Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1881)
- Date
- 1881-02-01
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
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einstimmend, daß das Consistorium für Ost- und Westpreußen eine Verfügung erlaffen habe, welche den evangelischen Geistlichen seines Bezirks die Betheiligung an der antisemitischen Bewegung untersagt. Eine gleiche Mittheilung in Betreff des Posener Consistoriums ist bekanntlich von zuständiger Seite dementirt worden. (Wir bemerken noch einmal, daß vor einigen Jahren der evangelische Oberkirchenrath untersagte, daß die Geistlichen in politische und sociale Fragen sich einlaffen. Die Vorgänge in Berlin haben jedoch erwiesen, daß diesem Erlaffe keine Folge gegeben worden. Redact.) Bon«, 19. Jan. (Privatmitth.) Bei Gelegenheit der Debatte im preußischen Abgeordnetenhause, die sich an die Interpellation Hänel knüpfte, bemertten wir, daß die nattonalliberale Partei fich äußerst reservirt verhielt, einen einzigen Redner, Herrn Ho brecht stellte, der sich in zweifelhafter Weise aussprach, und ihr unmittelbares Organ, die „N.-L.-C." in fast bitterer Weise gegen die Jnterpellatton fich aussprach. Wir geben daher gern zu erkennen, daß sich dies neuerdings zu ändern scheint; vielleicht weil die Herren merken, daß die antisemitische Wühlerei schließlich ebenso gut die National-Liberalen, wie die Fortschrittspartei und die Secesfionisten treffen werde. In der großen Wahlmänner versammlnng zu Berlin trat zwischen Birchow und Eugen Richter auch der Nattonal-Liberale Prof. vr. Albrecht Weber mit einer längeren Rede auf, welche die Sache der Vernunft und des Rechts nachdrücklich, mit Sachkenntniß und hie und da mit einiger Wärme vertheidigte. Diese Rede nun bringt die „National-Zeitung" vom 15. d. vollständig und eine ganze Reihe von nattonal-liberalen Blättern, die über Birchow's und Eugen Richter's Reden kaum einige Zeilen gebracht, druckt diese Rede Webers nach. Wir begrüßen dies mtt Freude, weil wir hierdurch die national-liberale Partei aus ihrer gewollten oder nichtgewollten Apathie hinsichtlich der Anttsemiten erwacht sehen. — Aus dieser Rede des Herrn Prof. Weber wollen wir nur eine Stelle hervorheben. In unserm Leitartikel über „Die deutsche Studentenschaft" (Nr. 3) haben wir den Eifer einestheils der Studenten, wenigstens zu Berlin und Leipzig, gegen ihre jüdischen Commilitonen aus der Furcht vor deren Concurrenz erklärt. Prof. Weber bekräftigt dies. Er sagt: „Kaum wendet fich jetzt eine ganze Zahl von ihnen, und zwar allerdings auf Grund des Umstandes, daß die Juden nun einmal in einer ansehnlichen Proportion zu den bester ptuirten Bolksklaffen gehören, eine größere Zahl, als ihnen ihrer Seelenzahl nach zukommen würde, anstatt dem Handel und der Medicin rc. nun auch den juristischen und philologischen Studien zu, um dadurch Zutritt zu den ihnen durch das Gesetz neu eröffneten Berufsarien zu gewinnen, so ertönt sofort der Angstruf derer, die bisher ausschließlich im Besitz waren, daß man sie verdrängen wolle! Richtig ist es. es tritt jetzt eine Concurrenz an dieselben heran. Aber doch nur mit vollem Recht. Das bisherige Privilegium war ein Unrecht. Anstatt über den Verlust desielben zu klagen, sollten die Bedrohten sich einfach zusammenraffen, um dieser Concurrenz, die nun einmal in einem geordneten Rechtsstaate unvermeidlich war, die Spitze zu bieten. Dieselbe wird denn auch hoffentlich in der That die für das Wohl des Ganzen höchst ersprießliche Folge haben, daß unsere christlichen Studiosen fortab etwas'haushälterischer mit ihrer Zeit umgehen, einfach, um sich von ihren jüdischen Commilitonen nicht ausstechen zu lasten. Am 3. August 1879 wurden an unserer Universität 4 Preise vertheilt; davon sielen drei aus jüdisch klingende Namen; und von drei ehrenvollen Erwähnungen außerdem ward eine einem Juden zu Theil. Ties Faktum spricht deutlich." — Wir bemerken hierbei nur, daß es auch eine Bequemlichkeitsmethode ist, die größere Frequenz der höheren Lehranstalten seitens der jüdischen Jugend aus der finanziell befferen Situation der Juden, statt aus dem größerem Bildungstriebe in den Eltern wie in den Kindern zu erklären. Die Proportton ist relattv so groß, daß offenbar auch die ärmeren Schichten der Juden ihr Contingent für diese höheren Lehranstalten stellen müffen. Und so ist es auch unserer Erfahrung gemäß. Bon«, 21. Jan. (Privatmitth.) Dem traurigen Bilde gegenüber, welches die Berliner Studentenschaft auch bei dem großen Festcommers zu Ehren des zehnjährigen Bestandes des deutschen Reiches zeigte, ist es wohl angethan, darauf hinzuweisen, daß die Bonner Universität gerade das Gegentheil aufweist. Und doch wäre gerade hier durch den „Culturkampf" für die Zwietracht auf religiösem Gebiete der fruchtbarste Boden gewesen, wenn nicht der Geist, der in der hiesigen Universität lebt, ein friedfertiger und wissenschaftlicher wäre. Auch hier fand am 18. d. ein allgemeiner Studenten- Commers statt, an welchem die große Mehrzahl der Studenten, sowie der Rector und viele Profefforen theilnahmen. Hier hatten Rector und Professoren keine Beranlassung. in ihren Ansprachen und Toasten zum Frieden und zur Eintracht zu ermahnen. Nur einer der letzten Redner spielte darauf an, wenn auch nur ganz allgemein. Die „B. Ztg." berichtet darüber: „Herr Profestor I. B. Meyer verglich alsdann im Hinblick darauf, daß die Universität in diesem Jahre unter medicinischem Scepter stehe, das junge Reich mit einem Kinde, das seine Kinderkrankheiten eben durchmache, die zum Theil nicht ganz unbedenklich seien, und führte diesen Gedanken weiter aus. Diese Krankheiten, wozu in erster Linie die Uneinigkeit gehöre, wollen Sie bekämpfen — so schloß der Redner — und so bringe ich ein Pereat aller studentischen Zwiettacht, die aus politischen und