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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-01-18 · Heft 3 (18.1.1881) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 3 (18.1.1881)
Date
1881-01-18
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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38 aber die Sache selbst nicht, und war diese Anordnung aus! dem Inhalte der Schriften auch eine recht schwierige. Den I ersten Theil betitelt er: „M.'s Schriften zur Metaphysik und! Ethik sowie zur Religionsphilosophie", den zweiten: „Zur Psychologie und Aesthetik, sowie zur Apologetik des Judenthums". Zu letzterer zählt er „Jerusalem", „Einleitung zur Uebersetzung der Schrift des Rabbi Menaffe ben Israel: Rettung der Juden", aus der Correspondenz mit Lavater, Bonnet und dem Erbprinzen von Braunschweig-Wolsenbüttel, sowie die „Betrachtungen über Bonners Palingenesie". Wir wünschen aufrichtig, daß der Zweck des Herausgebers, die philosophischen Arbeiten Mendelssohn's einer neuen Verbreitung und Würdigung zuzuführen, sich im weitesten Umfange erfülle. Deutschland. Berlin, 4. Jan. i.Privatmitth.) Die hiesigen Blätter bringen noch lange Berichte über die Vorfälle in der Sylvesternacht. Genau genommen reduciren sie sich auf die Darstellungen zweier Reporter von Blättern, deren Glaubwürdigkeit nicht hoch angeschlagen wird. So viel ist gewiß, daß vor dem Cafe Bauer und National tumultuarische Auftritte stattfanden, in welchen Studenten die Hauptrolle spielten und zwar von beiden Parteien. Die Namen Treitschke, Stöcker und Henrici waren die Losungsworte pro st eoutrs. Herrn Prof. v. Treitschke muß der Gebrauch seines Namens bei solchen Gelegenheiten eine besondere Genugthuung schaffen. Die Boff. Ztg. fühlt sich zu folgender Bemerkung veranlaßt: „Die Herren Stöcker, Henrici, Treitschke mögen aus diesen, der Hauptstadt des deutschen Reiches im In- und Auslände zur Schande gereichenden Auftritten erkennen, wohin ihre Hetzereien führen. Es wird endlich Zeit, daß die Bürgerschaft sich ernsthaft auftafft, und dem rohen Treiben dieser wüsten Horden, welche die Straßen der Stadt und einzelne Lokale unsicher machen, indem sie die Judenhetze zum Sport erheben, energisch entgegentritt. Insbesondere aber sollte unsere Studentenschaft nicht vergeffen, daß es sich hier nicht um ein verzeihliches Ueberschäumen jugendlicher Kraft und jugendlichen Uebermuthes handelt, sondern um Ausschreitungen, die für unsere akademische Jugend und unsere akademische Bildung ein Schimpf find." Die Ansprache an die Herren Stöcker und Henrici hätte sich die „Boff. Ztg." wohl sparen können, da solche Ausschreitungen nicht außerhalb des Gesichtskreises dieser Herren, namentlich des letzteren, lagen. Berichtet doch selbst die „Germania", daß in der Versammlung der „Bockbrauerei" eine stille Verabredung dazu stattgesunden. Genug, die Hauptstadt des deutschen Reiches hat unter allen großen Centreu der Civilisation allein die Ehre, diese neueste Sumpfpflanze zu Wachsthum und Blüthe gebracht zu haben. — Daß die ultramontanen Organe das neue Jahr mit frischen Kräften zur Verfolgung ihrer Pläne gegen die Juden antreten, ersieht man aus den Ankündigungen, die sie erlaffen, und in welchen die „Judenftage" das anziehende Element bilden soll, so der neue Jahrgang der „Historisch-politischen Blätter", des „Bonifacius Kalenders für 1881", u. A. Man will eben das deutsche Volk nicht zur Ruhe kommen laffen, um aus dem beständigen Kampfe seinen Bortheil ziehen zu können. Berlin, 5. Januar. (Privatmitth.) Da jetzt wieder größere Ruhe eingetreten zu sein scheint, darf ich wohl einen Blick auf die im vorigen November ausgegebene intereffante „Ueberficht des Haushalts der jüdischen Gemeinde zu Berlin in den Jahren 1878 und 1879" werfen. Wir haben hier einen Etat vor uns, welcher dem einer größeren Mittelstadt gleichkommt, einen Etat, der lediglich aus directen Steuern und den Zinsen einiger Fonds bestritten wird, und dabei in der günstigsten finanziellen Lage sich befindet. Sieht daher das einleitende Wort mit Befriedigung auf die finanzielle Gebahrung der Gemeinde, so ist es auch berechtigt, mit gleicher Genugthuung auf die von ihr unterhaltenen Institute zu blicken, denn sowohl das Schulals auch das Armenwesen, das Krankenhaus und die Begräbnißanstalten find in blühendem Zustande und das Synagogenwesen in fortschreitender äußerer und innerer Entwickelung. Hierbei ist nun nicht zu vergeffen, daß die ganze Verwaltung der Gemeinde im Ganzen, wie der einzelnen Anstalten außer dem Sekretariat, durch unbesoldete Ehrenämter vollzogen wird. Erinnert man sich zugleich, daß durch die Austrittsgesetze vom 14. Mai 1873 und 28. Juli 1876 es jedem Steuerzahler ermöglicht ist, sich der Steuer zu entziehen, und daß, wie der Bericht angiebt, seit diesen Zeitpunkten bis heute nur 17 Steuerzahler aus dem Gemeindeverbande ausgetreten find: so ergiebt sich, daß solche Berhältniffe doch nur auf einem starken sittlich-religiösen Boden er- und bestehen können. Es erweckt daher eine wahrhaft erwärmende Empfindung, wenn man sich bewußt macht, daß man es hier mit einer Maffe von mehr als 40,000 Seelen zu thun hat. Es handelt sich hier um eine Einnahme im Jahre 1879 von 631,224 Mark, gestiegen seit 1878 um mehr als 100,000 Mark. Dabei find die bisherigen Normen der Steuerzahlung unverändert geblieben, und es ist deshalb das Gleichgewicht in der Finanzlage nur durch die Sorgfalt in der Führung

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