Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 122 (11.10.1838)
- Date
- 1838-10-11
- Page
- Seite 492 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3224856-3224979--01342-3307905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
492 ten den hochgefeierten Meierbeer^ angkngen, ein Lied für unsre Synagoge zu komponiren. Möchte der kosmopolitische Tonmeister, wie er genannt wird, seine göttliche Leier doch einmal auch für den Gottesdienst seiner Glaubensgenossen ertönen lassen, daß in der feierlichen Widerherstellung des jüdischen Gottesdienstes auch sein Name ewig und unverlöschlich lebe!. Tages-Controle. Einleitung zum jüngsten Rechenschaftsbericht des Mainzer israelitischen Professionisten- Vereins. (Von Dr. med. Eduard Reis in Mainz). Für die bessere Gestaltung unserer religiösen und bürgerlichen Verhältnisse hat die neuere Zeit keine wichtigere Epoche aufzuweisen, als die beiden letzten Jahrzehnten, und vielleicht wird das nächste Jahrzehnt eines der wichtigsten sein, die in dieser Beziehung unsre Geschichte aufzuweisen hat. Denn, trügen uns nicht alle Zeichen, so ist der Genius nicht mehr ferne, der uns den Balsam für alle Wunden der Vorzeit bringt, der Genius, der uns an der Hand der Eivilisation zugeführt, und den Namen „Emancipation" tragen wird. — Wir sahen nämlich in der erstgenannten Epoche in Bezug auf unsre Glaubensgenossen zwei mächtige Bestrebungen sich begegnen, und sich friedlich einander die Hände bieten zum Heile der Gesammtheit. Auf der einen Seite traten Menschlichkeit und Rechtlichkeit, die dem biedern Deutschen zumal niemals fehlen, zusammen, um die letzten Spuren einer unwürdigen Verfolgung aus der Erinnerung der Zeit wegzumerzen; und auf der andern Seite boten Aufklärung und wahre, achte, tkefgewurzelre Religiosität alle Kräfte auf, uns selbst von so manchem kranken Vorurtheile zu heilen, das sich in trüben Zeiten in unsre Denk- und Handlungsweise eingeschlichen hatte. Es wäre ungerecht, wollten wir die Wohlthaten, die uns die neuere Zeit von Außen brachte, verkennen, so wie es eine Mißachtung unsres eignen, anerkennenswerthen Strebens wäre, wollten wir die kräftigen Schritte übersehen, die im Innern des Judenthums aus zu dessen Veredlung geschehen sind. — Die jetzt lebende, jüdische Generation hat indessen das Schwierige und Mißliche einer Uebergangsepoche getragen, die von Bedeutung für unsre Zukunft sein muß. Wir müssen säen, damit unsre Kinder ärndten; wir müssen den Geist der Zeit belauschen, und sich ihm möglichst anschließen, damit die kommende Generation eine Basis finde, worauf ihre Reformen und Fortschritte ruhen können; wir müssen Gemüther versöhnen und Herzen gewinnen, damit nichts Fremdartiges und Feindseliges mehr zwischen Brüder und Brüder sich dränge; wir müssen Vorurtheile abstellen und Vorurtheile bekämpfen; wir müssen Neues aufbauen, und dürfen nur mit Umsicht an das Umreißen des Alten denken. Ist das nicht eine schwere, mühselige Aufgabe? Bedarf es nicht des ganzen Muths der Männerkraft, der lebendigsten Ueberzeugung einer freundlich lächelnden Zukunft, um einem solchen Ziele ernstlich und aufrichtig zuzusteuern? Aber ein Genuß bleibt auch uns, die wir zum Streben berufen sind, das süße Bewußtsein nämlich, daß unser Thun und Wirken für ein werthvolles Gut verwendet wird, für ein Gut, das einer Menschenklasse, die eine so harte Vergangenheit gehabt hat, ein unendlicher Trost sein muß — für die Anerkennung der Menschen- und Bürgerrechte unsrer Glaubensgenossen. Darf es uns, wo ein solches Gut zu erringen ist, an Muth und Thatkraft, besonders aber au Liebe fehlen, die ja die Mühe versüßt, und den Schmerz lindert?! — Man hat uns vielfach zugerufen: „Zeiget Reife für die bürgerliche Gleichstellung und sie soll auch nicht fehlen!" Dieser Ausdruck „Reife" ist uns von verschiednen Seiten und in verschiednem Tone zugerufen worden. Die Uebelwollenden haben uns dieses Wort in mürrischem, hinwerfendem, strafendem Tone zugerufen, und Gott weiß, was sie unter diesem bedeutungsvollen Worte „Reife" verstanden wissen wollen, vielleicht den Inbegriff von Tugenden, die nur Enget in sich vereinigen können, aber keine mit Schwachen und Gebrechen behafteten Menschen, die noch dazu kaum einem unseligen Drucke entgangen sind. Die Wohlmeinenderen dagegen rufen uns diesen Ausdruck „Reife" in mildem, versöhnendem Tone zu, sie meinen es gut, und wir müssen ihren Rath ehren. Was thut nun, nach der Meinung dieser Wohlwollenden, uns vor Allem Noth, damit man unsrer, an sich so gerechten Angelegenheit frei und froh willfahren könne? Man antwortet: Für das bürgerliche Leben ehrbare und zweckmäßige Beschäftigungen, für das religiöse Leben zeitgemäßer und verständiger Cultus, vor allem aber für die Jugend eine treffliche Erziehung im Hause und in der Schule, auf daß dieser Jugend, die zunächst die Wohlthaten der Emancipation treffen müssen, auf jede Weise ein edler Sinn für religiöses, sittliches und gesellschaftliches Leben eingeprägt werde! Manchen dieser Anforderungen ist, vorzüglich bei der gebildetem Klasse schon längst genügt, manchen muß, besonders wenn man die Allgemeinheit ins Auge faßt, noch genügt werden. — So gerne wir uns hier über die Punkte des religiösen Cultus und der Jugend-