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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-15 · Heft 7 (15.2.1881) · p. Seite 110

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 7 (15.2.1881)
Date
1881-02-15
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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110 Feuilleton. Die Rückkehr der Weißenburger (Ungarn) Juden 1848. trug ich ihm auf, in Weißenburg zu erzählen, daß ich morgen!dahin kommen würde, statt eines Husaren würde der Scharf- > richter aus dem Bocke fitzen, die Kavallerie wäre schon unter- Der bekannte Franz Pulßky, der einen thätigen Anwegs von Mör, die Artillerie rücke mit einer Batterie nach theil an den Ungarischen Bewegungen im Jahre 1648 hatte, und ich selbst brüte über etwas sehr Bösem, ungefähr so giebt jetzt eine Geschichte der 1848er Revolution heraus, die etwas, wie die Conventmitglieder in Frankreich begangen aber vorzugsweise seine eigenen Erlebnisse in der Art von! haben, mit einem Worte, Weißenburg könne leichtlich das Memoiren schildert. Aus dem eben erschienenen Bande hebeni Schicksal Lyons widerfahren. Kempelen lachte herzlich und wir folgende Episode heraus. Pulßky war in die sg. Ordvollzog meinen Auftrag so getreu, daß die Bürger von Alba nungscommisfion eingetreten. Die Judenverfolgungen waren noch vor meiner Ankunft von höllischer Angst geplagt wurden, damals in den deutschen Städten Ungarns auf der Tages-! Mittags am andern Tage langte ich in Stuhlweißenordnung. Am 2. April kam eine jüdische Deputation aus bürg an. Ich stieg im Comitatshause ab, wo mich die Stuhlweißenburg nach Pest zur Ordnungs-Commission und Comitatsbeamten gebührend empfingen. Die städtischen Beerzählte unter Jammer und Weinen, daß in Alba eine Volksamten harrten rückwärts stehend der Dinge, die da kommen Versammlung eine Resolution im Sinne der Ausweisung der sollten. Ich ließ auch Bürgermeister und Magistrat nicht zu Juden gefaßt habe, welche der dortige Magistrat auch sofort Worte kommen; ich fuhr sie schroff an. sie mögen warten, ausführte, indem er alle Läden jüdischer Kaufleute sperren, bis ich fie rufen ließe. diese selbst aber zum Stadtthor hinausescortiren ließ. Ordnungs-Commission erließ sofort einen Befehl Tie Ich ließ mir das Mittagsmahl in Gesellschaft der Komitats» an den Herren und der liebenswürdigen Hausfrau Baroneffe Horvath Stuhlweißenburger Magistrat, die nöthigen Aufklärungen zu sehr gut schmecken und erfuhr bei Tische, daß der Hauptgeben, und wenn das Beklagenswerthe wirlich geschehen sei, j apostel der Judenverfolgung ein Albenser Kaufmann sei. die Juden augenblicklich wieder in statum integrum zurück.! Nach Tische verhörte ich den Bürgermeister und die Magist-- zusühren. Der Albenser Magistrat antwortete, daß er nur! ratsräthc einzeln und merkte gleich, daß von Allen nur der den Willen des Volkes erfüllt habe und sich gegen daffelbe einzige Obernotär Lörody seinem Amte gewachsen sei. gewiß nicht auflehncn werde, um der Pester Ordnungs-Com-, Lörody war ein gebildeter, patriotisch fühlender Mann, der Mission zu gehorchen. später zu den Honveds eintrat, sich auszeichnete, flüchtig Es war dies der erste Fall — erzählt Pulßky C*. rn welchem unsere Autorität angegriffen war. In Pest beobachteten die Pecsovicse. die Statthaltereiräthe, die Septemvirn und Tabularistcn unser Vorgehen mit unverhohlener Schadenfreude. Szemere begriff den ganzen Ernst der Lage, doch scheute er vor einer plötzlichen Kur zurück und glaubte wurde, zum Islam übertrat, im Krimkrieg mit Hauptmannsrang den Dolmetsch zwischen Türken und Engländern machte und schließlich bei Gelegenheit eines Aufruhrs in Bagdad den Heldentod fand. Mit Lörody besprach ich meinen Plan, citirte den Kaufmann, der mir als Rädelsführer bezeichnet worden war. den Beschluß vertagen zu können, bis das Ministerium aus und ließ ihn volle seckis Stunden antichambrircn. Dem Bürger- Preßburg herabkäme. Klauzül hielt dagegen die sofortige Her-! mcister gab ich den Befehl, daß er für den nächsten Tag stellung unserer Autorität für äußerst nothwendig; ich erbot! auf den Comitatsplatz eine Volksversammlung ansage und mich, daß ich die Sache augenblicklich mit Anstand applanirc,! eine Seite des Platzes von der Nationalgardc besetzen lasse. wenn man mich mit Vollmacht nach Stuhlweißcnburg entsende und mir eine Compagnie Husaren zur Verfügung stelle. Wir begaben uns demnach zum Obercommando in Die einflußreichsten Bürger citirte ich der Reihe nach zu mir. ermahnte sie mit trocknen Worten, daß die Ordnungs-Commission keine Widersetzlichkeit dulden könne. und selbst vor Ofen, und Lederer erließ sofort den Befehl, daß die Kavallerie z den strengsten Mitteln nicht znrückscheue, wenn die morgige von Mör am dritten Tage Früh in Stuhlweißenburg sei,! Volksversammlung nicht ohne jede Widerrede den vorigen bemerkte aber, daß er stricten Auftrag habe, jeden Zusammen- Volksversammlungs-Beschluß annullire und die Juden nicht stoß mit dem Volke zu vermeiden. Als ich zurückkehrte, betraute ich Nicolaus Kiss damit, mir einen verläßlichen Herrn aufzutreiben, der sofort nach Stuhlweißenburg sich begeben könne; in kurzer Zeit war Kempelen gesunden, der den Erlaß der Ordnungs-Commission an die Stadt Alba übernehme sagte ihm trocken, ich wisse, er habe das Volk gegen die und denselben officiell dem Bürgermeister behändige, nebstbei Juden aufgehetzt, woraus er sich zu entschuldigen begann, die zurückrufe. Um zehn Uhr Abends endlich ließ ich den schon erschöpften Rädelsführer zu mir eintreten, einen wahrhaftigen deutschen Spießbürger, der heute vielleicht zum ersten Male seine regelmäßige Speisestunde versäumt haben mochte. Ich

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