Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1881)
- Date
- 1881-01-18
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
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43 gelung dieser Verhältnisse nunmehr durch die vitalsten Interessen zahlreicher Familien gefordert wird — hat das Brüst, dium der israelitischen Landeslanzlei das im Abgeordneten. Hause das unerledigte Ansuchen um gesetzliche Rezipirung der jüdischen Confesfion beim Cnltusmininsterium erneuert und hervorgehoben, daß es dringend geboten wäre, zum mindesten hierbei diejenigen Bestimmungen des G.-A. LIII: 1868, welche den Uebertritt von einer christlichen Confesfion zur anderen regeln, auch auf die jüdische Glaubensgenosscnschaft auszudehnen. Wie wir vernehmen, bildet diese Unterbreitung der israelitischen Landes-Kanzlei gegenwärtig den Gegenstand der Verhandlung im Schoße des Ministeriums, wo eine baldige günstige Erledigung um so gewisser angehofft werden kann, als ja der Herr Cultusminister während der jüngsten Budgetdebatte im Abgeordnetenhause gegenüber dem Anträge des Abgeordneten Jränyi die nachfolgende Erklärung abgab, die wir in wortgetreuer Uebersetzung hier folgen lassen. Der Herr Minister sagt: „Jawohl, auch ich wünsche die Religionsfreiheit, aber auf einem anderen Wege und in einem anderen Sinne. Wenn solche Confesfionen — seien es Christen oder Nichtchristen — deren Lehren und Dogmen fich in Einklang befinden mit den Bedingungen der Existenz des Staates, mögen sie vom Auslande kommen oder unter uns entstehen, wenn diese auf dem gehörigen Wege fich an die Regierung oder an die Gesetzgebung wenden, so bürge ich dafür, daß sie ausgenommen und gesetzlich unter die rezipirlen Confesfionen eingereiht werden. Ich will auf diesem Wege die ungarische Religionsfreiheit zustande bringen, denn dieser Weg ist vereinbar mitden Bedingumgen der staatlichen Existenz Ungarns und der Zweck läßt sich auf diesem Wege ebenso sicher, vielleicht noch sicherer erreichen, als in der von dem Herrn Abgeordneten empfohlenen Weise." Bonn, 2. Januar. (Notizen.) Am 25. Dec. verstarb in Köln der Banquier Geheimer-Commerzienrath Freiherr Simon von Oppenheim, im 78. Lebensjahr, nachdem er vor wenigen Monaten seine goldne Hochzeit gefeiert hatte. Am Montag Nachmittag fand die Beerdigung auf dem israelitischen Friedhofe zu Deutz statt. Die Betheiligung namentlich seitens der Behörden, des Stadtverordneten-Collegiums, des Central-Dombauvereins, der Gesangvereine u. s. w. war eine sehr große und bezeugte, wie die „Köln. Z." sagt, daß „einer unserer besten Bürger" zu Grabe getragen wurde. Unter die Armen aller Confesfionen wurden am Begräbnißtage 10,000 Mark vertheilt. Bonn. 10. Januar. (Notizen.) Der außerord. Professor und Prosettor an der hies. Universität, vr. Nathan Zuntz, ist zum Prof, der Physiologie an dem kön. landwirthschastl. Institut zu Berlin berufen worden. — In Bernau wurde Herr Louis Fließ (Israelit) zum Vorsteher der Stadtverordneten w ie d er gewählt. — Stockholm, den 27. Dec. Ich habe den 11. Juni d. I. meine hiesige Stelle als Rabbiner, welche ich länger als 21. Jahr betteidete, gekündigt, und da die gestrige Gemeindeversammlung die Demission annahm, so werde ich mein hiesiges Amt am 11. 1881 niederlegen. — Ich bitte die gesammte jüdische Presse, diese Nottz mittheilen zu wollen. vr. L. Lewysohn, Rabbiner. Pest, im Nov. (Literarische Notizen.) Im Berlage von A. E. Landau in St. Petersburg erscheint vom 1. Januar k. I. an unter dem Titel „Woschod“ (Aufgang) in russischer Sprache eine neue jüdische Zeitschrift. Dem uns eben zugekommenen Programm zufolge kennzeichnet fich der reiche Inhalt derselben durch folgende Rubriken: Die sociale, polittsche, ökonomische und juridische Lage der Juden in Rußland; Geschichte der Juden in Rußland und anderen Ländern; Biographien der hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten, und solcher, die auf das Schicksal der Juden Einfluß hatten; Ethnographische Skizzen, Erzählungen, Romane, Dramen, Gedichte und Schilderungen ans dem jüdischen Leben. Literaturberichte und Kritiken. Uebersicht der hervorragendsten Ereignisse, die Juden in Rußland und anderen Ländern betteffende "Correspondenzen u. dgl. m. Die Zeitschrift erscheint in Monatsheften von 15—18 Druckbogen. Wir wünschen ihr den besten Erfolg. Kg. Ieuilleton. Elve Semiten freundliche Versammlung in Verliu. frage auf der Tagesordnung stand. Da nach alter Sitte (Nach der Boss. Zkg.) der Einladung die Bemerkung zugefügt war „Gäste find Daß es trotz aller Erregung der Gemüther und ttotz willkommen", so hatte fich schon lange vor der Eröffnung aller trüben Vorkommnisse in Berlin doch noch möglich ist, ein gewaltiger Menschenschwarm angesammelt, der von Midie Judenfrage öffentlich zu discutiren, ohne zu Excessen nute zu Minute anwuchs, so daß bald auf dem Hofe und Veranlassung zu geben, bewies die am Freitag (7.) Abend bis auf die Sttaße hinaus Hunderte von Menschen dicht geim Saale von Baumbach's Casino in der Prinzensttaße stattdrängt standen und der Vorstand Angesichts des geringen gefundene Versammlung des Louisenstädtischen Bezirksvereins, Umfanges des Saales sich genöthigt sah, nur den durch in welcher ein Bortrag des vr. Langerhans über die Juden- Mitgliedern eingeführten Gästen den Zutritt zu gestatten 3*