Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1881)
- Date
- 1881-02-08
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
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erfolgten die Hammerschläge der hierzu geladenen Gäste auf; den Grundstein, begleitet von kernigen Sinnsprüchen, unter! denen sich jener des Superintendenten der evangelischen Ge-! meinde Pastors Lumnitzers auszeichnete. Mit einer Schluß-. rede des Regierungsrathes Merbeller und des Stadtverordj ueten Joseph Rindskopf wurde die ebenso einfache als so-! lenne Feier, welche ein neuerliches Zeugniß für das einträchtige! Zusammenleben aller Einwohner von Teplitz abgiebt, ge-! schlossen." Ich füge hinzu, daß die Predigt des vr. Rosen-! zweig allgemein die herzlichste Anerkennung fand. Bei dem! Hammerschlage sprach der evangelische Superintendent: „Zur! Ehre Gottes, zur Eintracht der Menschen, zur Zierde der Stadt, zum Frieden der Gemeinde, zur gegenseitigen Würdigung und Achtung der Confessionen!" Ehrend für die Gemeinde waren die Worte, die der Regierungsrath und Bezirkshauptmann, Herr Merbeller, zum Schlüße sprach, indem er hervorhob, daß dieser Bau auch ein Zeugniß sür das Geistesleben der jüdischen Gemeinde geben werde. Preßburg, im Januar. (Privatmitth.) Die Stadt Preßburg ist durch ihre hyperorthodoxen Juden nicht weniger als durch ihre judenfeindlichen Christen im ganzen Lande bekannt. Auch hier war eine anti-semitische Bewegung im besten Zuge; man ging sogar mit dem Plane um. Jstoczy zur Abhaltung einer Judenrede von Pest kommen zu laßen. Die von der anti-semitischen Bewegung bedrohten Elemente. in Preßburg waren jedoch rasch entfchloßen, durch ein radij kales Mittel die beabsichtigte Hetze im Keime zu ersticken.! Sie einigten sich dahin, wie die „W. Allg. Ztg." schreibt, j mit den Geschäftsleuten, welche sich an die Spitze der Agi-! tation gestellt haben, sofort jede geschäftliche Verbindung ab-! zubrechen und auch bei ihren Geschäftsfreunden in gleichem j Sinne zu wirken. Nur zu bald sollten sich die Folgen dieses. Entschlußes in wirksamer Weise geltend machen. Es gab > eines Nachts in Preßburg ein Kaffeehaus, das fast leer stand,! weil die früheren Besucher desselben, zumeist Israeliten, ausj blieben; ebenso blieben einige Kaufläden beinahe vereinsamt, und ein Weinhändler, der sür das Ausland bedeutende Lieferungen hatte, bekam Abbestellungs-Ordres in Menge. Diese Thatsachen genügten vollends. Die hiervon betroffenen Industriellen sahen ein, daß es für ihr Geschäft ersprießlicher sei, sich von den anti-semitischen Bestrebungen loszusagen und ihr Augenmerk wieder merkantilen Agenden zuzuwenden. Und Herr Palugyay jun., den das Gerücht mit der Anti-Semiten-Bewegung gleichfalls in Zusammenhang gebracht hatte, erschien sogar im Hause des Preßburger Rabbiners und ersuchte diesen, er möge in seiner nächsten Predigt konstatiren, daß er — Palugyay — sich niemals an einer Judenhetze habe betheiligen wollen — ein Wunsch, welchen der Rabbiner auch erfüllte. So hat die Anti-Semilen-Bewegung in Preßburg ihr Ende erreicht. Aus Thercffopel (Ungarn) wird geschrieben: Der seit fünfzig Jahren bei der hiesigen israelitis chen Gemeinde angestellte Gemeindebeamte Jakob Lehner wird am 11. Januar ein höchst seltenes und eigenthümliches Fest begehen. An demselben Tage feiert derselbe nämlich sein 70jähriges Geburtsfest, seine goldene Hochzeit und sein 50jähriges Amtsjubiläum. Der in Ehren ergraute Jubilar sowohl als auch seine Ehehälfte sind noch sehr rüstig und versieht Ersterer seine Agenden noch jetzt mit dem größten Amtseifer. Italien. Rom, 20. Januar. Das Munizipium der Stadt Rom hat beschlossen, das Ghetto niederzureißen und auf dem Terrain ein neues schönes Stadtviertel aufzubauen. Es ist dies das älteste Ghetto, das schon zu Augustus' Zeiten mehr als 8000 Bewohner zählte und in welchem König Herodes einen glänzenden Palast gebaut hatte. — In Chioggia wurde Parenzo (Israelit), der früher Adria in der Deputirtenkammer vertrat, aber im Mai 1880 daselbst; durchgefallen, zum Deputirten gewählt, wodurch die Zahl der . Abgeordneten jüdischer Religion in der italienischen Abgeord- I netenkammer wieder wie früher aus 7 gestiegen. Parenzo sitzt auf der linken Seite, während die 6 anderen der constitutionellen Opposition angehören. Bonn, 30. Jan. (Notizen.) Manschreibt uns aus Tilsit: Am 1. Januar feierte in Tilsit Herr Rabbiner Friedeberg sein 2öjähriges Amtsjubiläum. In wochenlangen Vorbereitungen hatten Herr Rabb. vr. Bamberger, vr. Rüls und in Tilsit ein Somit«-, bestehend aus den Herren H. Glaser, I. Sklower, L. Rosenberg Arrangements für erne würdige Feier dieses Tages getroffen. Eine Deputation überreichte ein Ehrengeschenk seitens der Gemeinde, der Verband der Rabbiner Ost- und Westpreußens überreichte durch Herrn Rabb. vr. Bamberger eine hebräische Adreffe, der Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens, die Gemeinde Mielitsch, eine große Zahl College«, Schüler und Schülerinnen gratulirten, zum Theil mit Ueberreichung zartsinniger Ge-! schenke. Herr Rabbiner vr. Rülf traf ebenso wie Herr vr. j Bamberger-Königsberg am Sonntag in Tilsit ein und über-! reichte ein Prachtexemplar eines Festgedichts. Am Sabbath! hielt vr. Fr. die Festpredigt, und am Sonntag fand ein j feierlicher Gottesdienst statt, bei welchem die vv. Bamberger; und Rülf ergreifende Reden hielten. — Man schreibt uns j vom Niederrhein: Die Synagogengemeinde Steele wird am 13. März d. I. das 2öjährige Amtsjubiläum ihres treuen > Lehrers Goldberg feiern. Möge diese Notiz be^ seinen Collegen und Freunden, sowie bei seinen vielen Schülern nicht j unbeachtet vorübergehen, um ihrem Lehrer den schuldigen Dank auszudrücken.