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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-01 · Heft 5 (1.2.1881) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 5 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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> 74 tracht und des Hasses, welcher von außen über uns hereinzubrechen droht, einen festen Tamm entgegenzusetzen! Legen Ihre ganze frische, frohe Jugendkraft in die Wagschale, L>ie denn es handelt sich darum, Auffasiungen und Ansichten entgegenzutreten, welche dem akademischen Leben vollkommen fremd sind, und welche, wenn sie fortwuchcrn, wohl dazu angethan sind — ich muß frisch von der Leber sprechen — die letzte Vergangenheit in unser sonnenglänzendes Jahrhundert hinein.zutragen. Zum Schluß, meine Herren, hoffe ich, daß diese Feier der errungenen deutschen Einheit auch ein Fest sein werde der bekräftigten deutschen Eintracht, des gestärkten Friedens, der neubeseelenden Brüderlichkeit unter den Studirenden der Fridericia Guilelma. Daher bitte ich den Herrn Präsidenten, einen urkräftigen Salamander zu reiben, und geloben wir uns, für die Eintracht und den Frieden auf unserer Hochschule die besten Kräfte einzusetzen." — Als darauf noch Profeffor Mommsen, anknüpfend an das Lied „Stoßt an, Berlin soll leben", — den Kronprinzen mit einigen Worten gefeiert hatte, nahmen gegen 12 Uhr die zahlreich erschienenen Docenten Abschied, und der officielle Commers war bald beendigt. — Leider ist es, wie wir hören, trotz der so eindringlich zu Frieden und Eintracht mahnenden Rede des Rectors gegen Schluß des Commerses zu bedauerlichen Scandal-Scenen gekommen, zu denen wieder die „Antisemiten-Frage" den Anlaß gab, und selbst Thätlichkeiten find nicht ausgeblieben, zu zeschweigen von zahlreichen Contrahagen. Es bleibt eben zu wünschen, daß die Berliner Studentenschaft in noch ganz anderer Weise, als es bisher geschieht, die ihnen von so ausgezeichneter und selbst von hoher Stelle nahe gelegte Mahnung zum Frieden und zur Eintracht beherzigt. — Die Alters-Versorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde in der Großen Hamburger Straße 26 hatte sich am 20. des Besuches der Kaiserin zu erfteuen. Das Vorstandsmitglied Herr Julius Meyer übernahm die Führung der hohen Frau, welche heute zum zweiten Male seit dem Bestehen dieses wohlthätigen Instituts daffelbe betrat und geleitete sie zunächst nach dem großen Sitzungssaal. Die eine Wand deffelben nimmt ein Portrait des Kaisers in der Uniform der Gardes du Corps ein, welches von der Kaiserin der Anstalt zu ihrem 50jährigen Jubiläum im Jahre 1879 als Geschenk zuging. Von hier aus ließ sich die hohe Frau in die von den Hospitaliten bewohnten Räume geleiten. Auf dem langen dahinführenden Corridor hatte die weibliche Hausdienerschaft in ihren säubern uniformen Anzügen Spalier gebildet. Das erste Zimmer, welches hier betreten wurde, war das des 92jährigen Rabbiners Mendelsohn, der die Kaiserin mit einem Segensspruch empfing, dann das der 94jährigen Insassin Hirsch berg, bei welcher Gelegenheit die hohe Frau huldvoll äußerte: Ich finde lauter alte Bekannte wieder. .Die Kaiserin äußerte sich sehr befriedigend darüber, daß die Anstalt seit ihrem letzten Besuche sich bedeutend erweitert — sie beherbergt zur Zeit 95 Hospitaliten, 70 Frauen und 25 Männer — ebenso über den vorzüglichen sanitären Zustand, und betonte, daß sie in dem von ihr im vorigen Jahre besuchten Reichenheim'schen Gemeinde-Waisenhaus dieselben vor züglichen Einrichtungen gefunden habe. Berlin, 22. Januar. Vorgestern Abend hat der Stadtschulrath Cauer einen Vortrag über Lesfing gehalten, dem auch der Kronprinz mit seiner Gemahlin beiwohnte. Herr Cauer nahm „in sehr kräftigen und ernsten Worten" Stellung zur antisemitischen Bewegung und zeigte das „Schmachvolle und Berabscheuungswerthe" derselben. Nach der „Tribüne" haben der Kronprinz und die Kronprinzessin nach Schluß des Bortrages Herrn Cauer ihren Dank ausgesprochen, und es soll namentlich der Kronprinz, der zu dem Vortragenden auf das Podium trat, seine volle Uebereinstimmung mit den im Vortrag ausgesprochenen Anschauungen erklärt haben. Berlin, 23. Januar. Am Donnerstag Abend sollte in die Reichshallen eine zweite Arbeiterversammlung einberufen werden mit der Tagesordnung: „Das Vorgehen des Dr. Henrici in der Judenftage." Wie indeß der „Börsen- Cour." zu berichten weiß, soll diese Versammlung, zu der man auch die Herren Henrici, Stöcker und Ruppel einladen wollte, gestern Abend auf Grund des § 9 des Socialistengesetzes polizeilich verboten worden sein. Dieser § 9 lautet: „Versammlungen, in denen socialdemokratische, socialistische oder communistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats¬ oder Gesellschassordnung gerichtete Bestrebungen zu Tage treten, find aufzulösen. Versammlungen, von denen durch Thatsachen die Annahme gerechtfertigt ist, daß sie zur Förderung der bezeichneten Bestrebungen bestimmt find, find zu verbieten." Der „Börs.-Cour." erwartet, daß die Fortschrittspartei dieses Verbot im Abgeordnetenhause zur Sprache bringen werde. Bemerkt sei noch, daß die Versammlung von dem Bildhauer Blank, der der letzten Arbeiterversammlung präfidirte, bei der Polizeibehörde angemeldet worden war. (Für uns hat diese Nachricht die Bedeutung, daß, indirect durch dieses polizeiliche Verbot bezeugt wird, daß das Gros der Berliner Arbeiter durchaus gegen die Antisemiten gesinnt ist, was allerdings schon dadurch bewiesen war, daß Stöcker sich genöthigt sah, aus dem Titel seiner Partei das Wort „Arbeiter" zu streichen. Redact.) —. Nach einer Mittheilung des Dr. B. Förster, des Generalagenten der antisemitischen Petition, ist die Absendung dieser wiederum, und zwar auf Anfang März verschoben. Bis jetzt hat sie 60,000 Unterschriften — eine Zahl, die nach einer so angestrengten und geräuschvollen Agitation gegenüber der großen deutschen Nation eine recht dürftige ist. —. Königsberger und Danziger Zeitungen melden über- 1

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