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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-22 · Heft 8 (22.2.1881) · p. Seite 127

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 8 (22.2.1881)
Date
1881-02-22
Page
Seite 127 (sequence 11)
Language
German
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127 rigkeiten, die sich bei Organisation -es Tempelbaues ergaben hat der dortige Rabbiner sogar seine Demission gegeben, welche jedoch in Folge eines Vertrauensvotums und Wunsches der Generalversammlung wieder zurückgezogen wurde. An Stelle der s. Z. bekanntlich in Folge der Straßenregulirung niedergerissenen Synagoge im Seefeld wird dieser Tage ein neu adoptirtes, vortrefflich geeignetes Local in der Brunngasse dem Synagogengebrauche übergeben. Bemerkenswerth ist, daß diese Straße bis 1348 Judengasse hieß, und sich hier im jetzigen sogenannten Burghof bis zu diesem Jahre die ' Synagoge der damals ziemlich zahlreichen Züricher Indengemeinde befand. In St. Gallen geht die Synagoge auch im Innern der Vollendung entgegen. Für den Gebrauch derselben arbeitet Herr vr. Engelbert ein Gebetbuch aus, das demnächst erscheinen wird. Obgleich die Vermehrung der Gebetbücher und damit der Riten eine keineswegs erfreuliche Erscheinung ist, und man bei Verzichtleistung aur allzu individuelle Erfordernisse leicht unter dem existireuden etwas Passendes gefunden hätte, läßt sich von I)r. E. doch nur Gutes und Gediegenes erwarten. — Belgien. Brüssel, 16. Januar. Im Anschluß an meine letzte Eorr. muß ich bemerken, daß der -Coumer <le Bruxelles* in beliebter Weise die „Independnnee beigeüber die von mir angeführten Bemerkungen heftig angelassen und sie „das größte Organ der europäischen Judenheit" nannte. Dies I e u i l Der Lurländifche Landtag und die Juden. Bon 2. Lewlusohn, Lchulvorsteher zu Luckum. (Fortsetzung.) „Wenn die Roth am größten, ist die Hilie am nächsten." Die Wahrheit dieses Sprüchwortes har sich midi an den Juden Kurlands bewährt. Mit dem Jahre 1778 batten die Leiden der Juden ihren Höhepunkt, aber auch zugleich ihr Ende erreicht. Nicht allein, daß hinfüro keine Ausweisungsbefehle gegen ste erlaffen wurden, sondern mau sing auch an, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß auch Juden Menschen sind, und daher mir Fug und Recht aus „Menschenrechte" Anspruch machen dürfen. Ja, in eben demselben Jahre, in welchem das letzte Verbannungsdecret crlasien wurde, erhielt der Kammerhcrr von der Brüggen, Erbherr auf Stenden, in seiner Eigenschafl als damaliger Landesbevollmächtigter den Auftrag, einen Plan zu Duldung der Juden in den Herzogthümern Kurland und Semgallen zu entwerfen. Dieses geschah. Der nun ausgearbertere Entwurf wurde im Jahre 1780 wohin gehörig eingereicht. Auch den Städten wurde dieser ist nun an sich nichts Besonderes; aber interessant ist es wie die -ludependunceans diese Bezeichnung antwortet. Ich denke nämlich an die Art, aus welche die deutschen liberalen Zeitungen aus die gleiche Benennung seitens der reaktionären Blätter erwidert haben. Sie wiesen nach, daß sic unter ihren Redakteuren keinen einzigen Juden hätten und schwiegen von da ab gänzlich über die, die Juden betreffenden Angelegenheiten. Anders das belgische Blatt. Es sagt: „Wir halten diese Bezeichnung weder für eine Ehre noch für eine Schande. Nur würden wir nicht verdrießlich sein, wenn das fromme Organ des europäischen Jesuitismus uns wissen ließe, warum es gerade uns dieselbe verleiht, während so viele liberale Blätter ganz wie wir verlangen, daß die Juden in Deutschland ebenso wie anderswo sortfahreu sollen, alle ihre bürgerlichen, politischen oder andern Rechte zu genießen. mit demselben Rechtstitel wie die Bürger, die andern Religionen angehöreu. Freilich glaubt das elerikale Blatt, daß, wenn es uns das „Judenblatt" nennt, es uns eine tödtliche Beleidigung zusüge. Hierin irrt es sich aber gewaltig; denn wir erachten sür keine größere Injurie die Bezeichnung jüdisches Blatt, als katholisches Blatt, oder protestantisches oder radieales oder conservatives. Zufällig, denn eS könnte anders fein, ist im Eigenthum, in der Verwaltung und Redaktion der , Ind-Pend-niee* kein einziger Israelit. Aber der - Coumer* mag nur sortfahreu, uns das „Judenblatt" zu nennen; wir werden fortfahrcn, das Recht gegen alle Zeloten aller Farben zu vertheidigen." l e t o n. Plan zur Begutachtung unterbreite: und nur dem Resultate ihrer Berathuug ist es zuzuschreiben, daß an die Ausführung dieses Planes nicht weiter gedacht wurde. Später erschien ein zweiter Plan in Betreff der Toleranz der Juden, der zwar in einigen Punkten mit dem alten übcreinstimmt, in anderen aber wesentlich von diesem abwcicht. Auch aus dem Publicum wurden Stimmen zu Gunsten der Juden erhoben, welche sämmtliche Reformen und Argumentation, kurz resumirt, wie folgt lauteten: „ ... Es ist also eine edle Absicht, auch in diesem Staate (in Kurland > den Juden, die bis jetzt nur als Flüchtlinge haben leben müssen, einen freien, sicheren Aufenthalt zu versiatten. Tie zur Erreichung dieser besten Absicht gc machten Vorschläge verdienen aus dieser ihrer wohlthätigcu Seite wahre Hochschätzuug. Und ein jeder Freund der Menschheit muß die Ausführung derselben theilnehmend wünschen, auch nach dein Maß seiner Kräfte zu fördern suchen. . . ." *si \ß} Man sieh:, wie im vorigen Jahrhundert sich der Geist der Humanität selbst im fernen Osten ausgebreitet hatte, so daß dir jetzige Zeit wieder davon lernen könnte! iNed.)

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