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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-22 · Heft 8 (22.2.1881) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 8 (22.2.1881)
Date
1881-02-22
Page
Seite 121 (sequence 5)
Language
German
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121 Türken, wenn sie sich eines Widerslandes gegen den Berliner : Congreß schuldig machten! Eine europäische Flottendemonstra-1 tion wäre das Geringste, und Mr. Gladstone zöge in eigener j Person an der Spitze eines Kreuzzuges gegen Konstantinopel. Aber die Rumänen sind eben keine Türken. Der Äutheil -er Juden am Verbrechen. Allmälig macht sich die Ueberzeugung Bahn, daß die Antisemiten in ihren Beschuldigungen gegen die Juden sich ganz besonders des böswilligsten Mißbrauchs der Statistik schuldig gemacht haben. Wenn sie wirklich die Zahlen nicht entstellten, wie dies so oft in ihren-Angaben geschehen, so richteten sie die aus der Statistik gezogenen Zahlen so zu, daß sie das Gegentheil von dem erwiesen, was sie in der That enthalten. Es ist dies bereits hinsichtlich der Einwanderung von Juden vollständig nachgewiesen. Jetzt liegt ein; anderes, noch schwerer wiegendes Beispiel vor. Eine ano-! nyme Broschüre versuchte aus statistischen Angaben zu beweisen, daß die Juden einen großen Prozentsatz von Ver-; brechern mehr lieferten als die Christen. Jeder Unbefangene mußte diese Behauptung nach der allgemeinen Er-! fahrung mit Mißtrauen aufnehmen, und wer die Ausein-; andersetzungen des Pamphlets mit offenen Augen ansah,! mußte bald hinter die angewendeten Schliche kommen. Aber die Judenfeinde bemächtigten sich triumphirend der Schlüffe dieses Libells und Männer wie Stroffer und v. Ludwig scheuten sich nicht, jene auf der Tribüne des Abgeordnetenhauses geltend zu machen. Eine soeben erschienene Broschüre: Die Wahrheit über der Juden Antheil am Verbrechen. Auf Grund amtlicher Statistik von Dr. S. Löwenfeld Berlin, Stuhr, 1881) deckt das ganze Manöver auf. Ter Verfasser führt zuerst aus, daß „schon der Umstand, daß der 'Anonymus für seine Aufstellungen nur die Statistik der Schwurgerichte berücksichtigt, seine ganze Beweisführung unhaltbar macht, da gerade „die Verbrechen, bei denen die Juden besonders stark vertreten sind, vor den Geschworenen abgeurtheilt werden", während doch nur die Gesammtheit der Verbrechen ein Bild der Wirklichkeit geben kann. Hierzu kommt, daß nicht nach den Anklagen, sondern nach den Verurtheilungen sich ein Maßslab gewinnen läßt. Der Anonymus aber hat zu Gunsten seiner Absichten nur die ersteren in Rechnung gezogen, weil gerade bei den angeklagten Juden die Freisprechung oder ein sehr geringes Strafmaß in vielen Fällen stattgefunden, wie ziffermäßig erwiesen wird. Wenn eine verhältnißmäßig große Zahl von Juden sich des betrüglichen Bankeruts schuldig gemacht, so durfte dabei nicht außer Acht gelaffen werden, welch' ein großer Procentsatz der Juden den Handelsgeschäften obliegt, und ein Schluß konnte nur aus dem Berhältniß der Bankerntirer zu den Handeltreibenden, nicht aber aus dem Berhältniß der gesammten jüdischen Bevölkerung zur christlichen gezogen werden. Der Verfaffer hätte hier als ein Gegenbild anführen können: wenn man den Holz- und Wildfrevel zur Berechnung der Verbrechen der christlichen Bevölkerung gegenüber der jüdischen machen wollte, so würde dadurch ein Prozentsatz zu Gunsten der Juden herauskommen, der diese als lauter Tugendhelden bezeichnete, was gewiß Niemand behaupten will. — Allem diesem gegenüber unterzieht der Verfaffer nach dem Justiz- Ministerial-Blatt die Gesammtheit der wegen Verbrechen und Vergehen Angeschuldigten (denn eine confessionelle Statistik der Angeklagten giebt es für Preußen nicht) einer Untersuchung. Hier ergiebt sich: A. bei den Verbrechen: „Es bleiben die jüdischen Angeschuldigten aus den alten Provinzen Preußens bei sämmtlichen Verbrechen in den Jahren 1875—78 durchschnittlich um 8,;,,, Procent unter der Normrlzahl; das günstige Resultat, welches sie bereits im Jahre 1875 erreicht haben, steigt in dem letzten Jahre, für welches eine Statistik vorliegt, um mehr als das Doppelte." B. Vergehen: In denselben Jahren (1875—1878) „blieben die Juden bei den Vergehen durchschnittlich um 5/Tf, Procent hinter der Normalzahl ihrer Angeschuldigten zurück". Hieraus ergiebt sich zur Genüge, welch' einer Fälschung sich der Anonymus hat zu Schulden kommen laffen, und es ist hiermit erwiesen, daß die Juden einen geringeren Procentsatz zu den Angeschuldigten stellen als ihre christlichen Mitbürger. — ' Ter Verfaffer fügt die offfciellen Tabellen von Bayern hinzu, und zwar über die sämmtlichen in den Jahren 1872 bis 187!) verurtheilten Personen mit Ausschluß der wegen Uebertretung des Forstgesetzes Abgeurtheilten, was doch auch ins Gewicht fällt, mit: „Als Resultat ergiebt sich, daß während die christliche Bevölkerung Bayerns die Normalzahl der Verurtheilten in den Jahren 1875 — 7i) durchschnittlich um o pro Mille überschreitet, die „anderen Glaubensgenossen" um 256„; pro Mille hinter der Normalzahl Zurückbleiben". — Endlich zieht der Verfaffer aus Böckh'S statistischem Jahrbuch der Stadt Berlin die bezüglichen Tabellen. Hier ergeben sich die überraschenden Resultate, daß in: Jahre 1875 die Juden zu den Angeschuldigten aus der Stadt Berlin 42 Procent, 1876: 59 Procent, 1877: 60 Procent, 1878: 59 Procent weniger als die Normalzahl stellten, so daß sie also nicht die Hälfte der wegen Verbrechen Angeschuldigten, welche nach ihrer Kopfzahl aus sie fallen müßten, stellten, nemlich statt 100 nur 44,,., statt 1000 nur 446. Diese Zahlen reden deutlich. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 11. Februar. Wenu diese Zeilen unseren gceyrten Lesern vorliegen, so ist bereits der hundertjährige

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