Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-08 · Heft 6 (8.2.1881) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 6 (8.2.1881)
Date
1881-02-08
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227346--38712-3307963
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rabbiner in Bonn", erschienen. Hören wir, mit welchen Worten der Herausgeber diese vierte Auflage bevorwortet: „Trotz der Menge ähnlicher Bücher glaube ich sagen zu dürfen, daß meine Behandlung eine neue ist. Die mit , bezeichnten Zeilen sind von mir und muß es dem Lehrer überlassen bleiben, was und wieviel er den Schülern davon sagen will. Selbstredend ist dem Lehrer ein großes Feld zur ausführlicheren, mündlichen Erklärung gelassen. Namentlich wird das bei der späteren jüdischen Geschichte nöthig sein, die in Rücksicht auf den Raum knapp sein mußte. Die Geschichtsauffassung dürste manchen Widerspruch Hervorrufen, indeß habe ich mich einzig und allein von der historischen Wahrheit leiten lassen und werde mit Dank etwaige Ausstellungen entgegen nehmen, gehässige und übelwollende Kritiken aber ignoriren. Möge mehr, als bisher, das Buch nicht nur Schulsondern auch Familienbuch sein." — Wie selbstbewußt klingen diese Worte im Gegensätze zu den würdigen und weihevollen Worten Salomon's und zu den einfachen und bescheidenen Worten der Verfasser! Also zählungen der heiligen Schrift für Israeliten jetzt nicht das Schicksal der größten Denker und Dichter getheilt, deren Werke gleichfalls nicht durchweg günstig beurtheilt wurden? Um so mehr thut es uns leid, dem Herrn Herausgeber, trotzdem er durch günstige Kritiken verwöhnt und empfindlich geworden ist, Nachweisen zu müssen, daß seine „wissenschaftliche" Bearbeitung mit den einfachsten Grundsätzen der Pädagogik im Allgemeinen und den methodischen des biblischen Geschichtsunterrichtes im Besonderen im krassesten Widerspruche stehen. Hätte der Herr Herausgeber nur die Vorreden seines eigenen Buches gründlich studirt, er würde uns nicht gezwungen haben, diese „wissenschaftliche" Bearbeitung mit einem literarischen Steckbriefe versehen zu müssen und die Collegen vor dem Gebrauche derselben nachdrücklich zu warnen. Wir wollen nun versuchen, an einigen Beispielen diese unsere Behauptung zu begründen. In der 6. Lehre zur ersten biblischen Geschichte „Die Schöpfung" fügt der wissenschaftliche Bearbeiter hinzu: „Das Er-j Judenthum verwirft daher die Lehre von der Erbsünde und sind! Möglichkeit, daß ein Mensch durch seinen Tod die Sünden wissenschaftlich bearbeitet und zum Schulgebrauch be-1Anderer sühnen könne." Dieser „wissenschaftliche" Zusatz^ stimmt. Ein Familienbuch soll dieses Schulbuch sein, das! verstößt gegen den einfachen, pädagogischen Grundsatz: „Unterrichte dem Verständnisse der Kinder gemäß." Jeder Schulmann und selbst jeder verständige Laie wird zugeben„ daß ein Kind, dem man die erste biblische Geschichte erzählt, unmöglich ein Verständniß von der Erbsünde haben kann. Freilich sagt der Herausgeber in seinem Vorworte: Selbstredend ist dem Lehrer ein großes Feld zur ausführlicheren mündlichen Erklärung gelassen. Aber wollten wir hier auf eine ausführliche und mündliche Erklärung von der Erbsünde cingchen, wie viel Zeit müßten wir dazu verwenden, wann würden wir überhaupt bei der geringen Stundenzahl, die sowohl in der Elementar-, wie in der Religionssckule für den biblischen Geschichtsunterricht festgesetzt ist, mit den Erzählungen der heiligen Schrift fertig werden? Würde überhaupt noch ein Kind des Herausgebers kurzgefaßte Geschichte ausgeber wird diese Beleuchtung am wenigsten vermissen, da > des Judcnthums zu hören bekommen? Aber der Herausgeber er ja nur „etwaige" Ausstellungen mit Dank entgegen! scheint dieses selbst zu fühlen, denn er sagt selbst, merknimmr, gehässige und übelwollende Kritiken aber ignorirt. würdigerweise aber vor dem Satze von der aus- Wir müssen leider gestehen, daß wir nicht so philosophisch führlicheren Erörterung: „Die mit , bezeichneten Zeilen gebildet sind, um eine klare Definition von einer „etwaigen sind von mir und muß es dem Lehrer überlassen bleiben, Ausstellung" und einer „übelwollenden Kritik" geben zu1 was und wieviel er den Schülern davon sagen will." Also können. Will der Herr Herausgeber in seiner Bescheidenheit! erst können wir fortlassen und im nächsten Satze ist es nur die Möglichkeit von Ausstellungen an seiner wissen-! nöthig, ein „gegebenes großes Feld zur ausführlicheren schaftlichen Bearbeitung zugcben, nicht aber die Gewißheit, mündlichen Erklärung zu bearbeiten. Ist denn des Versa unbedingte Nothw endigkeit, da bekanntlich kein Werk s fassers „wissenschaftliche Bearbeitung" eine Sammlung von hier auf Erden vollkommen ist? Und vermeint er darum! Rechenexempeln, von denen es uns überlassen ist, was und nur durchweg wohlwollende Kritiken seiner wissenschaftlichen! wieviel wir den Schülern davon sagen wollen?! So gering Bearbeitung zu erhalten? Giebt es überhaupt „gehässige * doch der Herr Herausgeber seine, „trotz der Menge und übelwollende" Kritiken oder hat der Verfasser bis ähnlicher Bücher neue Behandlung" selbst nicht. Er hat sie wünscht der Herausgeber und zu diesem Zwecke giebt er dem; Buche eine neue, wissenschastliche Behandlung. Trotz' der uns tief schmerzlichen Warnung, „übelwollende Kritiken zu ignoriren", können wir es doch nicht unterlassen, diese „wissenschaftliche" Bearbeitung biblischer Erzählungen in einem Schul- und Familienbuch" etwas genauer anzusehen. Eines müssen toir vor Allem dem Herrn „wissenschastliche" Bearbeiter herzlich danken, er ist so gerecht gewesen, durch, seine Wissenschaftlichkeit zu kennzeichnen, damit wir für dieselbe etwa nicht unverdient die ursprünglichen, bescheidenen Verfasser, welche von einer „nachsichtsvollen Beurtheilung" sprechen, verantwortlich machen. Wir können selbstverständlich nicht alle „wissenschaftlichen" Zusätze hier nach Verdienst beleuchten und der Herr Her-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.