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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-01 · Heft 9 (1.3.1881) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 9 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 so würde dies einfach darin seine Ursache haben, daß die Ultramontanen und Reactionäre aus ihrem Kampfe gegen die Juden eine vorzugsweise politische Frage und ihn zu einem Kampfe um die theuersten staatsbürgerlichen Rechte gemacht haben. Gerade wie sie in Berlin die Fortschrittspartei genöthigt haben, für die Juden einzutreten, weil die Wühlereien gegen diese den Zweck verfolgten, der Fortschrittspartei in Berlin den Boden abzugewinnen: so erkennt das Volk recht wohl, daß die Aushebung des Grundsatzes der Gleichberechtigung nicht bei den Juden stehen bleiben, sondern auch alle gesetzlich verbürgten Bolksfreiheiten vernichten werde. Trotz aller verlockenden Phrasen erkennt das Volk in den Judenfeinden gerade dieselben Männer, welche alle liberalen Institutionen Umstürzen wollen, und in dieser Erkenntniß spricht es sich gegen sie aus. Fürwahr, wenn man an Vorgänge bei den letzten Wahlen zum Reichstage und zum preußischen Abgeordnetenhause sich erinnert, wo Ulttamontane und Socialdemokraten sich bei mehreren Wahlen einigten, so hätte man mit recht einleuchtenden Gründen ein Bündniß der Ultramontanen und Socialdemokraten denunziren können. Man that es nicht, weil man zu viel Gewiffenhaftigkeit besitzt, um aus zufälligen, augenblicklichen und örtlichen Umständen, welche ein Zusammengehen erwirkten, kein „Einverständniß. Bündniß, Verschwörung" zu folgern. Eine solche Gewiffenhastigkeit ist aber nicht Sache der „Germania". Der Syuagogeudrauiu Ueustettin wird wie eine lodernde Fackel über die Länder hinleuchten. Er ist, wie die bisherigen Berichte übereinstimmend aussagen, von ruchloser Hand angelegt, angelegt nach den Brandreden Henri ci's in Neustettin und Umgegend und nach Bertheilung seiner Brandschriften, die er selbst als „Tynamitpatronen für Israel" bezeichnete. Die israelitische Gemeinde in Neustettin hat auf die Ermittelung des oder der Thäter eine Belohnung von 1000 M. und einige christliche Bürger in Ratzebur eine solche von 2000 M. ausgesetzt. Nun, ob die Thäter entdeckt werden oder nicht: die intellektuellen Thäter sind bekannt, es kann Jeder mit Fingern auf sie weisen. Ueber die Grenzen des Vaterlandes wird diese Fackel leuchten, und man wird sich fragen: woran liegt es, daß in Deutschland solche Unthaten geschehen? Literarischer Wochenbericht. Bonn, 15. Februar. (Fortsetzung). Wir freuen uns, unseren Lesern gerade an dem heutigen Tage, an welchem Lessing vor hundert Jahren verschied, eine neue Huldigung, die seinem Genius gebracht wird, zur Kenntniß zu bringen, nämlich eine illlustrirte Prachtausgabe vonLessing's Werken, die in ungefähr 50 Lieferungen, unter Revision des Textes durch Heinrich Laube, sowie geschmückt mit 500 Illustrationen, Initialen und Randverzierungen aus der artistischen Anstalt von Waldheim und unter Mitwirkung bedeutender Künstler in der Berlagshandlung Sigmund Bensinger in Wien erscheint. Es gehört nämlich zu der eigenthümlichen Stellung, welche man so lange in Deutschland Lesfing gegenüber einnahm, daß bis jetzt noch keine Ausgabe seiner Werke existirt, die eine des Inhalts würdige Ausstattung besäße und die sich den anderen illustrirten Klassiker- Ausgaben angereiht hättte. Es war daher ein anerkennenswerther glücklicher Gedanke, zu diesem hundertjährigen Todes- I tage eine solche Ausgabe zu veranstalten. Die erste Liefe-! rung liegt vor uns und bringt mit einem Portrait und einem j Autograph Lefsing's die „Sinngedichte" mit einer großen j Anzahl schöner Illustrationen, in welchen höchst angemeffen,! dem Inhalte dieser Sinngedichte und ihrer Form gemäß, j der Charakter und die Tracht des vorigen Jahrhunderts bei-! behalten sind. Wir wünschen dem Unternehmen die möglichste Verbreitung. Der Preis jeder Lieferung ist nur 50! Pfennige, alle drei Wochen soll eine Lieferung erscheinen. — Fahren wir nun in unserem Referate über die jüngst; erschienenen Broschüren fort, so haben wir an erster Stelle zu nennen: Unser Standpunkt. Zwei Reden an seine Religionsgenosien am 1. und 16. Dezember 1880 gehalten von Prof, vr. M. Lazarus. (Berlin, Stuhr, 1881.) Die beiden Reden hatten eine faktische Veranlagung. Die erste hielt Prof. Lazarus am 1. Dezember, als er etwa 200 Personen eingeladen, damit ein Mittelpunkt zur Abwehr gegen die damals am höchsten gestiegene Agitation gebildet werde; die zweite am 16. Dezember, um ein ComilS zu wählen (desien Mitglieder wie hier S. 16 kennen lernen,) und eine Resolution zu fassen. Allerdings waren beiden Versammlungen die „Erklärung" der 75 Männer (vom 12. November), die Interpellation von Hänel (vom 13. November) und die : Debatte im Abgeordnetenhause (am 20. und 22. November) j bereits vorangegangen und somit der Weg zur eigentlichen j Bekämpfung der Judenhetze eröffnet worden. Das Rechtsge-- fühl und die humane Gesinnung waren aus ihrer Apathie; geweckt, und sprachen sich entschieden gegen jene unwürdige; und niedrige Agitatton aus. Tie Hauptsache war jedoch,! denn es gilt hier offen zu sein, daß sich gerade in Berlin die ganze Bewegung nur als ein Mittel der reaktionären Partei gegen die Obherrschast des Liberalismus im Volke erkennbar machte, also vorzugsweise ein politisches Manöver war. Da mußte die liberale Partei sich austaffen, um das schon vielfach verlorene Terrain wiederzugewinnen. Hierauf stützt sich auch unsere Hoffnung, den Kampf, wenn auch noch nicht beendet, aber doch siegreich geführt zu sehen. In der ersten Rede constatirt Prof. Lazarus, daß bis dahin in

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