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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-01 · Heft 5 (1.2.1881) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 5 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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72 Der Cylinder berichtet von vielen solcher Fälle; es war also, die bestimmte Politik des Cyrus, nach welcher die Juden aus Babylon entlassen wurden und nach den vor nicht vielen Jahrzehnten verlassenen Sitzen ihrer Väter zurückziehen konnten. Diese Rückkehr ist hierdurch vom geschichtlichen Lichte erhellt. Andererseits erfahren wir daraus, daß gerade unter Cyrus und den Achemeniden überhaupt Der Polytheismus im umfassendsten Maße herrschend war, und der Verfasser zieht daraus den Schluß, daß die Juden unter diesen Verhältnissen nicht haben zum Monotheismus kommen können, so daß, wenn sie diesen, wie es notorisch, aus Babylon mit zurückbrachten, sie ihn auch dahin mitgebracht haben müssen, der jüdische Monotheismus also ein ursprünglicher und uralter sein müsse. — Es folgt eine sehr interessante Arbeit „Epigraphische Noten" von A. Darmesteter, über die Benutzung mehrerer lateinischer und griechischer Inschriften, die bis jetzt unbeachtet geblieben und einiges Licht auf die Zerstörung Jerusalems und noch mehr auf den Aufstand des Bar-Kochba breiten. H. Dercnburg vergleicht Personennamen in der h. Schrift und in den himyaritischen Inschriften. Isidor Löb und A. Cahen bringen einige interessante Gegenstände aus der ftanzösischen Geschichte zur Sprache. Es folgt Vermischtes und Bibliographisches. Man ersieht hieraus, daß die ftanzösische Vierteljahrsschrift einen recht befrie-; digenden Anfang genommen und sind wir überzeugt, daß der 1 Fortgang dem entsprechen wird. Deutschland. Berlin, 21. Jan. Die antisemitischen Studenten haben wieder eine Versammlung gehalten. Es sollen etwa 800 Studenten dagewesen sein. Das Referat hatte Studiosus v. Schramm übernommen, welcher es als Aufgabe der Deutschen hinstellte, sich von den jüdischen Parvenüs zu emancipiren, und den Juden successive Auswanderung nach Palästina empfahl. Studiosus Haun wandte Cicero's Rede gegen Catilina auf die Juden an und unterzog die letzte judenfreundliche Arbeiterversammlung und die philosemitische fortschrittliche Wählerversammlung einer Krittk. Ein größere und zugleich lächerlichere Anmaßung giebt es wohl nicht! — Das provisorische Somite deutscher Studirender jüdischer Religion erläßt folgende Erklärung: Die antisemittsche Bewegung hat sich von dem Boden aus, auf welchem die verschiedensten Parteiinteressen sich verbunden hatten, um sie zu erzeugen, sie fortzuerhalten und zu verbreiten, leider auch in die Kreise unserer alma mater übertragen. So lange sie sich in ihrer Tendenz darauf beschräntte, unsere ursprüngliche genealogische Verschiedenheit und unsere religiöse Eigenart zu urgiren, um daraus Angriffe gegen unsere polittsche und sociale Gleichberechtigung herzuleiten, konnten und mochten wir in der Ueberzeugung, daß jene Mottve von dem intelligenteren Theile unserer Commilitonen in ihrer Nichtigkeit erkannt werden müssen, aus der uns geziemenden Pasfivität nicht heraustteten. Nunmehr aber hat sie unter ihren Anhängern an unserer Universität eine neue Gestalt angenommen, die einen für uns geradezu injurieusen Charakter ttägt. Sie umkleidet sich mit einem nattonalen Nimbus , der die beleidigende Insinuation in sich birgt, als ob wir die Bekenner der jüdischer: Religion antinattonal und .keine Deutschen seien. Wir hatten es daher angesichts dieser Umstände für angezeigt, jenen Angriffen gegenüber Stellung zu nehmen und einen allgemeinen Protest seitens der deutschen Studirenden jüdischer Religion an der hiesigen Universität zu veranlassen. Im Aufträge des provisorischen Comitös deutscher Studirender jüdischer Religion: N. Golliner, stuck. math., Dorotheenstraße 85; Ludwig Levy. stud. hist., Dragonerstraße 4; El. David, stud. phil.. Linkstraße 37; M. Samuel, eand. med., Borfigstraße 8. — Es wäre ein Jrrthum, wenn man vermeinte, daß die antisemitischen Agttatoren ihre Sache fallen ließen. Sowohl Stöcker als Henrici haben in voriger Woche ihre Versammlungen gehalten. Es dreht sich bei ihnen immer um ein und dasselbe, und man muß sich verwundern, daß die Nationalzeitung noch Spaltenlange Referate darüber bringt, während die meisten übrigen Berliner Zeitungen sich dessen entheben zu können glauben. Echt Stöckerisch war es, daß er auf die Frage, wie er zu den Bestrebungen des Herrn Henrici u. s. w. stehe, dem Fragesteller persönlich zu antwotten verspricht. Offener ist Henrici, der erklärte, er gehöre nicht zu den „Christlich-Socialen". In der Versammlung des letzteren traten 5 oder 6 Redner, namentlich Arbeiter g egen die Antisemiten auf, wurden aber sofort nach Anfang ihrer Rede niedergeschrieen. Auch zeigte es sich deuttich, daß der ganze Sturm nur ein Manöver für die nächsten Wahlen ist, und Henrici stellte sich als zukünftigen Candidaten vor. — Außer Straßmann ist es besonders der tapfere Abg. Ludwig Löwe, der den Haß der Antisemtten auf sich gezogen. Er veranlaßte deshalb am 17. Abends eine Wählerversammlung im I. Berliner Reichstags-Wahlkreise, die von etwa 2000 Personen besucht war. Bon lebhaftem Beifall begrüßt, hielt Ludwig Löwe einen Bortrag über „unsre polittsche Lage". Die Rede wurde oft durch lebhaften Beifall unterbrochen. Wir geben hier einige Sätze aus dem Schluß

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