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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-15 · Heft 7 (15.2.1881) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 7 (15.2.1881)
Date
1881-02-15
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 Stöcker, Henrici, Förster und Genossen an». Ein Arbeiter Lawesenski wie» u. A. ans die Bergwerkbesitzer in Ober schlesien, lauter „strenggläubige Christen" und aus die Weise hin, wie sie ihre Arbeiter ausbenten. Kurz, die Stimmung I der Arbeiterbevölkerung zeigte sich auch hier billig und ohne! alle Luft, sich von Antisemiten zu Wahlmanövern mißbrauchen zu lassen. — Im Uebrigen erweist sich bei allen | Kundgebungen der conservativen Partei, daß sie die anti-! semitische Gesinnung und Bewegung als ein rvesentlicheS, Clement ihres Conservatismus betrachtet. Tie „Allg. Ztg. d. Jud." hält sich von jeder Partei-Politik sern, da diese nicht zu ihrer Ausgabe gehört. Aber wo die Thatsachen; sprechen, darf sic dieselben nicht verschweigen. In einer; Versammlung des „conservativen Verein» der Luisenstadt" - am 1. d. versuchte ein Herr Meyer die Versammlung zu einer Aeußerung gegen die Herren Henrici, Ruppel und Stöcker zu veranlassen; doch stieß er aus entschiedenen Widerspruch und mußte den Zuruf hören, daß Leute, welche conservativ seien und trotzdem mit den genannten Herren nichts zu thun haben wollten, bereits „verjudet" seien. Ferner in einem Circular, in welchem stnanzielle Subventionen für die als Antisemitin thätigste „Deutsche Landeszeitung" aufgefordert wird, die sich trotz der den Conservativen günstigsten Zeit, wie das Circular behauptet, doch nicht durch sich selbst erhalten könne! und bereits Ü4,10tz M. in den letzten beiden Jahren absorbirt! hat, und nun in eine große Zeitung verwandelt werden soll, wird wiederholt auf die Bestrebungen, die Juden in ihren: bürgerlichen Rechten zu beschränken, hingewiesen, und die! Protection des altbewährten Kämpen Wagener hervorgehoben. , — Dem „Reichsb." zufolge ist dem (antisemitischen); „Verein deutscher Studenten" die Genehmigung versagt worden, seine Versammlungen, Festlichkeiten u. s. iv. durch Anschläge am schwarzen Brett der Universität bekannt zu machen. — Wie die „N. Pr. Ztg." berichtet, hatte der „Akademische Missionsverein" für letzten Dienstag das Thema znr Besprechung ausgestellt: „Tie Aufgabe der Christen an den Juden in Bezug auf ihre Zukunft nach der Schrift". Tie betreffende Sitzung mußte ausfallen, weil der Rector der Universität die Behandlung diese» Themas verbot. — Es ist erfreulich wahrzunehmen, daß in dem größeren Theile der deutschen Studentenschaft der echte humane und nationale Geist vorherrscht. Die deutschen Studenten in Wien haben beschlossen, am 15. Februar d. I. an den Ausschuß der Hochschule zu Braunschweig einen Lorbeerkranz mit der Bitte zu senden, den Kranz Namens der deutschen Studenten in Wien auf dem Grabe Lessing's oder vor dem Standbilde desselben niederzulegen. — Ein großer Theil der Studenten in Leipzig hat beschlossen, ein Gleiches zu thun. Dresden, 1. Februar. Daß die Arbeiterbevölkerung sich dem Wühlen der Antisemiten geradezu entgegenstellt, ist ein nicht zu unterschätzendes Zeichen der Zeit. Wir geben im Folgenden den Bericht des „Leipziger Tageblattes", das sich oft genug den Antisemiten freundlich gezeigt hat. „Auf ergangene Einladung des hiesigen Judenhetz-Vereins sollte heute Abend im „Tivoli" hier eine öffentliche Versammlung abgehalten werden, in welcher der eigens hierzu verschriebene Antisemiten-Apostel l)r. Ernst Henrici au» Berlin einen Vor trag zu halten gedachte über „Toleranz und nationale Ehre". Die Versammlung der Judenhetzer wurde jedoch durch einen wahrhaft schauderhaften Skandal, wie ihn Dresden kaum je erlebt har, total vereitelt. Der Saal des Tivoli war bi» Abends gegen ü Uhr von mindestens 2000 Personen dicht besetzt, und immer noch strömten Schulter an Schulter neue Menschenmassen zu, welche sich in das Versammlungslokal, in dem faktisch „kein Apfel zur Erde konnte", einzudrängen! versuchten. An dem Saaleingange entstand ein derart i fürchterliches Gewürze, daß die daselbst zur Aufrechterhali tung der Ordnung aufgestellten Judenhetzvereinler machtlos! weichen mußten. Die am Eingänge auf Tischen aufgestellten Sammelteller, auf denen jeder Eintretende „nach Belieben" ein Eintrittsgeld zur Deckung der „Tageskosten" zu erlegen! hatte, wurden umgeworfen, so daß die eingeheimsten Opfer! groschen auf den Fußboden kollerten. Die Thürsteher bemühten sich, den also entschwundenen Mammon wieder aufzulesen. Das schien das Signal abzugeben für die nunmehr folgenden weiteren Ausschreitungen, die jeder Beschreibung spotten. Ein großer Haufe von Socialdemokraten suchte mir aller Gewalt vorwärts zu kommen. Die Vorderen, welche beim besten Willen nicht wanken und weichen konnten, drängten nach rückwärts und so entstand schließlich ein Drüber und Drunter, daß Einem Hören und Sehen verging. Bei dem nicht zu bewältigenden Ansturm gingen die Glasscheiben der Eingangstbüren in lausend Trümmern. Auf den Treppen und auf den Straßen standen mindestens noch 1000 Personen, die an der Versammlung gleichfalls theilnehmen wollten. Mittlerweile robre im Saale eine große Unruhe. Judenbetzvereinler und Socialdemokraten geriethen harr aneinander. Letztere Hallen vom Vorstandstische alle Stühle entfernt, io daß die Herren Antisemiten-Apostel das Unheil, daß ste heranibefchworen harren, stehend mir ansehen mußten. Ta es den zahlreich anwesenden Polizeiorganen absolut unmöglich war, nur einigermaßen Ordnung zu schaffen, so wurde die Abhaltung der Versammlung nicht gestattet. Ter Vorstand des Judenhetzvereins betrat die Tribüne und erklärte, daß der angekündigte Vortrag nicht statt ffnden könne. Jetzt wurde im Saale das Gas ausgedreht. Ter Saal entleerte sich unter fürchterlichem Tumult. Die Socialdemokraten verließen unter dem Absingen der Mar seillaise das Lokal. Das Etablissement „Tivoli" mußte polizeilich gesperrt werden, um weitere Ausschreitungen zu ver-

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