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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-01-18 · Heft 3 (18.1.1881) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 3 (18.1.1881)
Date
1881-01-18
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 Henrici von der „Germania", der „Kreuzzeitung den „Reichsboten" und Stöcker dementirt und zurückgewiesen. Wir legen hierauf kein Gewicht. Es ist dies das gewöhnliche Manöver der intellectuellen Urheber einer Aufwiegelung, die sich zurückziehen, wenn sie ihre Wirksamkeit gelungen sehen, die schlimmen Folgen aber Andere tragen lasten wollen. Die angeführten Blätter haben seit Jahren dastelbe gesagt und gepredigt, was Henrici unverfroren kundgethan. Demungeachtet wollen wir nicht verkennen, daß der Rückzng jener Leute bezeugt, daß das Rechtsgesühl und der gesunde Menschenverstand wieder Stellung genommen haben und man stch vor diesen;u schämen beginnt. Stöcker hielt am 3. d. wieder eine Versammlung seiner Partei, die aus ca. 400 Personen bestand. In derselben vertheidigte er sich gegen den, auch von uns angeführten Artikel des „Evangelisch-kirchlichen Anzeigers", wahrscheinlich, weil er sich recht tief von demselben getrosten fühlt. In salbungsvollen Worten versichert er abermals seine Friedensliebe und daß er stets vor Haß gegen die jüdischen Mitbürger gewarnt habe; er müste von sich und seiner Partei jede Verantwortung für etwaige Gewaltthätigkeiten abwälzen. Daß Herr Stöcker hiermit sich selbst nur den Charakter der Zweideutigkeit verleiht, brauchen wir kaum zu bemerken. Er mißbilligt in vollem Maße die Agitation des vr. Henrici und Consorten, als ob diese etwas Anderes als die Cousequenzen aus Stöcker's Reden gezogen! Für Ausnahmegesetze gegen die Juden werde er nie eintreten; aber gleich darauf sollen nach ihm die Juden in der juristischen Laufbahn ziffermäßig beschränkt werden. — Einen ganz anderen Charakter hatte eine andere Versammlung. Bon vornherein war es erkenntlich, daß die gegen die Juden ge. richtete Agitation einen doppelten Charakter hatte, einen religiösen und einen nationalen. Jetzt bat man sich hierin getheilt. Stöcker übernimmt das religiöse Moment, eingehüllt in socialistische Ideen, und Henrici, Förster und Consorten das nationale. Letzteres nämlich soll zum Borwand dienen, um die deutsche Studentenschaft in die Judenverfolgung hineinzuziehen. Man will eine „nationale deutsche Studenten- Berbindung" zusammenbringen, um die Jünglinge heranzulocken, der Kern aber ist doch nur die Judenhetze. Dies bezeugte eine Studentenversammlung am 3. Januar, die von etwa 500 Personen, worunter 30 Auswärtige, besucht war. Unter den Anwesenden waren Henrici. Förster und der geistliche Rath Müller (ultramontan). Indem wir die Schmähungen auf die Juden, Prof. Mommsen u. A. übergehen, führen wir nur Fakten an, welche in der Versammlung vorgetragen wurden, bei denen jedoch sicherlich große Uebertreibungen mit unterliefen. Vom Leipziger Haupt-Comitö aus hätten sich Zweig-Comitss gebildet, in Halle, Kiel, Rostock, Göttingen und Berlin (also von den 10 preußischen Universitäten nur an 4, von den 0 deutschen nur an 2). Der Hauptzweck dieser Comites sei, Unterschriften für die Antisemitenpetition zu sammeln. (Das ist also der Zweck einer deutschen nationalen Studentenschaft.) Erfolg hätte die Unterzeichnung nur in Leipzig, Berlin und Straßburg gehabt. Der Absendungstermin der Petition sei auf den 10. Februar hinausgeschoben. In Berlin an der Universität und der technischen Hochschule hätte sie 1400 (??) Unterschriften erhalten. Einem Gegenredner wurde das Wort entzogen. Ob es im Interesse der Wistenschaft und des Staates liege, daß die Studenten sich zu politischen und socialen Zwecken verbinden, diese Frage zu beantworten, ist nicht unsre Sache. Gegenwärtig agitirt die studentische Verbindung gegen die Juden und man duldet dies. Die Geschichte lehrt, wie bald eine solche auf ganz andere Gebiete überspringt. —. Zum Besten des Stipendienfonds der Hochschule für die Wistenschaft des Judenthums sollen öffentliche Vorlesungen gehalten werden. Sie werden am 10. Januar im Saale der Gesellschaft der Freunde, Abends 7 Uhr, ihren Anfang nehmen. Am 10. Januar wird lesen: Justizrath Makower: Unsere Gemeinde; am 17. Januar vr. D. Castel: Elia in der jüdischen Legende; am 24. Januar vr. I. Lewy: Die jüdischen Trauergebräuche; am 31. Januar Profeffor vi. Steinthal: Ueber Börne; am 7. Februar Rabbinatsasteffor vr. Fränkl: Ist der Satz: „Alle Israeliten bürgen für einander", auch so berechtigt, wie er geläufig ist? am 14. Februar Profeffor vr. M. Lazarus: Ueber Spinoza. — . Endlich fängt man auch von liberaler Seite an sich zu regen. Da die Antisemiten nicht aufhören, Versammlungen zu halten, begreift man, daß man ihnen solche entgegenstellen muß. Durch an die Hausthüren seines Bezirks angeklebte Plakate macht der Luisenstädtische Bezirksverein bekannt, daß am Freitag, den 7. d. M., Abends 8 Uhr, Herr vr. Langerhans in öffentlicher Versammlung des Vereins über „die sogenannte Judenfrage" sprechen wird. — Die Versammlung findet in Baumbach's Casino, Prinzenstraße 94, statt. — Gäste sind willkommen. — Nach den unliebsamen Vorgängen am Dienstag Abend im Potsdamer Bezirks-Verein wird der Verein jedoch die nöthigen Maßregeln treffen, durch Unberufene nicht belästigt zu werden. Berlin, 6. Jan. Das hiesige Polizeipräsidium hat den kleinen Theatern, Cafes u. s. w. die Weisung zugehen laffen, alle Vorträge zu Unterlasten, die geeignet find, unliebsame Reibereien unter den Zuschauern hervorzurufen. Es ist natürlich die Jndenwühlerei, auf deren hochgehende Wellen die Polizei linderndes Oel gießen möchte. Berlin, 9. Januar. In der Stadtverordnetenversammlung vom 6. d. wurde vr. Straßmann mit 97 Stimmen von 113 zum Vorsitzenden und Virchow mit 73 von 120 zum stellvertretenden Vorsitzenden wiedergewählt. Der bei diesem Akte fungirende Alterspräsident sprach in lebhaftester

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