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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-01 · Heft 5 (1.2.1881) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 5 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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ziger und siebziger Jahren die nationale Idee die Deutschen ergriff und beherrschte, und sie als den einzigen Rettungsanker betrachten ließ; wie jedes Werk, das den Stempel der nationalen Idee an sich trug, mit Jubel empfangen und durchaus nicht wiffenschaftlich geprüft, sondern nur in seiner Wirksamkeit für die nationale Idee erfaßt wurde. Die Kritik und die Publizistik dienten dieser Tendenz mit der größten Rücksichtslosigkeit. So wirksam dieses Verfahren vom praktischen Standpunkte aus war, so „haben wir jetzt doch die Folgen zu tragen". Die nationale Phrase ist im Besitze der Macht, die wir Alle mehr oder weniger ihr zu erobern mitgearbeitet haben. Jetzt wird sie mißbraucht, wird der nationale Gedanke durch ihren gewaltigen Einfluß auf bedauerliche Abwege geleitet, und als Sturmbock bei verwerflichen Angriffen benutzt. „Ist es doch wahrlich weit genug mit uns gekommmen und giebt es doch bald keine schlechte Sache mehr, die sich nicht das Mäntelchen des Patriotismus und der nationalen Gesinnung umhinge, wenn sie das deutsche Volk über ihren wahren Charakter täuschen will. Wenn cs sich darum handelt, blühende Industrien und blühende Städte zu opfern; wenn es darauf ankommt, die Lasten des Staates von den Schultern der Tragfähigen auf die Armen abzuwälzen; wenn man es darauf anlegt, hunderttausende von Staatsbürgern ihrer wohlverbürgten Rechte zu berauben und mittelalterlichen Verfolgungen preiszugeben; — immer wieder und immer wieder ist es der hohe und heilige Name des Vaterlandes, der solche Anschläge decken muß, immer wieder die nationale Phrase, die über alle Bedenken des Gewiffens, über alle Scheu vor den Rechten Anderer, über alle Skrupeln vor der Heiligkeit der Wahrheit hinweghelfen soll." Der Vers, sieht mit Recht, daß aus diesem Mißbrauch des nationalen Gedankens die entgegengesetzte Strömung hervorgehen und der Partikularismus erstarken werde. Tritt dieser doch und zwar der preußische in Herrn v. Treitschke unter dem Deckmantel der nationalen Idee selbst aufs Stärkste hervor; „mit voller Energie-, sagt der Berf. weiter, „wird man sich gegen die wenden müssen, welche die nationale Phrase heute zur Judenhetze und morgen zu socialistischen Experimenten, heute zum Ruin des armen Mannes und morgen zur Vergewaltigung der Einzelstaaten mißbrauchen. Der Großmeister der nationalen Phrase ist aber ohne Zweifel Heinrich v. Treitschke." — Von hieraus nun bespricht der Vers, das neueste Geschichtswerk Treitschke's, und folgt ihm da auf all seinen Kreuz-, Quer- und Schlupfwegen. Natürlich vermag er dies nicht durch das ganze starke Werk, wozu sonst ein doppelt so starkes nöthig wäre. Er beschränkt sich daher auf die Jahre 1803—5, und da erfahren wir reichlich genug. Wir verweisen auf die Artikel selbst. Wie meisterhaft ist die Charakterifirung der ganzen Methode Treitschke's, die allerdings jeder wahrhaften und treuen Geschichtsforschung in's Gesicht schlägt, sowie die Darlegung, welch unmeßbarcr Schaden aus dieser Art Geschichtsschreibung hervorgehen muß. Wir begnügen uns hiermit, indem wir auch hier die Hand der Vergeltung erkennen, die nicht allzulang auf sich warten läßt. Literarischer Wochenbericht. Indem wir unsere regelmäßigen Berichte über die neuesten Erzeugnisse der uns an dieser Stelle interessirenden Literatur wieder anheben, stellen wir füglich die Fortsetzungen früher angezeigter Werke voran. Hier haben wir die 13. Lieferung des „Neuhebräischen und Chaldäischen Wörterbuches über die Talmudim und Midraschim. Bon Rabbiner Professor Di'. I. Levy. Nebst Beiträgen von Professor H. L. Fleischer" (Leipzig, Brockhaus. 1880) zu verzeichnen. Die Lieferung geht von bis ya, bringt also den Schluß von v und den Anfang von;, wobei recht bedeutende Nachträge von Prof. Fleischer zu dem Buchstaben d hinzugefügt sind. — Bon der „Bibliotheca Rabbinica, eine Sammlung alter Midraschim zum ersten Male ins Deutsche übertragen von Lie. Dr. Aug. Wünsche". (Leipzig Otto Schulze 1880) ist die siebente Lieferung erschienen, welche den Schluß des Midrasch Schir Ha-Schirim enthält. Wir haben demnächst von dem Midrasch zu den fünf Megilloth zwei vollständig übersetzt, zu Koheleth und Schir Ha-Schirim, und hoffen wir bald die Fortsetzung des Midrasch zu Bereschith zu erhalten. Dem vorliegenden Hefte sind Noten und Verbesserungen von Rabb. Dr. I. Fürst und dem Uebersetzer hinzugefügt. — Bon dem „bibliographischen Lexicon der gesummten jüdischen Literatur der Gegenwart und Adreß- Anzeiger Ch. D. Lippe's" (Wien, Löwy 1881) erhalten wir die 7. und 8. Lieferung, welche außer dem Schluß von Z. Nachträge und ein Berzeichniß der jüdischen Zeitschriften nebst mehrfachen Registern enthalten, womit das nützliche Werk vollendet ist, dessen Ausarbeitung außergewöhnliche Anstrengungen gekostet haben muß. — Bon dem vortrefflichen Werke: „Legislation civile du Thalmud“ von Dr. I. M. Rabbinowicz, von dem wir das Erscheinen des zweiten, dritten, vietten und fünften Bandes wiederholt und ausführlich besprochen haben, liegt uns jetzt der erste Band vor. Nach der Aussage des Verfassers war ein Hauptgrund, daß er diesen ersten Band später erscheinen ließ, der, daß er ihm eine allgemeine Einleitung voranstellen wollte, während er den anderen Bänden Einleitungen in spezielle Gegenstände mitgab. Ter vorliegende erste Band bringt jedoch diese allgemeine Einleitung nicht, sondern verschiebt diese an den Schluß des sechssten Bandes, der noch zu erwarten steht. Dagegen bringt dieser erste werthvolle Aufsätze über die „Gesetze zur Verhütung des Bösen, die rabbinische und die heidnische Ju-

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