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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-15 · Heft 7 (15.2.1881) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 7 (15.2.1881)
Date
1881-02-15
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107 folgenden 3 Jahren geschehen wird. Das im Bau begriffene neue Waisenhaus befindet sich bereits unter Dach. 2n der gestrigen Plenarsitzung der ungarischen Akademie der Wissenschaften hielt Prof. D,-. Heinrich eine Gedenkrede über das vor vier Jahren in Berlin verstorbene auswärtige Mitglied 9. L. Klein. Bekanntlich war Klein, dem seine Geschichte des Dramas ein bleibendes Andenken sichert, ein Jude aus Miskolcz. Frankreich. Paris, 20. Jan. (Nach den Areli. isr.) Das vom Pariser Gemeinderathe gestrichene Cultus-Budgct wurde durch die Staatsregierung officicll nach den Positionen des vorjährigen Etats wieder hergestellt. — Ter Advokat Leven ist bei der Stichwahl für das Quartier St. George zum Mitgliede des Gemeinderathes von Paris wiedergewählt worden. — In Neuilly wurden vier Israeliten in den dortigen Gemeinderath gewählt. — In Nimes, einer Stadt, wo die religiösen Leidenschaften noch sehr vorherrschen, wurde — zum ersten Male — ein Israelit, Herr Nathan Bloch, zum Richter am Handelsgerichte mit 216 auf 228 Stimmen gewählt. — Eine der lobenswerthesten Wohltharen, welche das consistorielle Wohlthätigkeits-Comite ausführt, ist die Speisung der armen Schulkinder mit warmen Nahrungsmitteln. Im Schuljahre 1870/80 wurden 174,034 Portionen vertheilt, und die Ausgabe dafür erhob sich zu 7,850 frs. — Am 4. Oktober wurde die consistorielle Elementarschule der llue äe8 Feuillentines, die auf Kosten des Baron Gustav von Rothschild errichtet worden, feierlich eingeweiht, wobei die Großrabbiner von Frankreich und Paris Ansprachen hielten, in welchen sie das wachsende Interesse an der Erziehung der Armenjugend der Gemeinde feierten. Ten Beweis führte das prachtvolle Gebäude, in welchem alles Mögliche ausgewendet worden, um den Unterricht leicht, angenehm und fruchtbar zu machen, und das das dürftige und mangelhafte Lokal ersetzt. Ter Baron Gustav v. Rothschild hat noch besonders eine Jahresrcnte von 8000 Fres. für Schulbedürfniffe gestiftet. Nußlanr. Petersburg, 2. Fcbr. Wie die „SB. A. Ztg." meldet, wurde auch in Warschau und Helsingsors versucht, die antisemitische Agitation zu propagiren, dieselbe fand jedoch keinen Anklang und verlief im Sande. Bonn, 6. Febr. (Notizen.) In Marmaros «Ungarn starb den 26. Januar Frau Rachel Lazarovics im Alter von 115 Jahren. — In Conitz (Preußens hat die Stadtverordnetenversammlung zu ihrem Vorsitzenden und ihrem Schriftführer Mitglieder jüdischer Religion gewählt. — Aus Pest wird uns geschrieben: Der Suranyer Rabbiner Philipp Flaut, ein Schomer Hadath vom reinsten Wasser, der erst vor einigen Wochen Wittwer wurde, scheint an dem ehelichen Leben sehr viel Gefallen gefunden zu haben, denn er heirathete im Alter von 75 Jahren ein blühendes 10,jähriges Mädchen. So meldet die „N. Tr. Ztg." — Man schreibt uns aus Bern bürg vom 4. Febr.: Es ist fürwahr schön und erhebend zu sehen, wenn in einer jüdischen Gemeinde ein so inniges und herzliches Verhältniß zwischen de, Gemeinde und ihrem Geistlichem sich zeigt, wie es am 23. vorigen Monats hier wahrgenommen worden. Es war dieser Täg, der 80. Geburtstag des hiesigen Landrabbiners Dr. Herxheimer, ein wahres allgemeines Gemeindefest. Nicht allein Vorstand und Repräsentanten in corpore, sondern auch fast alle Angehörigen der Gemeinde, Alt und Jung, begrüßten ihren 8<>jährigen Seelsorger und Lehrer mit herzlichen Gratulationen und liebevollen Gaben. Es sehlte aber auch nicht an auswärtigen zahlreichen Glückwunschschreiben, Depeschen und Geschenken aus der Nähe und aus weiter Ferne. Zu den hervorragenden Zeichen großer Verehrung, die den Herrn Dr. H. an diesem Tage freudig überraschten, gehört das schön ausgestattcte Diplom, durch welches der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gcmcindcbundes die Ernennung des Herrn H. zu seinem Ehrenmilgliedc beurkundete, sowie daß der hochherzige Vorsteher der Leipziger ifraclitichen Gemeinde, Herr Jacob Nachod, zu Ehren des Herrn Dr. H. und seines 80. Geburtstages, der Herrheimcr- Stiftung 1000M. spendete. — TerLaudrabbiner Dr. L. Adler in Eassel hat den kön. Kronenorden vierter Klasse erhalten. Bonn, 26. Tee. (Notizen.) Man schreibt uns aus Leipzig, 17. December: Am 8. d. M. haben wir hier einen Mann zur ewigen Ruhe geleitet, der cs verdient, auch in diesem Blatte mir Ehren genannt zu werden. Es ist dies Herr Salomou Osias Mieses, gestorben im 83. Lebensjahre. Ter Verstorbene, selbst ein gründlicher .Kenner der jüdischen Literatur und der hebräischen Wissenschaften, gehörte einer Gelehrtenfamilie an, welche sich durch vorzügliche schriftstcllcrifche Arbeiten einen bleibenden Namen in der Literatur erworben. Aus dieser Familie find hcrvorgegaugen ein Rabbi Juda Löb Mieses, s. A., der bekannte Ver fasser mehrerer in klassischem Hebräisch geschriebener! Werke, wie Kinat haemcth, L'kute Perachim u. a. m.: ein Jsaac Mieses, der tüchtige Hebraist und der Philosoph Fabian Mieses, Sohn des Verstorbenen, der durch seine finnigen poetischen Arbeiten in hebräischer Sprache, sowie durch philosophische Aufsätze in hebräischer und deutscher Sprache ortheilhaft in weitern Kreisen bekannt geworden ist. Mit Recht konnte daher Herr Dr. Goldfchmidt in feiner herzerhebenden Grabrede diese Familie als eine jüdische Adelsfamilie bezeichnen. Denn in jüdischem Sinne hänge der Adel nicht von hoher Geburt oder von materiellen Reich-

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