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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-01 · Heft 9 (1.3.1881) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 9 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 138 (sequence 6)
Language
German
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138 (Annweiler, Meißener.) Der Redner stützt sich auf das Wort Jesu: „Alles was Ihr wollt, daß Euch die Leute thun, das thut ihnen", bekanntlich eine Wiederholung des Ausspruches seines Vorgängers Hillel, der dasselbe nur in negativer Form sagte. Und diese würde hier noch passender gewesen sein, denn der Redner geht davon aus, daß er seine Zuhörer an die Deutschenhetze in Ungarn und Rußland erinnert, an die Gefühle, welche diese in den Herzen aller Deusschen hervorgerufen, und beklagt es nun um so mehr, daß in Deusschland gegen deutsche Mitbürger eine „Judenhetze" veranstaltet wird, die man mit dem wohlklingenderen Namen belegt „Judenfrage". Es gäbe aber eine solche gar nicht. Er verlange nur Gerechtigkeit. Und aus diesem Gesichtspunkte betrachtet der würdige Pastor und widerlegt alle gegen die Juden geschleuderten Anschuldigungen. Er spricht in einfachster, aber zutreffendster Weise, und wir wünschten diese Predigt allgemein verbreitet, weil sie eine schlagende Antwort aus die Phrasen der Antisemiten giebt. — Schalten wir hier gleich zwei anderweitige Predigten ein, die uns vorliegen. Vom Aufgang bis zum Niedergang. Predigt, gehalten am Versöhnungstage des Jahres 564 l in der Synagoge zu Erfurt von Dr. Jecheskel Caro, Rabbiner. (Erfurt 1860. Cramer.) In körniger und zugleich erhebender Rede werden die vier Gebetzeiten des Versöhnungstages mit den vier Lebensaltern verglichen. — Des Gotteshauses dreifach heilige Be. stimmung. Fest- und Weihepredigt zur Einweihung der neuweht und das beredte Wort aus dem weichen Gemüthe des Verfassers fließen läßt. Gehen wir auf den Inhalt des Vortrages näher ein, so ergiebt sich uns allerdings mehrfaches Bedenkliche. Was der Redner als den eigentlichen Gegenstand angiebt, „die Bedeutung des Essäerbundes", ließ eine auch nur annähernd vollständige und charakterifirende Darstellung des Essäerbundes voraussetzen. Diese fehlt jedoch. Viel ausführlicher ist das, was er über die Pharisäer sagt, und wir nehmen ihm dies nicht übel, da er hierdurch seine Zuhörer von manchen Vorurtheilen über die Pharisäer befreite. Aber so spärlich auch unsere Nachrichten über die Essäer sind, so giebt er diese nicht einmal ganz, und es fehlt z. Bdie Eigenthümlichkeit derselben, sich nicht zu verheirathen; er sagt nichts von dem eigentlichen Boden der ganzen Erscheinung, der höchsten levitischen Reinigkeit und dem Nasiräerthum. Die Bedeutung, die der Verfasser dem Essäerbunde „in der fortschreitenden Culturentwickelung" zuschreibt, besieht eben nur, daß er aus ihm das Christenthum entstehen läßt. Diese Ansicht herrscht jetzt bei einigen jüdischen und christlichen Gelehrten vor, hat jedoch nur den Werth einer Hypothese. Jede Darstellung des Essäerthums, wenn sie dahin führen soll, bedarf einer Menge von „wohl", „vielleicht", „möglich" und „wahrscheinlich", und kann uns eben darum nur für eine Meinung, nicht aber für eine geschichtliche Wahrheit gelten. Der Verfasser betont das Gemeinsame des Judenthums und Christenthums und kommt da nothwendig auf die Frage: erbauten Synagoge zu Schievelbein nebst der Rede bei der! warum die Juden keine Christen werden? Er beantwortet Grundsteinlegung zu derselben und der Abschiedsrede in der diese Frage, aber wir gestehen offen, sehr mangelhaft, und alten Synagoge von H. Rackwitz. Prediger der Synagogen-! dies erscheint uns bei einer so tief einschneidenden Frage als gemeinde. Wir können nur unsere aufrichtige Befriedigung j ein Fehler. Er sagt von vornherein, daß er das „Dogmaan diesen drei Reden aussprechen, welche in edler Sprache tische" völlig aus seiner Betrachtung lassen wolle. Aber das eine wahrhaft religiöse Gesinnung bekunden. Der Redner „Dogmatische" ist ja die Hauptsache in dieser Frage, und setzt in der eigentlichen Weihepredigt die Bestimmung des > dies rächt sich auch am Verfasser, denn was er über die Gotteshauses als Haus der Bereinigung, des Gebetes und der Belehrung auseinander. — Schließen wir heute mit einem Mission des Judenthums und über die Pflicht der Juden, dieser ihnen von der Vorsehung zuertheilten Mission treu zu trefflichen Vortrage des Landrabbiner vr. L. Adler: Die , bleiben, sagt, entbehrt darum der Begründung, da er, ohne Bedeutung des Essäerbundes in der fortschreitenden Culturj das „Dogmatische" zu berühren, diese Mission nicht definircn entwickelung der Menschheit. Bortrag in dem Beamten-Verein | kann. Eigenthümlich ist nur die Hinweisung, daß die Juden zu Cassel. (Cassel, Gotthelft 1880.) Was die Vorträge und sich nicht anmaßen könnten und wollten, zu entscheiden, welche überhaupt die Schriften des vr. L. Adler auszeichnet, was j der christlichen Kirchen und Sekten das wahre Christenthum sie uns stets zu aufrichtiger Freude und Beftiedigung ge-! enthalte, was sie doch bei ihrem Uebertritte thun müßten, reichen läßt, das ist der Geist echter Religiosität und Sitt-! Wir vermögen daher nicht, diese Schrift ganz befriedigt aus lichkeit, wahrer Humanität und Friedensliebe, der sie durch-; den Händen zu legen. (Fortsetzung folgt.) cjyi/ua,c fj zic fjtevu Deutschland. haben. Antisemiten, nach dem jetzt gebräuchlichen Ausdruck, ' sind Stöckers Christlich-Sociale, di: Staatssocialisten Körner Berlin, 17. Februar (Privatmitth.) Wir können jetzt und Finn mit einem kleinen Anhang und der studentische sagen, daß in Berlin die Gruppen sich erkennbar geschieden „Deutsche Verein" unter Führung Henrici's; hinter ihnen

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