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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-01-18 · Heft 3 (18.1.1881) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 3 (18.1.1881)
Date
1881-01-18
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 der Heberolle, insbesondere durch Ermittelung und Heran-! —. Aus der Untersuchung gegen Förster-Jungfer wird Ziehung neuer Beitragspflichtiger erzielt worden. So ist die ■ berichtet: Professor D., der als Zeuge in der Disciplinar. Zahl der Steuerzahler, z. B. in den Jahren 1877 und Untersuchung vernommen worden ist, hat ausgesagt, daß die 1878, von 6989 auf 8493 gestiegen. Durch eine sehr ge-! Doctoren Förster und Jungfer Herrn Kantorowicz nicht nur schickte Finanzoperation wurde der neue Friedhof, dessen! augenscheinlich persönlich beleidigen wollten, sondern daß sie Kosten auf 300,000 Mark sich belaufen, ohne Mehrbelastung! auch die Absicht hatten, sämmtliche Insassen des Pferdeder Gemeinde hergestellt. Ich hebe besonders noch die seit! bahnwagens zu Zeugen dieser Beleidigung zu machen. Der 1859 errichtete Lehrer-Bildungsanstalt (Seminar) hervor, die, Gas- und Wasseranlagen- Unternehmer T. hat erklärt, daß seit 1862 120 mit staatlicher i^ualification versehene Lehrer eutlaffen hat, von denen einige auch an Simultanschulen fungiren. Bekanntlich besitzt Berlin das Auerbach'sche jüdische Waisenhaus und einen Mädchen-Waisen-Verein, der den Namen Mendelssohn trägt. Außer diesen besteht nun noch das Reichenheim'sche Gemeinde-Waisenhaus mit jetzt 71 Zöglingen, und dennoch unterhält die Gemeinde noch 92 Waisen, die in Familien untergebracht sind. Weitere Details möchten hier kaum interesfiren. Jedenfalls kann sich der Steuerzahler zur jüdischen Gemeinde in Berlin sagen, daß sein Geld auf das Zweckmäßigste verwendet wird. Berlin, 6. Jan. (Privatmitth.) Die officiöse „Nordd. Allg. Ztg." sucht die antisemitischen Ruhestörungen in der Sylvesternacht möglichst herabzumindern, muß aber doch zugestehen, daß ein Trupp von ungefähr 500 Köpfen zu dem bestimmten Zwecke, gegen die Juden zu tumultuiren, sich gesammelt hatte. Die „Boss. Ztg." berichtet: „Zur Sache wird uns von bestunterrichteter Seite gemeldet, daß dem Kaiser über die lärmenden Vorgänge in der Sylvesternacht Vortrag gehalten worden ist, und dabei alle Einzelmomente zur Sprache gebracht worden sind, namentlich auch die Ausschreitungen der Antisemiten, die in Brutalitäten ausgeartet waren. Der Minister des Innern dürfte sich nach diesen Vorgängen veranlaßt sehen, jeden ähnlichen Exceß für die Zukunft zu verhindern; es ist festgestellt worden, daß an den Ruhestörungen die Theilnehmer der Volksversammlung betheiligt gewesen find, in welcher neulich vr. Henrici über „die deutschen Stämme" gesprochen hatte. Die Aufteizungen dieses Herrn haben ganz besonders die pöbelhaften Auftritte Unter den Linden und in der Friedrichsstraße hervorgerufen. die Provokation eine so zweifellose gewesen wäre, daß Herr Kantorowicz in der bekannten Weise darauf hätte reagiren müsien. Außerdem haben die Herren Förster und Jungfer zugegeben, daß fie hätten provociren wollen. Nach diesen Thatsachen halten wir es nicht für glaublich, daß nur ein milder Verweis das Resultat der Disciplinar-Untersuchung bilden sollte, vr. Jungfer hat übrigens gegen Herrn Kantorowicz die Klage wegen Beleidigung und Mißhandlung eingeleitet und der Staatsanwalt hat in der That den Anttag auf Erhebung der Anklage gestellt. Rechtsanwalt Munkel wird als Bertheidiger in diesem Proceß fungiren, der jedenfalls die ganze Angelegenheit vor dem richterlichen Forum zur Erötterung bringt. Der Ehrenrath der Officiere hat nachträglich gegen vr. Förster doch das Verfahren eingeleitet. Berlin, 7. Januar. (Privatmitth.) Die hiesigen Blätter theilen Folgendes mit: Ter vr. Henrici ist an der Victoria- Schule als ordentlicher Lehrer vom Magistrat angestellt, hat aber vom Provinzial-Schulcollegium die erforderliche Bocatton noch nicht erhallen. Das Provinzial-Schulcollegium hat jetzt dem Magistrat mitgetheitt, daß es der Anstellung des vr. Henrici seine Bestätigung versagen müsie und den Magistrat aufgefordert, für die anderweite Besetzung der Stelle baldigst Sorge zu ttagen. — Da der Magistrat Herrn vr. Henrici bereits mit Rücksicht auf seine öffentliche Thättgkeit in der antisemittschen Agitatton vorläufig von seinen Amtsfuncttonen entbunden hatte, dürfte jetzt diese Angelegenheit erledigt sein. Es mag immerhin sein, daß Henrici vorläufig irgend einen Anhalt in den Patteien hat, die hinter der ganzen Agitation stehen: das Uriheil des Provinzial-Schulcollegiums behindert Im Uebrigen werden sich mehrere der Ruhestörer theils vor dem Polizei-, theils vor dem Criminalrichter zu verantworten haben." —. In den Referaten über die letzte Versammlung der Antisemiten-Liga auf dem Berliner Bock war als Vorsitzender dieser Versammlung Hauptmann a. D. Liebermann von Sonnenburg genannt. Dem gegenüber erklätt nun dieser Lichtenbergerstraße 5 wohnende Herr: „Da nur ein Hauptmann a. D. dieses Namens hier in Berlin exiftirt, so erkläre ich, daß ich diese Versammlung als Vorsitzender nicht geleitet habe, überhaupt den Agitattonen der Anttsemitenliga ganz fern stehe." wohl für immer seine Thätigkeit als öffentlicher Lehrer. Allerdings war es nicht anders zu erwarten. Denn wenn die Provinzial-Schulcollegien Schlesiens, Posens und anderer Provinzen neuerdings mehreren Gymnafialdirectoren und Lehrern, welche zu Stadtverordneten gewähtt worden, die Erlaubniß, dieses Amt zu übernehmen, verweigert haben, weil es sich mit ihrer amttichen Thäigkeit nicht vereinbaren laffe, so konnte doch unmöglich die agitatorische Thätigkeit Henrici's mit seiner amtlichen Thättgkeit sich verbinden laffen. Und wie nun die des vr. Förster, der bekanntlich die ganze über ganz Deutschland ausgedehnte Correspondenz für die antisemittsche Petition führt? ... — llebrigens wird jetzt

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