme abgegeben, muß nach der Vorschrift des i Gesetzes eine zweite Abstimmung stattsinden; jedenfalls kein ■ Beweis für eine lebhafte Theilnahme an diesen Wahlen. -! Die freiwillige Gemeindekasse vertheilt einen Bericht, wonach; von 1874, wo die Kasse gegründet wurde, die Zahl der > Jahresbeiträge von 447 auf 1110 frcs. gestiegen ist; allein die Höhe dieser Jahresbeiträge stieg nur von 55,756 ftcs. auf 58,653. Das Capital der Fonds erreichte 1879 die Summe 460,000 ftcs. Dagegen erfährt man nichts über die fpecielle Verwendung dieser Mittel, was zur Förderung der Caffe nicht sehr dienlich ist. Holland. Amsterdam, im Januar. (A. A. Z.) Die plötzlich hereingebrochene Kälte hat die grauenerregende Lage der Opfer der jüngsten Ueberschwemmungen nicht wenig verschlimmert. Allerwärts finden Sammlungen für die Unglücklichen statt. Die Mannschaften der Armee und der Flotte haben freiwillig auf einen Tag Sold zu Gunsten derselben ver zichtet. Unter den in Paris sich aufhaltenden Niederländern hat sich ebenfalls ein Ausschuß zur Sammlung von Gaben gebildet, welcher bereits 10,000 Francs, welche größtenteils unter den dortigen, sämmtlich jüdischen Diamantarbeitern gesammelt wurden, übermittelte. Angesichts ber „Antisemiten-! bewegung" schien mir diese Thatsache besonders erwähnenswerth, und ich füge als Gegenstück hinzu, daß vor einigen i Tagen auf dem israelitischen Gottesacker in Arnheim ein Denkmal zu Ehren weiland des Herrn I. Waterman feierlich eingeweiht wurde, wozu eine von Christen gebildete Commission Beiträge, speciell bei ihren Glaubensgenossen, gesammelt hatte. Der Verstorbene war Vorstand der jüdffchen j Cultusgemeinde und Schullehrer, und zugleich ein gelehrter Philologe und ein Mensck» im edelsten Sinne des Wortes. io - -. «i iv •$*»“