Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1881)
- Date
- 1881-02-15
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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106 und wenn in richtiger Erkenntniß dieses Charakters der Bewegung die süddeutschen Studirenden sich davon fern gehalten haben, so kann das von ihrer Reife nur eine günstige Meinung erwecken". (Das klingt anders, als wenn in Berlin Telegramme über „nationale Gesinnung" mit denselben antisemitischen Studenten ausgetauscht werden!) Aus Württembergs 21. Jan. (Privatmitth.) Der Staatsanzeiger veröffentlicht das Rechnungsresultat der Israel. Centralkirchen'kasse. An Einnahmen führt der Bericht aus: Reste 788568 M., vom Grundstock 2919,41 M., Laufendes 25071,73 M. (darunter 4766 M. Zinsen, 8173 M. Landesumlage, 6068 Di. Beiträge zu den Rabbinatsgehalten, 5200 M. Kassenvorath), Zuschuß der &. Staatskasse 17417 M. 87 Pf., fremde Gelder 1722 M. 33 Pf. zusammen 55017,02 M. Die Ausgaben betrugen: Reste 378,45 M., zum Grundstock 3086,24 M., Lausendes 42062,85 M. (darunter Rabbinatsgehalte 18635 M., Ge haltsaufbefferungen für Lehrer und Vorsänger 6605 M., Turnusu. Kirchenkosten 3540 M.), fremde Gelder 1722 M., zusammen 47,250 M. Das Vermögen beträgt einschließlich der Pensionskasse für Rabbiner unv Vorsänger 164605,52 M. Die Verurtheilung der Antisemiten durch den Kronprinzen bei Gelegenheit der Generalversammlung der Biktoria- Rational-Jnvalidenstiftung gab Beranlaffung zu einem kleinen journalistischen Scharmützel zwischen dem volksparteilichen „Beobachter", den wir wiederholt unfern Glaubensgenossen zum Abonnement empfehlen, und dem „Staatsanzeiger" für Württemberg. Da dieser die Nachricht über die für uns jektiv beurtheilt. Diese Schrift dürfte bei uns größere Verbreitung finden. — Der jüd. Student Tykociner aus Warschau in Tübingen, welcher, wie auch Ihre geschätzte Zeitung darüber berichtete, einen andern Studenten im Duell erschoß, wurde vom Gerichtshof in Tübingen zn 2'/Jahren Festungshaft verurtheilt. O esterreich-Ungarn. Wien, im Januar. (Privatmitth.) Die „israelitische Allianz zu Wien", die bekanntlich ein selbständiger Verein ist und sich insonders die Ausgabe ge,.c-; yat, auf die moralische und intellektuelle Hebung unserer Glaubensgenoffen im österreichischen Kaiserstaate zu wirken, und sich hierin bereits große Verdienste erworben hat, fühlt auch ihrerseits das Bedürfnis, fich öfters als durch Jahresberichte mit dem Publikum in Verbindung zu setzen, und giebt daher zwanglose Mittheilangen heraus, deren erste uns hier vorliegt. Im vorigen August versandte sie eine Aufforderung zu weiterem Beitritt, und der Erfolg war 204 neue Mitglieder mit 750 Fl. In dieser und fernerer Erweiterung ist nicht blos die Vergrößerung der Mittel, sondern auch die Erweiterung der Wirksamkeit enthalten. Die Thätigkeit des Vereins zeigt sich besonders in der Unterstützung von bedürftigen Gemeinden zu Schulzwecken, und übt die Allianz hierbei eine besonnene Controle aus. Sie subventionirte ferner Herrn Glaser, der eine wiffenschaftliche Reise durch 'Südarabien unternommen und auf ihr auch die Erforschung der Zustände bei den dortigen Juden verheißen hat; ebenso mehrere größere Schriftwerke, wichtige Verurtheilung der Antisemiten aus dem Munde j UOT deren Herausgabe zu erleichtern. Das Hauptverdienst einer solch hohen Persönlichkeit nicht abdruckte, sondern „die der Allianz besteht aber gewiß in der Gründung einer „Lehr- Bestätigung erst abwarten wollte", so nannte ihn der Beanstatt zur Heranbildung von Religionslehrern"?) Dieselbe obachter den „stillen Antisemiten, den es schmerzlich berühre, ist bereits in Thätigkeit und hat schon 16 Zöglinge. Nach daß sich die allerhöchste Ungnade ausdrücklich gegen seine Außen beschränkte sich die Wirksamkeit der Allianz auf ein Schützlinge, die Gymnasiallehrer, gerichtet hat". Der Staatsanzciger protestirt nun in seiner gestrigen Nummer gegen diese Verdächtigung und will „der Antisemiten Agitation niemals auch mit einer einzigen Silbe das Wort geredet oder durch Schweigen sie begünstigt haben, aber auch nicht in das hundcrtstimmige Zetergeschrei eines Theils der Preffe über die Judenverfolgung mit einstimmen." „War es nicht lächerlich" , schließt der Artikel, „daß man es jüngst als eine Schmach vor Europa bezeichnete, als in Berlin in der Neujahrsnacht eine Handvoll betrunkener junger Leute, um einige ängstliche Gäste des Cafv Bauer zu schrecken, antisemitischen Ulk verübten und in ihrem Uebermuth ein paar Scheiben zerschlugen?" Die Sprache erinnert unwillkürlich an die Abschwächungen der „Norddeuffchen Allgem. Ztg." Von dem Reichsbankagenten Gustav Maier in Ulm ist bei H. Kerler daselbst eine Brochüre erschienen: „Mehr Licht! Ein Wort zur Judenfrage", welche diese Frage ob- Gesuch bei dem K. K. auswärtigen Amte in der marokkanischen Angelegenheit. Sie erhielt die wohlwollendste Antwort, die sich auch im Madrider Congreß verwirklichte, ohne daß freilich bis jetzt ein thatsächlicher Erfolg zu erzielen gewesen. Pest, 1. Febr. (Privatmitth.) In dem hiesigen israel. Knabenwaisenhause wurden, wie dem Berichte der vorgestern abgehaltenen Generalversammlung der unterstützenden Mitglieder deffelben zu entnehmen ist, gegenwärtig 46 Waisenknaben erzogen, von welchen 17 verschiedene Mittelschulen und 29 die israel. Normalschule besuchen. Die Erhaltungskosten je eines Knaben betrugen 165 fl. 16 Kreuzer. Außerdem wurden bis jetzt 19 externe Waisen erhalten, was nach dem Beschluffe der Generalversammlung auch in den nächstl) Den Antrag zur Gründung einer solchen Lehranstalt für Deutschland stellten wir vor mehreren Jahren bei dem israelitischen Gemeindebunve zu Leipzig, wurden aber abschläglich beschieden. Die Redaktion.