Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-15 · Heft 7 (15.2.1881) · p. Seite 111

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 7 (15.2.1881)
Date
1881-02-15
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227347--38730-3307982
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

111 Juden seien seit dem März unverschämter af-5 je. betrügen da« Volk, seien arge Wucherer u. s. w. Ich unterbrach ihn mit der Frage: Haben Sie Familie? (Line Frau und drei Kinder. Ich bedaure sie, denn ich merke, dieselbe werden Sie qium, sondern wie eine breuneilde Kerze sei, welche nichts von ihrem Lichte verliere, wenn mau eine andere Kerze an ihr anzünde, ferner, das; die Inden gerade so die Söhne unseres Vaterlandes seien, wie wir selbst und so perorirte ick noch etwa anderthalb Stunden. Das Volk schwieg und erst am Schlüsse ließen sich einige schüchterne Kljcn* lange entbehren müssen. Sie bedaure ich nicht, aber wohl vernehmen. Ihre Familie; denn ich werde Sie in Eisen legen und nachi Nun sormulirte ich die Frage, ob sie ihren früheren Be Pest transpvrtiren lassen, als Hvchverräther. Und bei diesen! schlnß annulliren und die Juden zurückrufen wollten. Worten schlug ich das Corpus juris aus, erklärte ihm den 1724er Majestäts- und Hochverraths-Paragraphen: „«pii sh contra statum publicum erigunt*. Der arme Kaufmann erschrak heftig, erbleichte, seine Zähne klapperten, er zitterte am ganzen Leibe, woraus ich andeutete, daß, wenn die morgige Volksversammlung den srühern Beschluß annulliren, sich gut benehmen und die Juden wieder zurückrufen würde, ich möglicherweise den Schleier der Vergessenheit über das Ganze breiten würde. Der Kaufmann entfernte sich gebrochen. Einige Stimmen riesen: Wir wollen es. Diejenigen mögen sprechen, die es nicht wollen! Tiefes Schweigen — worauf ich als Beschluß aussprach, daß die Resolution der vorhergehenden Volksversammlung, welche vom Magistrat die Ausweisung der Juden forderte, einstimmig zurückgenommen worden sei. ich demnach den Beschluß des Magistrats annullire. Und damit dieser Beschluß das Protocoll nicht verunziere, riß ich das betreffende Blatt mit aller Feierlichkeit eigenhändig aus dem Protocoll heraus, ließ über die ganze Procedur durch Lorody ein neues Pro- Am nächsten Morgen zog die Kavallerie ein und pflanzte tocoll anfertigen, welches ich authenticirte, wonach ich die sich auf der einen Seite des Comitatsplatzes auf, auf dessen Versammlung auflöste. Das Volk ging still nach Hause, der andere Seite ich die Nationalgarde beordert hatte. Vor das' Bürgermeister geleitete mich ins Comitatshaus, damit er we- Evmitatshaus ließ ich den langen grünen Tisch stellen, auf! gen Vollstreckung des Beschlußes meine Anordnungen entgedenselben den Lehnstuhl des Vicegespans und vor den Lehnj gennehme. Ich befahl ihm, den Beschluß oificiell dem jüdistuhl das Toilette-Tischchen unserer Hausfrau. Um 10 Uhr scheu Vorsteher mitzutheilen, der im benachbarten Torfe war- Vormittags war bereits die gesammte Einwohnerschaft öerjtcte, sowie die Juden zurückzurufen, widrigenfalls ich ihn Stadt dort versammelt, und ich stieg in ungarischer Gala-1 für alle weiteren Excesfe verantwortlich machen würde, kleidung, mit dem Calpag auf dem Kopfe, mit dem Schwert! Der Bischof gab mir zu Ehren ein großes Tiner und au der Seite, auf den Tisch, wohin mir Lörody folgte, setzte gratulirte mir, daß ich diese heikle Angelegenheit so glücklich mich und befahl ihm laut, meine Vollmacht vorzulesen. So wie! gelöst hatte. Ter Champagner floß in Strömen, die Toaste Lorody zu lesen begann: > überboten sich an Feinheit, als der Husar mir meldete, daß „Wir Bartholomäus Szemere. Gabriel Klauzäl, Franz j mich eine Bürger-Deputation zu sprechen wünsche. Pulßky, durch Se. Hoheit den mit königlicher Vollmacht ausj Ich ließ sie hereinführen. Sie sagten, daß die Bcwohgestatteten Palatin Erzherzog Stefan ernannten Landes Com-: ner sich zwar bei dem Beschlüsse und meinen Anordnungen mißäre —" - beruhigten; aber sie bäten doch, ich solle die Stadt nicht behörte man eine Stimme: „Wir erkennen sie nicht an'."! schämen und die Juden nicht officiell zurückrufen lassen, ich das Volk begann sich zu bewegen, Lorody erschrak und sprang vom Tischsherab, ich aber, indem ich vorschritt, fragte mit donnernder Stimme: „Wer ist der Verwegene, der die oberste gesetzliche Gesollt nicht wünschen, das der Bürgermeister an den Rabbi schreibe; die Juden wüßten ohnehin schon, was in der Stadt geschehen sei, sie mögen ohne Aufsehen bei Nacht in die Stadt zurückkehren, morgen Früh werde Alles wieder in Ordnung walt des Landes nicht anerkennen will? Er trete hervor, er! sein, ich solle nicht verlangen, daß die Stadt in der Schande nenne sich, er zeige, daß er Muth habe, für seine Meinung - stecken bleibe. zu büßen, denn er wird gestraft werden, wie Jeder, der es! Ich war selbstverständlich froh, diese Bitte gewähren zu wagt, sich der Regierung zu widersetzen; diese kann und wird! können; die Juden kehrten bei Nacht in die Stadt zurück und Jeden zermalmen, der sich untersteht, die allgemeine Ordnug! ich ging, nachdem die Autorität der Ordnungs-Commission in und Ruhe zu stören—glaubet ja nicht, daß die Zeit der Feiheit! so friedlicher Weise wieder hergestellt worden war, wieder die Aera der Anarchie sei!" Tiefe Stille folgte auf meine Worte; Niemand wagte zu mucksen. Hierauf sagte ich ihnen, daß die Freiheit kein Privilenach Pest.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.