Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1881)
- Date
- 1881-03-08
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
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152 tjeit und Aberwitz, dem die Leiter der Antisemitenbewegung i Innerste (durch das Semitenthum) empört sein müsse, wenn und das ganze Gelichter, welches hinter ihnen Herzieht, zutaumeln; sie werfen ein grelles Licht aus die dringende Gefahr, die ein weiteres Dulden dieses ganzen widerwärtigen Schwindels, der in Berlin und anderswo seine Orgien feiert mit sich führen muß. Daß unsere Provinz die ersten Früchte der verhängnißvollen Saat zeitigen muß, die das Kleeblatt Stöcker-Förster-Henrici ausgesäet, ist uns schmerzlich. Aber wir hoffen, daß jetzt endlich an zuständiger Stelle die Augen aufgehen werden darüber, daß vom Wort zur That der Schritt nicht gar so weit ist und wir verlangen gegenüber dem rauchenden Brande dieser Synagoge energisch aufs neue, daß Brandrednern das Handwerk gründlich gelegt wird. Oder soll erst gewartet werden, bis der Reiseprediger, der das christlichgermanische Volksthum zu solchen Heldenthaten begeistert, auch es zu einer solchen fast wahnsinnigen Rache schreitet." Der Mörder wird also noch gewissermaßen entschuldigt, und zum Schluß des Berichts steht wörtlich zu lesen: „Nun Juden Partei! Vivat ssgusus!" Der Bandsburger Fall ist laut Cösliner Zeitung folgender: Am 12. d., morgens 5 Uhr, drang ein Kerl in das Neumann'sche Haus, brachte der Frau schwere, dem Manne tödtliche Verletzungen bei und zerschmetterte der Magd den Schädel. Er ist entkommen, soll aber ein Müller sein, der wegen Beiseiteschaffung einer Urkunde von Neumann denuncirt und zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt worden war." Die „Deutsche Landesztg." meldet triumphirend: „Als erfreuliches Resultat der Agitationsreise des Herrn vr. Henrici in Pommern ist mitzutheilen, daß die Bauern jeden in anderen Provinzen ähnliche Erfolge aufzuweisen hat. Erj Juden ohne Ansehung der Person innerhalb ihrer Gehöfte folge, für die er moralisch auf alle Fälle mit verantwortlich i nicht dulden und allen Verkehr mit ihnen zu meiden be ist? Es geht ein Schrei der Empörung durch unsere Stadt, j ginnen." unsere Provinz, wir möchten dem Herrn Dr. Henrici wahrlich i Wir unsererseits fragen: ist dies noch nicht eine Aufnicht rathen, sich in unserer Provinz noch einmal sehen zu | reizung zu Verbrechen, wie sie offener und lauter nicht gelassen, er könnte leicht eine gut pommersche Antwort auf seine; schehen kann? Hat diese Sprache nicht volle Aehnlichkeit mit nächste Rede bekommen! An das königliche Oberpräfidium j der der Pariser Communards? Und andererseits haben die resp. an die königliche Regierung zu Köslin aber müssen wir das j jüdischen Gemeinden keine Veranlassung, keine Berechtigung, dringende Ansuchen stellen, einen Commiffar nach Neu-Stettin j keine Verpflichtung, zusammenzutreten und eine Deputation zu senden und die Vorgänge der letzten Tage einer strengen an den Kaiser und den Kronprinzen zu senden, um Schutz und Untersuchung zu unterwerfen, namentlich ob die Polizeiver-i Hülfe zu erbitten? Unter dem 22 Februar erließ in Neu- Wallung von Neu-Stettin ihrer Pflicht, Friedensstörungen in! ste ttin der Staatsanwalt Pin off folgende Bekanntmachung: der Bevölkerung vorzubeugen, nachgekommen ist, resp. ob die-! „Die seitens der königlichen Staatsanwaltschaft veranlaßselbe in der Lage ist, die jüdischen Bewohner Neu-Stettins j ten Erhebungen haben bisher nur theilweise Licht in die Entgegen die Insulten der standalsüchtigen Menge zu beschützen. Ueber die Vorgänge in und nach der antisemitischen Sonntags- Versammlung daselbst werden uns die unglaublichsten Dinge mitgetheilt. Verschiedene Zuschriften aus Neu-Stettin konstatiren gleichmäßig, daß die Zustände daselbst für die jüdischen Einwohner nahezu unerträglich sind und daß, wenn stehung des Tempelbrandes zu bringen vermocht. Bei der allseitig anerkannten Wichtigkeit, die Wahrheit zu ermitteln, und bei den manigfaltigen Schwierigkeiten, denen erfahrungsmäßig Untersuchungen von Bränden begegnen, ist die Behörde auf die thätige Unterstützung aller wohlgesinnten Bürger angewiesen. In dem Streben, dem Staate zu dienen, muffen dies so fortgehe, man sich auf die schlimmsten Exceffe gefaßt i alle Bekenntnisse, alle politischen Parteien sich zusammenfinmachen müsse. Solchen Klagen gegenüber darf die Regie-i den, muß jeder religiöse und politische Haß verstummen. Zu rung nicht länger unthätig zusehen." i der vielfach verbreiteten Annahme, daß der Brand von einer Aber auch Angesichts dieser Flammen hören Diejenigen,; welche aus den antisemitischen Wühlereien sich ein Geschäft j machen, nicht auf, zu Hetzen, stimmen vielmehr laut einen Jubelgesang an. Wir citiren Folgendes nach der „Köln. Zeitung" aus Neustettin: „Die (antisemitische) „Norddeutsche Presse" fährt übrigens fort, in ihren an die Bauern gerichteten Vermahnungen, die Juden durchzuprügeln, ihnen alles der hier streitenden Parteien vorsätzlich veranlaßt sei, liegt bisher und hoffentlich überhaupt keinerlei thaffächlicher Anhalt vor. Die amtlichen Erhebungen sollen gleichwohl hiesigen Orts auf das energischste fortgesetzt werden. Es ergeht daher nochmals an alle Bürger die dringende Aufforderung, die Behörde _iit der Ermittelung des wahren Sachverhalts zu unterstützen, insbesondere an alle Haushaltungsvorstände Geld abzunehmen u. s. w.; ja, heute knüpft sie an die drei-!die Bitte, ihre Angehörigen und Bediensteten über ihre Wisfache Mordthat, welche am 12. d. in dem Dorfe Bandsburg senschaft zur Sache eingehend zu befragen und alles Erbei Zastrow ein Unhold an dem jüdischen Kaufmann Neu-- mittelte Unterzeichnetem unverzüglich zur Anzeige zu bringen." mann, dessen Frau und Magd verübt hat, die Bemerkung,! Die vorherrschende Meinung in der ganzen Gegend ist „dicse That liefere den Beweis, wie tief im Menschen das! noch heute die, welche von Anfang an sich aussprach, und daß