Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1881)
- Date
- 1881-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich j einmal in 2 bis 2'/» Bogen. Preis i Vierteljährig »Mart. Inserate werden l mit 20 Pf. für die dreiqewalkene Petit- -eile oder deren Raum berechnet.! Alle Postämter (Postzeitungsliste Nr. 95) und Buchhandlungen nehmen | Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Vertag von Baumgärtncr's Buchhandlung in Leipzig. | In redactionellen Angelegenheiten! | wende man sich an Dr. £. Pfitlippfon in I Bonn: hinsichtlich der Inserate an R.!! Masse in Leipzig und dessen Filialen j in Berlin» Breslau:c. l Zalerale, welche bis Doanrrstag eingeben, >! finden in der darauffolgenden Nummer! > Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1-2 Mark berechnet. 45. Zahrgaug. Leipzig, den 25. Januar 1881. No. 4. Inhalt. Leitende Artikel: An unstre Glaubensgenossen. — Der Umschwung in Berlin. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Bremerhafen, Hamburg, Torimund, Bre-lau, Essen, Srraßburg, Nürnberg, Ulm, Aus Württemberg. — Fraukreich: Paris. — Großbritannien: London. — Italien: Aus Lberitalien, Saoona. — Rußland: Tuckum. — Serbien: Belgrad. — Rumänien: London, Botuschan. — Marokko: Tanger. — Bonn: Notizen. — Pest: Notizen. Xcilc'nc'c driilrot. Bonn, 19. Januar. Än unsere Glaubensgenossen.! Die Erlebnisse der letzten zwei Jahre mußten aus uns j Juden einen tiefgehenden Eindruck machen. Zwar trafen fie! insbesondere die deutschen Juden. Aber der Geist dieser Agij tation war doch gegen das gesammte Judenthum und wider alle Juden gerichtet, so daß die Bekenner unserer Religion in allen Welttheilen in Mitleidenschaft gezogen wurden und das Gefühl der Entrüstung über all' die Schmach, die man uns anthat, auch ihre Gemüthcr durchzittern mußte, wenn auch das ganze Ausland in derVerurtheilung dieser Verfolgung einig war. Daß die Organe des llltramontanismus, und zwar nicht blos in Deutschland, und die der protestantischen Reaction seit Jahren schon den Boden unter unseren Füßen zu durchwühlen suchten, wurde leichthin genommen, als zum Charakter dieser Parteien gehörig, welche aus eine allgemeine Zustimmung nach keiner Seite hin rechnen könnten. Auch als von ganz anderem Standpunkte her der wüthendste Angrift erfolgte, glaubte man in den Uebertreibungen, in den Lügen, in der Exaltation deftelbcn die beste Schutzwehr gegen ihn zu haben. Aber es kam doch anders. Von unsichtbaren Händen unterstützt, durch uns unbekannte Geldmittel gefördert, trat die Agitation in breiter Linie hervor, wurde so laut und kühn. fachte das alte Borurtheil und den alten Haß so geschickt wieder an, benutzte die kritische Lage der finanziellen und industriellen Welt, daß sie an Stärke und Ausdehnung von Tag zu Tag gewann. Ihr gegenüber war außer der Polemik, welche einzelne jüdische Schriftsteller führten, Alles still; die Liberalen und die liberale Presse wichen feige vor dem Geschrei der Gegner, daß sie Juden und Judengenosien seien, zurück. Ja, Pseudo-Liberale und pseudo-liberale Zeitschriften traten an die Spitze der Antisemiten "und munterten sie möglichst aus. Diese gaben sogar vor, daß sic von maßgebenden Kreisen gern gesehen würden und erfuhren keine Dementi. Es schien einen Augenblick, als ob ganz Deutschland dem Strudel dieser Fluth folge. Was haben wir da nicht Alles erfahren! Man grift uns in unseren heiligsten Gefühlen an. Unsere Religion wurde erniedrigt und geschmäht, ihrer Sittenlehrc das Ungeheuerlichste und Gehässigste insinuirt; die Geschichte unseres Glaubens und Stammes gefälscht. Unseres Vaterlandes wollte man uns berauben, unseren Patriotismus verdächtigen, unsere gesellschaftliche Stellung verkümmern und verbittern. Man richtete das Geschoß gegen unsere staats-! bürgerlichen Rechte und strebte dabin, uns in allen Existenzfragen den Boden hinwegzuziehen: von allen öffentlichen Verrufen sollten wir wieder ausgeschloften, von allen Wahlen > verdrängt, in Industrie und Handel, in Fabrik und Hand- I werk beschränkt werden. Alles machte man uns zum Borr wurs, selbst die Erziehung unserer Jugend, wenn wir sie zu! Bildung und Gesittung führen wollten. Alle unsere Bestrebungen und Leistungen wurden geleugnet oder ins Gegentheil 4