Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1881)
- Date
- 1881-02-15
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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löö sein Standbild errichtet werden. Die Denkmäler Schiller's und Göthe's schmücken sie bereits. Mit dem Standbild Lessing's sollen die Drei vereint in der Hauptstadt des erneuten und geeinten Reiches das Wahrzeichen werden, daß unser deutsches Volk seines Ehrenberufs eingedenk bleibt, den unzerstörbaren Gedanken der Humanität zur schönen That ausdauernd zu verwirklichen. Wer dem Geiste Lessing's huldigt, wird gern bereit sein, zur Errichtung seines Denkmals beizusteuern. Das Comite, welches im Jahre 1861 zusammengetreten ist und gegenwärtig aus den Unterzeichneten besteht, richtet diesen Aufruf an die Deutschen aller Lande und wird über die Beiträge seiner Zeit öffentliche Rechenschaft oblegen. " Berlin, am Geburtstage Lessing's 1881. Die Errichtung eines Lessing-Denkmals in Berlin haben wir stets als eine That von großer Bedeutung angesehen. Es symbolirt sich in ihr die allgemeine Anerkennung der Grundsätze und Ideen, für welche Lessing mehr und nachhaltiger eingetreten als je eine andere geschichtliche Persönlichkeit. Als im Jahre 1860 ein Comite zu diesem Zwecke neben der Errichtung von Schiller's und Göthe's Statiken sich gebildet, und einen desfallsigen Auftuf erlaffen hatte, schloffen wir uns demselben an (s. Nr. 6 des Jahrg. 1862) und sammelten Beiträge, wie die weiteren Nummern jenes Jahres Nachweisen. Wir hielten es für eine besondere Pflicht unserer Glaubensgenoffen, an diesem Werke sich zu betheiligen, wie es bei der Errichtung der Lesfing-Statue zu Braunschweig geschehenwar. Der Erfolg jenes ersten Aufrufs war kein genügender. Es stammen aus jener Sammlung einschließlich der Zinsen ungefähr 30,000 M., die gegenwärtig zu 40,000 M. gestiegen sind, während jedoch zur wirklichen Ausführung eine Summe von 120,000 M. erforderlich ist. Kaum war endlich die Göthe-Statue in Berlin am 2. Juni v. I. aufgestellt, als wir (Nr. 25 des v. Jahrg.) unsere Stimme für die Lessing-Statue erhoben und wurden damals unsere Worte auch in einer Berliner Zeitung wiedergegeben. Endlich ist nun das neuconstituirte Somit« mit obigem Aufrufe in die Oeffentlichkeit getreten. Daffelbe besteht aus höchst angesehenen Personen, unter welchen von unseren Glaubensgenossen auch Auerbach, v. Bleichröder, Lazarus und Reichenheim sich befinden. Es gilt nun, das schöne Werk thatkräftig zu unterstützen; und auch wir sind bereit. Gaben für diesen Zweck entgegenzunehmen; es kommt dabei nicht auf die Größe, sondern auf die Menge der Spenden besonders an. Wir brauchen nicht heworzuheben, daß es hier gilt, einem der edelsten Geister eine wenn auch späte Huldigung darzubringen. Leider ist unsere Zeit dazu angethan, dieser Ovation auch den Charakter einer Demonstration hinzuzufügen, die man so gern davon ferngehalten hätte. In Berlin, wo die Intoleranz und Beschränktheit jetzt ihr Haupt wieder erhoben hatten, in Berlin, wo man es in öffentlichen Vorträgen gewagt hat, Lesfing herabzusetzen und zu schmähen, hier ist es vor Allem, wo durch die baldige Errichtung des Lesfing-Denkmals die Hauptstadt des deutschen Reiches von diesem Schimpfe gesühnt werden muß.') Gerade darum ist es eine Ehrenpflicht aller Deutschen, ihr Schärflein zu diesem Ehrenpreise darzubringen. Die Redaktion der Allg. Zeit, des Judenthums. (S. auch die „Anzeigen".) Die Juden in den Vereinigten Staaten. Wir erhielten jüngst eine von der Union amerikanischer jüdischer Gemeinden veröffentlichte Statistik der Juden in den Bereinigten Staaten. (Ltatlsties of the Jews of the United States, published by the Union of the American Hebrew Congregations. September 1880). Gedachter Verein sandte nach allen Ortschaften Tabellen-Schemata, die dort ausgefüllt wurden. Da nicht überall Gemeinden bestehen, so war es eine mühevolle Arbeit, daselbst aus anderem Wege zur Beantwortung der ausgestellten Fragen zu gelangen. Was nun erreicht wurde, ist nicht von objectiver Gewißheit, schon weil gerade in den großen Gemeinden keine Zählung, vielmehr nur eine Schätzung möglich war. Jndeß bietet es doch eine bestimmte Bafis, auf welcher Berichtigung und Vervollständigung, sowie Weiterführung möglich ist. In dem vorliegenden Hefte sind nun in Tabellen nach den einzelnen Staaten und den daselbst befindlichen Städten die Gemeinden und Vereine, deren Gründungszeit, die Zahl ihrer Mitglieder und Haushaltungen, der Werth des Besitzthums der Gemeinden und Vereine, die Zahl der die Religionsschule besuchenden Kinder, der Lehrer und endlich die auf Schätzung festgestellte Seelenzahl verzeichnet. Es stellt sich zunächst heraus, daß die jüdische Bevölkerung der B. S. lange nicht so groß ist, wie man sie in der jüngsten Zeit angeschlagen hat, nämlich nur 230,257, wenn hierbei auch die einzelnen Zahlen aus den Jahren 1878 und 1879 stammen und die Einwanderung in den letzten Jahren eine besonders starke war. Es bestehen 278 Gemeinden, mit — und das ist eine betrübend kleine Zahl — nur 12,546 Mitgliedern (Familienväter), so daß also kaum ein Drittel den organisirten Gemeinden angehört. Aber eine ganz andere Beobachtung drängt sich uns bei dem Ueberblicken dieser Tabellen auf. Wir haben in Amerika keine durch Gewalt erzwungene 1) Es ist bemerkenswerth, daß wir schon 1861 in unseren Artikeln über die Lessing-Statue in Berlin uns veranlaßt fühlten, gerade diesen Punkt hervorzuheben. In Nr. SS des Jahrg. 1861 sagten wir über die Lessing-Statue in Berlin S. 473: „In Berlin ist es, wo die von Lei'sing und Mendelssohn repräsentirte Idee ihrer Zeit den geringsten Anklang und später und noch bis heute einen großen Widerspruch fand." Man sieht, wir trauten schon vor 20 Jahren dem Berliner Frieden nichtI