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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-22 · Heft 8 (22.2.1881) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 8 (22.2.1881)
Date
1881-02-22
Page
Seite 122 (sequence 6)
Language
German
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122 Todestag Lesfing's (am 15. Februar) begangen worden. Ob diese Feier an vielen Orten öffentlich vor sich gehe oder nicht: zahllose Herzen in Deutschland werden diesem Tage! eine innere Weihe widmen. Erfreulich ist es, daß bereits! vor diesem Tage die von uns wiederholt besprochene zweite! berichtigte und vermehrte Auslage der Lebensbeschreibung > Lesfing's von Danzel und Guhrauer (Berlin, Theodor! Hofmann) vollendet worden ist und die dreizehnte bis fünf-! zehnte Lieferung vorliegt. Wenn jetzt ernstlich daran gearbeitet wird, in Hamburg und Berlin dem großen Denker und Dichter Statuen zu errichten, so ist diese gründliche und wahrheitsgetreue Biographie ein nicht minder verdienstvolles Denkmal, ein Zeugniß für die Anerkennung und Würdigung, die Lessing im deutschen Volke gesunden. — — Und nun wollen wir einer Ausgabe näher treten, die zu dieser Zeit keine kleine ist, nämlich hier über die zahlreichen Streitschriften zu referiren, welche seit unserer letzten Besprechung derselben gegen die antisemitischen Wühlereien erschienen sind. Biele derselben haben allerdings gleich ihren Schwestern in der Tagespresse nur ein flüchtiges Dasein, bestimmt und befähigt, im Augenblicke ihre Wirkung zu thun. Ties aber gerade legt uns die Pflicht auf, ihrer dankbar zu erwähnen und den zukünftigen Geschichtsforscher auf sie auf-! merksam zu machen. Zeigt es sich doch auch besonders durch j sie, mit welcher Energie jene schmähliche Tendenz bekämpft worden ist. Wir machen jedoch nicht Anspruch, sie vollitäni big aufzuführen, und müffen dabei auf genaue Chronologie! verzichten. Wir heben zuerst hervor: „Rohling's Talmud-! jude. Beleuchtet von Franz Delitzsch. (Leipzig, Törffling und Franke 18*1.) Mit dem Motto: Falsche Wage ist nicht gut." Die kleine Schrift hat eine große Wichtigkeit. Das berüchtigte Pamphlet Rohling» wurde alsbald von mehreren jüdischen Gelehrten widerlegt und als eine Ausgeburt von Falfificationen und Unwiffenheit gebrandmarkt. Aber bekanntlich kümmert sich die christliche Welt so gut wie gar nicht um jüdische Erzeugniffe. Dazu kam, daß cs im Interesse einer gewiffen Partei lag, diese Schrift im Volke zu verbreiten, und tausend Hände rührten sich zu diesem Zweck, so daß jenes schon sechs oder sieben Auslagen erlebte, während die Gegenschriften kaum dem Namen nach bekannt wurden. Die Widerlegung mußte von einem christlichen sachkundigen Gelehrten ausgehen, einem Manne, in welchem sich Fachkenntniß und Wahrheitsliebe vereinigten. Wir kennen keinen anderen Solchen als Prof. Franz Delitzsch, den bewährten Kenner der jüdischen Literatur. Spät kam er, doch er kam. Daß wir in dieser Schrift die Strenggläubigkeit des Verfassers, der natürlich das Judenthum aus seinem Gesichtspunkt betrachtet, mit in den Kauf nehmen müssen, ist uns deshalb um so erträglicher, weil seine Be-! urtheilung Rohling'» um so unparteilicher erscheint. Nach einer energisch abgesaßten Vorrede, in welcher er hervorhebt, daß das Verhalten der christlichen Kirche gegen die Juden diese um so mehr in den scharfen Gegensatz gegen das Ehriftenthum hineindrängen mußte, zeigt der Berfasier dem katholischen Professor an vielen schlagenden Beweisen nach: 1) Falsche Uebersetzungen, 2) entstellte Texte, 3) Entstellungen durch Verschweigen, 4) falsche Deutungen, 5) falsche Conse auenzen, tu unbillige Verwerthungen, 7) Monstrositäten aus entlegenen Winkeln. Der Verfasser behält sich vor, „unter Umständen" eine zweite Reihe folgen zu laffen und führt in einem Nachwort Stellen berühmter mittelalterlicher jüdischer Lehrer über die Sittengesetze auf, welche wahrhafte Religiosität und Humanität athmen. Daß Rohling den Talmud gar nicht kennt und nur Eisenmenger ausschreibt, aber auch dies mit absichtlichen Entstellungen, weist Delitzsch in gründlicher, aber auch oft ergötzlicher Weise nach. Wie wir hören, wird Rohling eine Gegenschrift veröffentlichen; was er da zu Tage bringt, wollen wir abwarten. — In Nr. 4 d. Bl. wurde in einer Corresp. aus Ulm (S. 59) eines Aufsatzes in der freimaurerischen „Bauhütte"! rühmlichst gedacht, wozu wir nur bemerken wollen, daß dort der Verfaffer I)r. Gustav Maier genannt worden, während er nicht Or. ist, sondern dem Fiuanzfache angehört. Der I Brief ist jetzt erweitert als Broschüre erschienen: „Mehr 1 Licht' Ein Wort zur Judenfrage an unsere christlichen Mit! bärger von Gustav Maier. Ulm 1881 , H. Kerler", und; hat dieselbe, wie wir hören, in christlichen Kreisen sehr viel! Anklang gefunden. Wir können sie zu weiterer Verbreitung empfehlen. (Fortsetzung folgt.) ttv i l'i i r4 cj > 11 a c\) r i c Ij lV11. würden die beiden Berliner Hochschulen durch vier Teputirte Deutschland. in Braunschweig vertreten sein. — Dr. Bernhard Förster theilt der „Nordd. Allg. Ztg." Berlin, 9. Februar. Der Ausschuß der Universität in mit, daß wegen der „unerwartet großartigen Erfolge" der Berlin hat beschlossen, sich an der Lessingfeier in Braun- Schlußtermin zur Unterzeichnung der Antisemiten-Petischweig durch einen Dcputirtcn zu betheiligen. Demnach tion bis Mitte März hinansgeschoben sei; die Aussicht, die

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