Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 122 (11.10.1838)
- Date
- 1838-10-11
- Page
- Seite 493 (sequence 3)
- Language
- German
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493 Erziehung verbreiten möchten, fo wenig liegt doch das hier in unsrem Thema, wo wir nur Lm Allgemeinen von den Reformen mancher Beschäftigungen zu reden haben. — Nicht Jeder besitzt Mittet und Beruf zu höhrer Ausbildung, ja, es wäre schlimm, wenn sie jeder besäße; die Masse der Gelehrten und Gebildeten würde uns dann zur Last fallen, und man hätte Recht, uns einer thörichten Einseitigkeit zu zeihen, wenn wir die Meinung hegten, es sei uns nur mit höhrer und gelehrter Bildung geholfen. Indessen muß Jeder eingestehn, daß seit zwanzig Jahren das Erstaunliche geschehen ist, bei unfern Glaubensgenossen in Bezug auf wissenschaftliche Bildung, und daß von uns große Befähigung für Kunst und Wissen an den Tag gelegt worden ist. Ich mag hier nicht die große Reihe der Namen aufführen, die, jüdischem Ursprünge entsprossen, in neurer Zeit die Gebiete der Poesie, der Künste glücklich mit dauernden Werken bereichert haben, weil es wie Anmaßung aussehen könnte, obwol wir mit gerechtem Stolz auf diese Namen Hinblicken dürfen. — Der Landbau ist eine der edelsten und befriedigendsten Beschäftigungen im Leben. Könnten wir es dahin bringen, daß sich unsre Glaubensgenossen inniger als bisher mit dem Landbau befreundeten, es wäre ein großes Glück! Indessen liegt es in der Natur .unsrer Verhältnisse, daß wir uns dieser edlen Beschäftigung nur nach und nach nähern können; nicht weit es uns an Liebe zur Arbeit fehlt, sondern weil es gerade der' Classe, auf die jede Veredelung besonders Rücksicht nehmen muß, an Mitteln zum Grundbesitz fehlt, und weit zur Zeit noch einige Mißstande existiren, welche die Zeit entfernen muß. Dem Landbau waren die Juden während ihrer Blüthe sehr ergeben, ja sie waren gesetzlich darauf hingewiesen. In den Zeiten der Drangsale zog man sie, boshaft genug, von dieser ehrbaren Thätigkeit ab. Jetzt, wo der Himmel sich klärt, und ein besseres Gestirn den Juden leuchtet, werden sie sich dieser belohnenden Lebensthätigkeit, dem Landbau, gerne und freiwillig in die Arme werfen. Der Schweiß der Arbeit, mit dem Boden vermählt, giebt ihnen dann vielleicht eher ein Recht auf bürgerliche Gleichstellung, als das Blut, das sie auf Vaterlandsboden für Vaterlandsehre vergebens verspritzt haben. Wem fallen hier nicht die unerfüllt gebliebnen Versprechungen ein, die man einst auch den jüdischen Kämpfern machte, als Deutschland von der Fremdherrschaft bedrückt war? Schmerzliche Erinnerung! — Der Handel, der vielangefochrene, wenn er redlich und anständig getrieben wird, ist nicht nur ein sehr ehrbarer Lebensberuf, er wirkt auch heilsam für die Mitmenschen, und bedingt die Blüthe jedes Staats. NützHch und ehrbar ist aber durchaus nicht btos der Großhandel, sondern auch jedes kleinere, mit bescheidnen Mitteln getriebene, ehrbare Geschäft. Wer sich diesem mit Eifer und redlichem Willen hingiebt, ist immerhin ein sehr achtungswerther Staatsbürger. Verächtlich ist aber nur der sogenannte Nothhandel, nicht weil er meist von unbemittelten und verwahrlosten Leuten getrieben wird, sondern weil er erniedrigend getrieben wird, und jede Erniedrigung den Menschen schändet; weit er ferner aus einer Zeit datirt, die trübe Erinnerungen für uns hat, und — weil er höchstens gegen den Hungertod, aber nicht gegen Elend und Verarmung schützt! — Wenn man nun der armem Classe unsrer Glaubensgenossen rathet, diesen unehrbaren Handel zu fliehen, ist das nicht ein sehr menschlicher Rath? Wenn man ihnen zuruft: Vertauschet dieses ärmliche Geschäft mit einem ordentlichen Gewerbe, dürfen und können sie diesem Zurufe das Ohr verschließen? Nimmermehr! Zu unscerEhre sei's gesagt: wir haben dieser wohlmeinenden Stimme Gehör gegeben. Unendlich viele unsrer ärmern Brüder haben ein bessres Loos gesucht, als in Erniedrigung ihr Brod zu genießen; unendlich viele haben diese bessere Bestimmung in den Handwerken gefunden. — Aber auch für die Zukunft kann man der armem und Mittlern Klasse nicht laut genug zurufen: Eilet in die Werkstatte, erlernet Handwerke, gebt euch nützlichen Handtkrungen hin, eure eigne Ehre und das Wohl eurer Jugend fordert es dringend! Das Handwerk bereichert zwar nicht, aber es ernährt, und gewährt einen ruhigen und freudigen Genuß des Erworbnen, wie ihn mancher Ueberfluß nicht gewährt. Lebt man auch beim Handwerke so zu sagen von Tag zu.Tag, so bringt doch auch der folgende wieder seinen bescheidnen Lohn, und wenn dem Handwerker Arbeitskraft und Arbeitslust bleiben, so darf ihm niemals um das Nothwendige zum Leben bange sein. Bedarf man mehr für bescheidne Ansprüche? Jeder andere Lebensberuf ist eher Wechselfällen ausgesetzt, als das Handwerk, das auf dauernde Zufriedenheit berechnet ist. Und dann, wie adelt das Handwerk den unbemittelten Menschen? Der Handwerker steht mit denen, die ihm Nahrung geben, von Gleich zu Gleich, er hat btos höflich zu sein, nie zu kriechen, denn er nützt in seinem Kreise, wie jeder andere in dem seinigen. Mit Selbstgefühl kann er jedem, der etwa auf ihn hecabsehen will, sagen: das durch Arbeit Erworbene erniedrigt nie, wol aber manche andere Erwerbung, die weniger redlich als leicht gemacht wird. Darum, Glaubensgenossen, mit Liebe ans Handwerk, es bringt eine geachtete Stellung, und, was noch mehr sagen will, es bringt Zufriedenheit. — Unser hiesiger Professionisten - Verein nun, der jetzt bei-