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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-01-18 · Heft 3 (18.1.1881) · p. Seite 37

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 3 (18.1.1881)
Date
1881-01-18
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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37 Nahm diese Familie in ihren Kreisen eine bedeutende gesell-' faltet, die für die Größen der Vergangenheit nur ein spöttisches schaftliche Stellung ein, so ragt aus ihrer Mitte der unsterb-! Lächeln hat. Und dennoch neben dieser Richtung findet ein liche Componist Felix Mendelssohn-Bartholdy hervor. Dabei vereinigte die verschiedenen Glieder dieser Familie die innigste Liebe, ein ebenso geistwie gemüthvolles Familienleben. Es war daher ein glücklicher Gedanke des Urenkels S. Hensel, aus der reichen Urkunden» und Briefsammlung der Familie nicht blos die Geschichte derselben zu schreiben, sondern auch ein lebensvolles Bild zusammenzustellen, in welchem uns die einzelnen Gestalten frisch und natürlich entgegentreten. Er beginnt mit einer einfachen aber gut geschriebenen Biographie Moses Mendelssohns, geht auf die Kinder und dann auf die Enkel defielben über, unter welchen bald Felix der eigentliche Mittelpunkt wird. Mit dem Tode Felix' und seiemsiges Durchforschen der Vergangenheit einen breiten Raum, das Streben, was fie uns an Schätzen hinterlaffen hat, immer wieder im Bewußtsein der Gegenwart aufzufrischen und zu befferem Berständniß zu bringen. Kurz, neben den exakten und philosophischen Wifienschaften ist es die Geschichte in allen ihren Verzweigungen, welche das eifrigste Studium und die umfassendste Förderung erfährt. Wir halten dies für ein besonderes Glück, und zwar aus mehrfachen Gründen, namentlich aber darum, weil die Jetztzeit mitten in dieser gewaltigen Entwickelung der eigentlichen Direktive verlustig gegangen» indem zugleich das potenzirte Leben eine mächtige Leidenschaftlichkeit hervorgebracht hat, welche die Gegensätze schroffer ner Schwester Fanny (1847) endete die erste Auflage, welcher! macht und zu einem bedrohlichen Kampfe führt. So kann uns der Berf. in der jetzigen, in einem kurzen Zeitraum erforderi nichts heilsamer sein in dieser Verwirrung der Begriffe, der Anlichen Auflage Nachrichten über die weiteren Schicksale der! schauungen und Ziele als der ernste Rückblick in die geschicht- Familienglieder hinzufügte. So erstreckt sich das Buch über! liche Entwickelung, namentlich in Perioden, die sich eines ein 120 Jahre hinaus. Den größten Raum füllen die Briefe! heitlichen Ganges, einer einheitlichen Geistesrichtung und der verschiedenen Glieder der Familie aus, und diese sind! gewisser vorherrschender Principien erfreuten. Eine solche voll Geist und inniger Herzensergüsse, sie bringen zugleich! Periode war das vorige Jahrhundert, wenn es auch seiner so frische und wahrheitsgetreue Schilderungen aus England,! Schattirungen und Nuancirungen nicht entbehrte. Die hu- Jtalien, Schweiz u. a. O., daß sie zu den besten Erzeugnis, > manitären und kosmopolitischen Grundgedanken bildeten das sen der Epistolographie in deutscher Sprache gehören. Diej einheitliche Fundament, auf welchem sich die Geister von Genf religiöse Haltung der Familie ist eine deistische. Da fie nach und Ferney bis nach Petersburg, von Rom bis London und und nach das Judenthum verließ, so konnte es nicht fehlen, Washington bewegten. In diese Gedankenwelt des vorigen daß uns gewisse Auslassungen, namentlich Abraham Mendels- Jahrhunderts immer einmal wieder einzugehen und sie lesohn's, abstießen. Was wir darüber zu sagen hatten, haben bendig sich vorzustellen, kann unsrer Gegenwart nur nützlich wir bereits früher ausgesprochen, und brauchen deshalb nicht sein und ein Correktiv bieten. Mögen also Mendelssohn's wieder darauf znrückzukommen. Abgesehen hiervon, wird philosophische Schriften für die eigentliche Philosophie, wie dieses Werk außer dem Interesse für Moses und Felix als fie durch Kant, Fichte, Schelling, Hegel und seitdem durch das Gemälde eines musterhaften Familienkreises, in welchem eine manigfaltige Reihe tiefer Denker nach den verschiedenem stetiges Streben nach den höchsten Gütern des Lebens sten Richtungen entwickelt worden, keine Bedeutung mehr haherrschte, die wärmste Theilnahme erwecken. — Doch für ben: sie besitzen dennoch außer ihrem historischen und literari Mendelssohn eine noch direktere Würdigung ist durch die scheu Werthe gerade wegen ihrer feinen, eleganten, geist- und Herausgabe folgenden Werkes gegeben: „Moses Mendelssohn's gemüthvollen Bearbeitung der populär-philosophischen Ideen Schriften zur Philosophie, Aesthetik und Apologetik. Mit des vorigen Jahrhunderts einen großen Werth und können Einleitungen, Anmerkungen und einer biographisch-historischen auch gegenwärtig noch auf die weitesten Kreise der gebildeten Charakteristik Mendelssohn's, herausgegeben von Di-. Moritz Welt eine sehr nutzbringende Wirkung üben. Es war daher Brasch. Mit dem Bildnisse Mendelssohn's in Stahlstich, j ein sehr verdienstvolles Unternehmen des vr. Moritz Brasch. Leipzig. Boß. 1880". 2 Bände. In unserer Zeit machen eine neue und correcte Ausgabe der philosophischen Schriften sich zwei Strömungen geltend, die sich gegenseitig ergänzen.! Mendelssohn's zu veranstalten, in welcher zugleich durch Ein- Der mächtige Fortschritt auf allen Gebieten der Wissenschaft, die Verbreiterung und Vertiefung der gelammten Geisteswelt, die innige Verbindung des theoretischen und des praktischen Lebens haben in vielen Beziehungen die Erzeugnisse des vorigen Jahrhunderts so überflügelt, daß selbst die hervorragen leilungen und Anmerkungen dem Leser die Gesichtspunkte und die Verhältnisse der Zeit, unter welchen diese Schriften entstanden, klar gemacht werden, sowie eine historisch-biographische Charakteristik den Standpunkt Mendelssohn's und seinen Entwickelungsgang ins Licht stellt. Dabei ist die Ausden unter denselben nur noch eine literär-historische Beachtung stattung seitens der Vcrlagshandlung höchst anerkennenswerth. beanspruchen können. Hieraus hat sich ein Widerspruch gegen j Man kann über die Anordnung und Berthcilung des Stoffes alle Autorität, ja selbst eine pietätlose Rücksichtslosigkeit entanderer Meinung sein, als der Herausgeber. Ties berührt

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