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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-01-25 · Heft 4 (25.1.1881) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 4 (25.1.1881)
Date
1881-01-25
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 gewandt und der schmutzige Spott fand seinen Ausdruck. Ties Alles mußte uns in unserem innersten Seelenleben erschüttern, ergreifen, Niederdrücken. Die Frage liegt nahe: wie haben wir diese Vorgänge anzusehen, wie uns ihnen gegenüber *,u verhalten? Bor Allen:: stehen wir fest auch in diesem Kampfe! Und wodurch? Nicht dadurch, daß wir Gleiches mit Glcichem vergelten, daß wir Haß mit Haß, Feindseligkeit mit Feindseligkeit, Schimpf mit Schimpf erwidern, daß, wo man unsere Schwächen verspottet, die Schwächen Anderer mit Spott überschütten, wo man uns verfolgt, wieder verfolgen, wo man uns ausschlicßt, wir uns auf uns selbst zurückziehen — nein! wir müssen in der ganzen Linie unsere Gegner widerlegen und zu Schanden machen durch unsere Thaten, durch unsere Handlungsweise. Hegen wir keinen Groll. Dem Vatcrlandc, dem Staate, der Gesellschaft unser bestes Streben, unsere ganze Hingebung. Wo gemeinnützige Bestrebungen und Werke vorhanden, schließen wir uns auch fernerhin zu möglichster Förderung an. Wo wir zu öffentlichen Aem- Boden der Verfassung und des Gesetzes allzu sicher, so wurden wir belehrt, daß Jahrtausende hindurch genährter und bethätigter Haß, Ausschließungssucht, Neid und Bekehrungssucht nicht mit einem Male aus der Welt verschwinden, sondern begünstigende Umstände benutzen, sich noch einmal geltend zu machen und den Boden der Gesellschaft zu erschüttern. Ihr Toben erfüllt die Luft, das stark und allgemein zu sein scheint. Aber ihre Tage sind doch gezählt, und der Widerstand erhebt sich und gewinnt die Lbmacht wieder. Haben wir hierfür nicht schon die sichersten Anzeichen? Haben nicht die besten und edelsten Männer der Nation, nicht die angesehensten Aemter der großen Städte ihre Stimme gegen diese Agitation erhoben? Wächst nicht täglich der Theil der Tagesliteratur, der uns vertheidigt? Werden nicht Bcrsammlungcn den antisemitischen Clubs gegen übergestcllt? Find unsere Gegner nicht schon gespalten und der eine Theil derselben dcmentirt den andern? Hat nicht der größte Theil unseres deutschen Vaterlandes den ganzen Streit zurückgcwiescn, so daß er jetzt eigentlich nur auf die Reichshanptstadt und den Sitz des Reichsgerichtes beschränkt tern berufen werden, nehmen wir sic an und widmen wir! ist? Hat nicht das gcsammte Ausland, die ultramontanc uns ihnen mit aller Kraft und Pflichttreue. Wo wir Wohl-^ Presse ausgenommen, ihr Verdiet gesprochen? Ist dies nicht thaten zu üben vermögen, thun wir cs ohne irgend lvclche j Alles Bürgschaft genug, daß der Flamme jener niedrigen Berücksichtigung. Nirgends zu dringlich, aber auch nicht ab- Leidenschaften bald die Nahrung ausgehen und sie verrauchen stoßend, dem Wohlwollenden gegenüber unbefangen, dem Mißwollenden nicht heftig, aber fest und entschieden entgegentretend. Allerdings ist es nothwcndig, daß wir Ucbelthätern aus werde? Wie traurig demnach die ganze Erscheinung ist, und wie manche Nachwirkung sie noch längere Zeit hindurch haben wird — wir dürfen dies durchaus nicht unterschätzen — unserer Mitte, soweit es an uns ist, auch entgegcntretcn, da I sie gehört nicht zu den Elementen unserer Zeit, sie taucht nur einmal die Vergehen Einzelner unserer Gesammthcit zur Last unter dem Schutze dunkler Mächte, derselben, welche das Gcgclegt werden. Wir müssen nach der uralten Vorschrift Alles verurtheilen, was unsere Gegner zu einer Schmähung unserer Religion und unseres Stammes verwenden könnten. Alles fördern, was ihnen zur Ehre gereicht. Mit einem Worte, alle diese Feindseligkeiten dürfen uns nicht irre machen, sondern nur dazu dienen, uns auf den Wegen der Humanität, des Patriotismus, der Gesittung und Bildung, der Förderung aller gesellschaftlichen Zwecke und Ziele zu befestigen! Und wodurch wird uns dies möglich sein? Dadurch, daß wir uns in unserer Anschauung, in unseren Ansichten überWeltordnung, menschheitliche Entwickelung. Sieg der Wahrheit und des Rechtes, Vertrauen auf die Zukunft nicht irreschlecht in das Mittelalter zurückdränaen möchten, wieder ans aus vergangener Zeit, zeigend, daß ihre Wurzeln zwar noch nicht ganz verwest sind, aber doch unvermögend, neue Schößlinge zu treiben! Eines lastet uns festhaltcn: unsere Religion hat mit dem ganzen Streite nichts gemein. Mag immerhin bei vielen unserer Gegner der alte Religionshaß und die Bekehrungssucht eine Rolle spielen, unsere Religion wird davon nicht berührt. Schmäht man sie, nennt sie „verknöchert" und „ideenarm", zu welcher Zeit geschah dies nicht? Wir wisten es besser; was hat uns durch die Jahrtausende an dieselbe gefesselt, wenn nicht die Fülle ihres intellektuellen und gemüthmachen lasten, sondern immer zuversichtlicher werden und mit lichen Inhalts, wenn nicht die Reinheit ihrer Gotteserkenntfestem Blicke den Gang und Verlauf der Ereigniste betrachten, niß, ihrer Sittenlehrc und socialen Principicn? War sic Was wir erlebt haben und erleben, ist vorübergehend. Aus! nicht für alle Erscheinungen auf dem religiösen Gebiete seit Leidenschaft und Jntrignc entsprungen und genährt, kann cs! zwei Jahrtausenden bis zum heutigen Tage die immer frische nicht dauerhaft sein. Auf dem Wege lügnerischer Anschuldi- Quelle der lauteren Gotteslehre? Wohl, wir bekennen und gungen, verleumderischer Behauptungen gropgczogen, vermag; üben sie, und gerade deshalb lieben wir unser Vaterland, es dem Lichte des Tages nicht lange zu widerstehen. Unsere i erfüllen die Pflichten gegen den Staat und die Gesellschaft, Zeit der Oeffcntlichkeit und der Kritik kann eine solche Miß-' und wer unter uns dies nicht thut, der sündigt zugleich gegestalt nicht lange ertragen. Fühlten wir uns auf dem gen seine Religion, wie dies unter allen Glaubensparteien Grunde der Principicn der modernen Gesellschaft, auf dem vorkommt.

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