Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1881)
- Date
- 1881-02-15
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 hindern. Schließlich haben wir eonstatiren, daß die in der Lersannnlung erschienenen Gegner nicht etwa ausschließlich Socialdemokraten waren, sondern daß sich ein großer Theil derselben ans den besseren Kreisen der hiesigen Bürgerschaft recrutirte." Esten, 2. Febr. (Privatmitth.) In Nr. 5>. d. Bl. ist über die Verhandlung der hiesigen Stadtverordneten-Bersammlung über den Antrag der Synagogengemeinde aus Ueberlassung eines Theils des Friedhofs sachgemäß berichtet worden. Die „Krcuzzeitung" war in ihrer Nummer vom 10. Esten, 20. Jan. - (Privatmitth.) Unsere Stadt dürftet! v. M. so unverschämt, diesen Antrag und die Motivirung nach dem Ruhme der Reichshaupt- und der Reichsjustizstavt, j des Dr. Hirschland dahin zu verdrehen, als ob die Synadenn auch die Reichskanonenstadt muß ihre Anftsemitenver-! gogcngemeinde beantragt habe, die Kreuze vom Friedhof zu sammlung haben. Bor einigen Tagen berief ein ehrsames! entfernen, und benutzt dies in Verbindung mit dem Rechts- Schneiderlcin eine „Versammlung christlicher Männer-, damit fall zu Wittenberge wegen des confesfionellen Zusatzes zum ihnen durch einen confusen Professor Evels ans Aachen gezeigt werde: „Was thut dem deutschen Bolke am meisten Noth und welche rechtlichen und gesetzlichen Mittel werden ihm zur Abhülfe geboten?" Es war nichts Neues, was der Herr Professor gesagt hat. Die Leser dieser Zeitung damit zu unterhalten, wäre Zeitvergeudung. Wahrlich, wenn die Antisemiten solche Apostel in die Welt schicken, dann ist die Hetze bald zu Ende. Nur als Illustration seines Bortrages möge zur Ergötzung und Beurtheilung erwähnt sein, wie er zur Weckung des deutschen Selbstbewußtseins ein Geschichtchen seinen Zuhörern auftischt: „Eines Tages sollte ein christlicher Kutscher seinen reichen Herrn, einen Juden, ausfahren. Plötzlich hält der Kutscher an. Als ihn der Jude nach dem Grunde fragt, antwortete der von christlichem Selbstbewußtsein erfüllte Rosselenker: „Herr, die Leute rufen immer, daß da der Spitzbube fährt, und da kann ich nicht wissen, ob sie Sie oder mich meinen." Hierauf habe der Kutscher seinen Sitz verlassen und den Wagen stehen lassen. Nun, der Herr Professor hat zu dem Schneider gut gepaßt. — Auch hierher hatder famose I)r. Förster in Charlottenbürg einige Petitionen zur Sammlung von Unterschriften geschickt. Ein Exemplar sandte er auch an den König!. Kreisthierarzt Hirschland (Jude). Dieser antwortete dem Absender, daß er die Petition von seinen Patienten unterzeichnen lassen werde. Mehr Glück soll der l)r. Förster bei einem hiesigen Bergrath gehabt haben. Aber nur sehr, sehr Wenige haben diese Petition unterzeichnet. Interessant ist, was der Bürgermeister unserer Nachbarsladt Oberhausen dem Absender geantwortet: „Die mir zur Sammlung von Unterschriften zugestellte Petition an den Reichskanzler, betreffend die Einschränkung des Einflusses der Juden, sende ich Ew. Wohlgeboren unter, dem Bemerken ergebenst zurück, daß die Antisemitenbewegung, diese Treibpflanze der Residenz, auf Rheinischem Boden nicht gedeiht. Wir schätzen im Deutschen den Menschen ohne Rücksicht auf Abstammung und Glauben; gegen ungerechtfertigte lleberhebung aber und unmotivirte Anmaßung helfen wir uns selber, überall, wo sie auftritt. gez. Schwartz." Zur Nachahmung für manche Bürgermeister. <1. gesetzlichen Eide, um gegen die Juden die schmählichsten Anschuldigungen zu schleudern. Es konnte deshalb dem hier allgemein angesehenen Herrn vr. Hirschland nicht gleichgültig sein, daß seine Worte in das gerade Gegentheil umgewandelt wurden, und sah er sich deshalb veranlaßt, die Kreuzzeitung zur Berichtigung aufzusordern. Sein Schreiben sowie die daran geknüpfte Bemerkung des Herrn Oberbürgermeisters Hache lauten: „An die Redaktion der „Neuen Preußischen Zeitung" in Berlin. Essen, 26. Januar 1881. Als Mitglied der Synagogengemeinde Essen ersuche ich Sie nach § 11 des Preßge? setzes, gefälligst die in Ihrer Zeitung vom 16. d. M. im Artikel „Drei Zeichen" enthaltene unrichtige Behauptung über die Essener Juden richtig zu stellen. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Die Synagogengemeinde Essen ersuchte die Stadtgemeinde, da der jüdische Kirchhof bald geschlossen und ein neuer Communalkirchhof angelegt wird, um Ueberlaffung eines kleineren Theiles desselben zum ausschließlichen Begräbnißplatze der Juden. In der betreffenden Stadtverordneten-Bersammlung unterstützte der Unterzeichnete diesen Antrag, indem er darauf hinwies, daß ein Theil der Juden den Essener Communal-Kirchhof aus mehreren Gründen, unter anderen auch durch die Aufstellung des Kreuzes, für einen confesfionellen ansähen und deshalb nach ihrem Ritus sich dort nicht beerdigen lassen könnten. Die Entfernung des Kreuzes ist nie und von keiner Seite verlangt worden, sondern legte der Unterzeichnete ausdrücklich Verwahrung dagegen ein, daß seine Ausführungen nach dieser Richtung hin aufgefaßt werden könnten. Einer geneigten Erfüllung meines Wunsches entgegensehend, zeichne ich hochachtungsvoll vr. med. Hirschlanö. Den Inhalt des vorstehenden Schreibens bestätige ich als sachlich richtig mit dem weitern Zusatze, daß auch von keinem sonstigen Mitgliede der hiesigen Synagogengemeinde die Forderung gestellt oder auch nur der Wunsch ausgesprochen worden ist, das auf dem hiesigen Gemeindekirchhof befindliche „christliche Kreuz" zu entfernen. Essen, 27. Jan. 1881. Der Oberbürgermeister gez. Hache. Um mit dem Preßgesetze nicht in Conflict zu kommen.