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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-01 · Heft 5 (1.2.1881) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 5 (1.2.1881)
Date
1881-02-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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einem Fähnlein aufgestellt, welches ein zweiter, ebenfalls mit einem Fähnlein versehener Gerichtsdiener, der dem Berurtheilten zu Pferde folgte, stets im Auge behalten mußte. Sobald sich Jemand bei den Stadtältesten mit neuen Entlafiungsbeweisen meldete, schwenkte der erste Beamte sein Fähnlein, auf welches Zeichen der zweite den Berurtheilten sofort vor die Richter zurückführte. Das Gleiche, und zwar bis fünfmal, mußte der zweite Beamte auch thun, wenn der Berurtheilte selbst vorgab, sich noch auf neue Beweise seiner Unschuld besonnen zu haben. Dem sich langsam fortbewegenden Zuge schritt außerdem auch noch ein Herold voran, der dem Volke ununterbrochen mit lauter Stimme zurief: „Dieser Mensch (den er mit Bor- und Zunamen nannte) wird wegen des Verbrechens (das er bezeichnete) zum Tode geführt; die Zeugen, welche gegen ihn aussagten, waren folgende. Wenn Jemand zu feinen Gunsten Angaben zu machen vermag, so spute er sich!"^) Sollte es dennoch zur Hinrichtung kommen, reichte man dem Berurtheilten, ehe er ans dem Executionsplatz angelangt war, ein betäubendes Getränk, damit er die Qual der Todesangst weniger empfindeb). (Schluß folgt.) Herr von Treitschke als Geschichtsschreiber. Herr v. Treitschke hat sich nicht blos zum Richter der deutschen Juden aufgeworfen. Er schritt vielmehr unprovozirt als Parteigänger zum Angriff gegen uns vor und bediente sich der unbegründetsten Behauptungen, der die Geschichte widerspre chendsten Meinungen, der unzählige Male widerlegten An schuldigungen, der offenbarsten Verdrehungen und Uebertreibungen mit der Maske der größten Gewißheit und der vollgültigsten Ueberzeugung. Noch mehr; er war es, der den bis dahin noch sehr bescheiden auftretenden Antisemiten durch sein Beispiel die Scheu vor der öffentlichen Meinung, vor aller Wahrheit und allem Recht nahm und ihnen durch seine Autorität eine Folie gewährte, die sie in ausgiebigster Weise be nutzten. Ein solches Verfahren berechtigt uns nicht nur. sondern verflichtet uns, den Mann auf alle Titel des Ansehens deutung, eine Staatsschrift „Berlin und Petersburg", gekennzeichnet und verurtheilt. Bon seiner politischen Kurzsichtigkeit und Parteilichkeit wurden in dieser Schrift ergötzliche Beispiele beigebracht. Wie nun als Geschichtsschreiber? Sein neuestes Werk „Die Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert" hat einen bedeutenden Erfolg gehabt. Jndeß weiß Jedermann, daß der Erfolg eines Buches nichts über deffen wahren Werth entscheidet. Das Publikum wird oft durch gewisse Eigenschaften einer Schrift wie verblüfft; sie trifft gewisse Neigungen der Zeit und sagt dadurch dem allgemeinen Publikum ganz besonders zu. Dann aber erwacht die Kritik, und die gründliche Prüfung deckt recht häßliche Eigenschaften desselben Buches, ganz verwerfliche Dinge an ihm auf. Wir haben vor einiger Zeit ein ähnliches Beispiel an Hellwald's Culturgeschichte gehabt, die schnell hintereinander zwei Auflagen erfuhr, dann aber von der fachmännischen Kritik in allen ihren Verirrungen entblößt wurde und seitdem spricht Niemand von ihr. Ein gleiches Geschick ereilt jetzt den Geschichtsschreiber Treitschke. Es versteht sich von selbst, daß wir uns nicht berufen fühlen, diese Kritik zu üben. Besäßen wir sogar die Fähigkeit dazu, würde es uns unräthlich erscheinen, da man uns als parteiischen Richter verwerfen würde. Wir haben aber bereits einen anderen Gewährsmann anzusuhren, eine christliche Feder, einen gründlichen Kenner. In der „Weser-Zeitung", in den Nummern vom 4—6. Januar ist eine Reihe von Artikeln zu lesen, überschrieben: „Die gewerbsmäßige Geschichtsverfälschung des Partikularismus". Sie geben eine vom Standpunkt wahrer und treuer Geschichtsschreibung vernichtende Kritik des jüngsten Werkes von Treitschke. Es sind nicht Phrasen, die hier gegen Tr. geschleudert werden. sondern der thatsächliche Beweis wird logisch und quellenmäßig geführt. Die Kritik richtet sich auch nicht gegen die Phrasen Treitschke's, sondern gegen die Darstellung der Fakten. Hier ist es nun interessant für uns, wie sich in dem großen Rahmen der neueren deutschen Geschichtsschreibung ganz dieselben Eigenthümlichkeiten Treitschke's abspielen, die er in seinen antisemitischen Artikeln bekundet. Dieselbe Parteilichkeit, dieselbe Gehässigkeit gegen Personen und Richtungen, die ihm nicht in den Kram passen, dieselbe Verdrehung der Thatsachen, um die eine Seite zu glorifiziren, die anzu prüfen, auf welche er Anspruch macht. Treitschke ist. abgesehen von seinem Lehramte, Politiker (als Publizist und! pere möglichst zu vernichten, dieselbe Schlauheit, ein Korn Abgeordneter) und Geschichtsschreiber. Als Politiker wurde! Wahrheit zu einem ganzen Scheffel aufzublasen, um die Wahrer, wie wir in Nr. 42 des vor. I. zu zeigen Veranlas-! heit zu verdecken, die ihn widerlegen würde, dieselbe Sucht, sung hatten, durch eine Schrift von höchster politischer Be-! sich einen Prügelknaben auszulesen, der die Sünden des co - r v - cw_x /-cs. c c. m! ganzen Geschlechts, der ganzen Zeit zu büßen habe. 5; Ern Bepprel einer auf dreie Art zu Stande gebrachten Revision 0 , ° ° und Cassafton eines Todesuriheils liefert die Erzählung von Snsanna. j Man braucht z. B. nur den Kanzler Hardenberg, wie ihn Die Geschichie mag immerhin apokryph sein, die Aufschiebung des! ^eitschke darstellt, genauer zu betrachten, um zu erkennen, daß Urtherlsvollznaes und das Revisionsverfahren, von der sie berichtet, . . . . entsprechen jedenfalls den Bestimmungen des jüdischen Criminali er ihn gerade so behandelt wie die Hilden m seinen proceffes. B.! Artikeln f.) Alle obigen Daten finden sich in Cap. ITT und IV Ar Svne- , * _ , _ ... . «iriis. B. Der Berfa per lener Artikel zeigt zuerst, wie in den sechs-

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